Robert Rauschenberg

White Painting (Weißes Gemälde)

Rauschenberg The White Painting Two Panel Robert Rauschenberg Foundation 2 1500
  • Robert Rauschenberg
  • White Painting (Weißes Gemälde)
  • 1951
  • Öl auf Leinwand
  • 182.9 x 243.8 cm
  • © Robert Rauschenberg Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Robert Rauschenberg hat immer wieder unterschiedliche Medien, Techniken und Materialien verwendet, weshalb sich sein Œuvre nicht auf einen Stil oder eine künstlerische Bewegung reduzieren lässt. Erstmals gezeigt wurde White Painting im Jahr 1952 am Black Mountain College in North Carolina als Teil des Theater Piece No. 1 (The Event) (Theaterstück Nr. 1 [Das Ereignis]), einer gemeinsamen Multimedia-Performance von Rauschenberg, Merce Cunningham (1919–2009) und ihrem Mentor John Cage (1912–1992). Im Rahmen der Inszenierung wurde Rauschenbergs Werkgruppe White Paintings damals in Form eines Kreuzes an der Decke aufgehängt.

Im Unterschied zu anderen monochromatischen Gemälden dieser Zeit, denen die Handschrift des Malers anzusehen ist, ist dies bei White Painting nicht der Fall. Den beiden Bildern fehlen sowohl Glanz als auch Dynamik, denn der Künstler hat hier die Farbe mit einer Rolle bewusst direkt auf die Leinwand aufgetragen, ohne vorher zu grundieren. Zudem hatte Rauschenberg klar zu verstehen gegeben, dass diese Tafeln übermalt werden konnten, um das ursprüngliche Aussehen zu erhalten und jegliche Andeutung von Alterung oder Patina zu vermeiden. Als das Bild 1953 in der Stable Gallery in New York gezeigt wurde, erntete es Spott bei Kritikern und Publikum. Obwohl Rauschenberg schon 1951 schwarze Monochrome gemalt hatte, empfanden selbst Künstler, die das Potenzial der monochromatischen Malerei erkannten, Weißes Gemälde als nihilistisch. John Cage dagegen beschrieb die Weißen Gemälde als »Flughäfen«, auf denen changierendes Licht, Schatten, ja sogar Staubpartikel "landen" konnten, um subtile Veränderungen in der Umgebung festzuhalten. In den folgenden Jahrzehnten sollten die Weißen Gemälde wichtige Vorläufer für Minimalismus, Konzeptualismus und prozessbasierte Kunst werden.

Adrianna Campbell

Biografie von Robert Rauschenberg

  • Geboren 1925 in Port Arthur, Texas, Vereinigte Staaten
  • Gestorben 2008 in Captiya Island, Florida, Vereinigte Staaten

Im Zweiten Weltkrieg diente Robert Rauschenberg im U.S. Navy Hospital Corps in San Diego. 1947 begann er am Kansas City Art Institute in Kansas City (Missouri) Modedesign zu studieren. Es folgte ein Aufenthalt in Paris.

1948 schrieb er sich am Black Mountain College in North Carolina ein, wo er bei Josef Albers (1888–1976) studierte und John Cage (1912–1992) kennenlernte. Anfang der 1950er-Jahre reiste er mit Cy Twombly (1928–2011) durch Europa und Nordafrika; 1953  ließ er sich in New York nieder, wo er sich mit Jasper Johns (* 1930) anfreundete. 

Die Black Paintings und die White Paintings, mit denen er auf den Abstrakten Expressionismus reagierte, machten Rauschenberg bald bekannt. Obwohl sein Werk oft mit der Pop-Art in Verbindung gebracht wird, lässt es sich weder einem bestimmten Stil noch einer bestimmten Kunstströmung zuordnen. 

In seinen bekannten skulpturalen Collagen, die er selbst als „Combine Paintings“ bezeichnete, spiegelt sich seine lebenslange Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Medien, Techniken und Materialien sowie sein Glaube an die Einheit von Kunst und Leben. 1963 ehrte das Jewish Museum in New York ihn mit einer frühen Retrospektive; im Jahr darauf erhielt er den Großen Preis der Malerei auf der Biennale von Venedig.

Mehr Werke von Robert Rauschenberg in der Ausstellung

Rauschenberg Axle Museum Ludwig 1500 - © Robert Rauschenberg Foundation/VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: © Rheinisches Bildarchiv Köln: rba_c000182
Robert Rauschenberg
Axle (Achse), 1964
Museum Ludwig Köln / Schenkung Ludwig