Wolf Vostell

You are Leaving the American Sector (Sie verlassen jetzt den amerikanischen Sektor)

Vostell You Are Leaving The American Sector Museum Folkwang Frei - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Museum Folkwang Essen - ARTOTHEK
  • Wolf Vostell
  • You are Leaving the American Sector (Sie verlassen jetzt den amerikanischen Sektor)
  • 1964
  • Sprühdosenfarbe auf Siebdruck auf Leinwandfoto
  • 123 × 451.5 cm
  • Museum Folkwang, Essen - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Museum Folkwang Essen - ARTOTHEK

Wolf Vostell war Mitbegründer der Fluxus-Bewegung in den 1960erund 1970er-Jahren und ein Wegbereiter der Installation, des Happenings und der Environmental Art. Sein Film Sun in Your Head (1963) zeigt flimmernde Fernsehbilder, die er durch Dekonstruktion und Montage verfremdet hat. Da es zu diesem Zeitpunkt, als der Film gemacht wurde, noch keine Playback-Technik gab, ließ Vostell den Kameramann Edo Jansen das Fernsehprogramm mit einer 16mm-Kamera abfilmen und die Bilder anschließend manipulieren. 

Ca. 1960 war das Fernsehen zu einer Hauptinformationsquelle für viele Zuschauer geworden. Mit der Demontage der Originalsendungen reagierte Vostell auf die Erfahrung, dass Fernsehsendungen Fakten häufig verzerren und falsch darstellen, statt informativ zu sein. 

Eine ähnliche Botschaft enthält das Bild You are Leaving the American Sector (1964). Aus vorhandenem Bildmaterial stellte Vostell Ausschnitte von einem Schild am deutsch-deutschen Grenzübergang in Berlin mit Bildern von Stacheldrahtzäunen, Soldaten, Straßenansichten aus beiden Sektoren sowie drei grob übertünchten Porträts der drei einflussreichsten Politiker jener Zeit zusammen: des sowjetischen Regierungschefs Nikita Chruschtschow, des US-Präsidenten John F. Kennedy und des deutschen Kanzlers Konrad Adenauer. Durch großflächiges Übersprühen „dé-coll/agierte“ er wichtige Details – ein von ihm so benanntes Prinzip der Zerstörung, der Verschmutzung und des Neuanfangs.

Petronela Soltész 

Biografie von Wolf Vostell

  • Geboren 1932 in Leverkusen, Deutsches Reich
  • Gestorben 1998 in Berlin, Deutschland

Bekannt wurde Wolf Vostell als Mitbegründer der Fluxus-Bewegung der 1960er- und 1970er-Jahre, aber auch durch seine richtungweisenden Installationen, Happenings und Environments. 

Er studierte unter anderem an der École nationale supérieure des Beaux-Arts in Paris (1955/56) und an der Kunstakademie Düsseldorf (1957). 1958 initiierte er in Europa und New York die ersten Happenings. 

Im selben Jahr entstand die erste Installation, in die er ein laufendes Fernsehgerät einbaute (Deutscher Ausblick aus dem Zyklus Schwarzes Zimmer, 1958–1963). Unter dem aus dem Französischen entlehnten Begriff „Dé-coll/age“ knüpfte er 1954 an die dadaistische Praxis des Zerlegens von Konsumartikeln (in seinem Fall waren es Plakate) an, um so zu eigenständigem Denken anzuregen. 

Für seine künstlerischen Statements erntete er schon früh internationale Anerkennung. 1962 war er Mitorganisator von Festum Fluxorum in Wiesbaden, einem von zahlreichen Events der Fluxus-Gruppe. 1974 widmeten ihm das Musée d’art moderne de la Ville de Paris und die Neue Nationalgalerie Berlin große Retrospektiven. 1977 nahm er an der documenta teil. 

In den 1980er-Jahren erweiterte Vostell seine Praxis um das Environment und schuf begehbare Installationen für den Fluxus-Zug, der durch ganz Deutschland fuhr. 1976 gründete er im spanischen Malpartida de Cáceres das ausschließlich seinem Werk gewidmete Museo Vostell.