Hermann Nitsch

Blutbild

Nitsch Blutbild Mumok 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo © Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
  • Hermann Nitsch
  • Blutbild
  • 1962
  • Gewebe, Blut auf Leinwand
  • 110 x 80,5 x 6 cm
  • Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, acquired in 1983 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo © Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

Obwohl er als wichtiger Vertreter der Wiener Aktionisten bekannt wurde, deren Gruppe junger Performance-Künstler von 1960 bis 1971 in der österreichischen Hauptstadt aktiv war, arbeitete Hermann Nitsch zu Anfang im Medium der Malerei. Seine frühen Bilder besitzen jedoch durchaus performative Qualitäten, da er Farbe und Wachs auf die Leinwand goss oder schleuderte, um dynamische, intuitive Kompositionen zu erschaffen, die der Malerei der  Art informel zweifellos nahestanden. Diese ab 1958 gefertigten Arbeiten waren vor allem in Rot ausgeführt, ein Vorgeschmack auf Nitschs spätere Fixierung auf Blut und Eingeweide, die eine wesentliche Rolle in den rituellen und quasi-religiösen Gruppenaktionen seines „Orgien Mysterien Theaters“ spielen sollten. Blutbild (1962) ist ein erstes Beispiel.

Nitsch verwendete 1962 erstmals Blut für seine Bilder, im gleichen Jahr machte er seine erste Performance-Aktion im Atelier seines Künstlerkollegen Otto Muehl (1925–2013). Schon zu diesem Zeitpunkt hatte Nitsch das Gefühl, die Möglichkeiten der Art informel ausgeschöpft zu haben, und war auf der Suche nach einem passenden Ausdrucksmittel für seine weitere performative Arbeit. Während bei Nitschs Aktionen oft Blut auf die Beteiligten geschmiert oder gespritzt wurde, war die Verarbeitung von Blut in seinen Bildern weitaus ,beschaulicher‘. Für solche Arbeiten tränkte er entweder Stoffstücke in einem Behältnis mit Blut oder begoss sie mit Blut, bevor er die Bildfläche damit bearbeitete. Seine Blutbilder sind als Aktionen gedacht, die formale Experimente darstellen, und nicht als die Produkte einer Aktion.

Daniel Milnes

Biography of Hermann Nitsch

  • Born 1938 in Vienna, Austria
  • Died 1938

Hermann Nitsch is known for his experimental and multimedia art. He graduated from the Graphische Lehr- und Versuchsanstalt (Experimental Graphic Institute of Vienna), but turned to painting in the 1950s. He was a member of the Wiener Aktionismus (Viennese actionist movement) with Otto Muehl (b. 1925), Günter Brus (b. 1938), and Rudolf Schwarzkogler (1940–1969). In 1957 Nitsch invented the Orgien Mysterien Theater (Orgiastic Mystery Theater), based on the idea of the Gesamtkunstwerk, or comprehensive artwork. The Orgien Mysterien Theater is a six-day festival featuring a variety of art forms and rituals, both religious and pagan. The staging aims at liberating the spectator’s religious, moral, and sexual inhibitions by engaging all senses. Nitsch’s controversial performance pieces have involved blood, dead animals, and passive human actors. His splatter paintings (Schüttbilder) mingle paint and blood on rough burlap canvases. In 1971 Nitsch acquired a castle in Prindendorf, near Vienna, as the main venue for his Orgien Mysterien Theater. In 1974 he met the gallery owner and publisher Peppe Morra, who became his agent, arranging his performances and publishing his theoretical works. In 2007, Nitsch opened the Hermann Nitsch Museum in Mistelbach, Austria. His work has been exhibited widely in the U.S. and Europe.