Maria Lassnig

Selbstporträt

Lassnig Selbstporträt Maria Lassnig Foundation 1500 - © Maria Lassnig Foundation
  • Maria Lassnig
  • Selbstporträt
  • 1957
  • Öl auf Holz
  • 78,8 x 49 cm
  • Maria Lassnig Foundation - © Maria Lassnig Foundation

In den frühen 1950er-Jahren besuchte Maria Lassnig Paris und saugte begierig den Einfluss zeitgenössischer Kunstbewegungen wie des Art informel und des Tachismus ein, aber auch frühere modernistische Kunstströmungen wie den Surrealismus und den Expressionismus. Diese Kunstrichtungen waren während ihrer Ausbildung zur Künstlerin im Österreich der Nazizeit überhaupt nicht vorgekommen. Selbstporträt (1957) veranschaulicht beispielhaft den Dialog zwischen Abstraktion und Figuration in Lassnigs Gemälden aus dieser Zeit. Obwohl der Bildtitel nahelegt, dass es sich um ein Selbstporträt handelt, erhebt die Künstlerin nicht den geringsten Anspruch, dass es sich um eine zutreffende Darstellung ihrer Gesichtszüge handelt, sondern deutet lediglich vage die Umrisslinie ihres Körpers an. Stattdessen überlappen und verschränken sich in diesem Bild flache, struppige Flecken nicht-naturalistischer Farben – Türkis, Gelb und Pink – und lösen den Unterschied zwischen Figur und Grund auf.

Auch wenn sie augenscheinlich abstrakt sind, werden Lassnigs Gemälde von den wechselseitig miteinander verbundenen Konzepten dessen, was sie als »Körperbewusstsein« und „Erfahrungen der Innenschau“ bezeichnete, angetrieben. In ihren Selbstbildnissen, die ihr Werk bis an ihr Lebensende beherrschen sollten, ging es ihr nicht darum, das äußere Erscheinungsbild ihres Körpers zu erfassen, sondern sie versuchte, beim Malen die Erfahrung zu erfassen, dass sie in diesem Körper steckte, und dabei ihre physischen Empfindungen in den Vordergrund zu stellen. Lassnig schrieb dazu: „Ich trete gleichsam nackt vor die Leinwand, ohne Absicht, ohne Planung, ohne Modell, ohne Fotografie. ... Doch habe ich einen Ausgangspunkt, der aus der Erkenntnis entstand, dass das einzige wirklich Reale meine Gefühle sind, die sich innerhalb des Körpergehäuses abspielen."

Rachel Wetzler

Biography of Maria Lassnig

  • Born 1919 in Kappel am Krappfeld (Carinthia), Austria
  • Died 2014 in Vienna, Austria

Maria Lassnig was the first woman to win the Grand Austrian State Prize in 1988. She began to study art at the Akademie der Schönen Künste (Academy of Fine Arts) in Vienna in 1941, first under Wilhelm Dachauer (1881–1951), who allegedly declared her art “degenerate,” then studied under Ferdinand Andri (1871–1956) and Herbert Boeckl (1894–1966). Late in the 1950s, Lassnig described her primarily artistic concern as “body awareness.” Freed from the constraints of realistic rendering, she considered her inner sensations and needs of her body as the most urgent reality, which she depicted through paintings of deformed bodies in meaningful colors. After living in Paris from 1961 to 1968, Lassnig moved to New York. She attended an animated film course at the School of Visual Arts, which led to several noted films, including Selbstportrait (Self-portrait, 1971). In 1980 she was appointed professor at the Hochschule für Angewandte Kunst (Academy of Applied Arts), Vienna, and later established an animated film studio in her master class. Lassnig represented Austria at the Venice Biennale in 1980 and took part in Documenta, Kassel (1982). At the Venice Biennale in 2013 she received the Golden Lion award for lifetime achievement in the arts.