Gyula Kosice

Variation in Blue (Variation in Blau)

Kosice Variation In Blue Collection Of The Artist1500
  • Gyula Kosice
  • Variation in Blue (Variation in Blau)
  • 1945
  • Öl auf Leinwand
  • 88 x 60 x 6 cm
  • © Gyula Kosice

In Variation in Blue (1945) kommen die sozialen und spirituellen Ambitionen, die Gyula Kosice mit seiner Kunst verband, zum Ausdruck. Indem er die rationale geometrische Abstraktion, die vor dem Krieg im Zentrum des Interesses von Persönlichkeiten wie Piet Mondrian (1872–1944), Theo van Doesburg (1883–1931) und Wladimir Tatlin (1885‒1953) gestanden hatte, in etwas Neues übersetzte, machte Kosice deutlich, dass es in der Nachkriegszeit einer Kunst mit utopischen Ambitionen bedurfte. Zwei Aspekte, nämlich Farbe und Geometrie, spielten dabei für die transformative Kraft der Kunst eine entscheidende Rolle. Beide gemeinsam entfalten in diesem Werk ihre Wirkung. Es handelt sich um eine eigenwillig geformte Leinwand („shaped canvas“), die aus fünf unregelmäßigen Dreiecken und einem Rechteck besteht, die in den Raum des Betrachters hineinragen und einen Kreis bilden. Das irgendwo zwischen Gemälde und Skulptur angesiedelte Werk erzeugt eine dynamische Beziehung zu seiner Umgebung und ermutigt den Betrachter, beim Verständnis dieser neuen Form eine aktive Rolle zu spielen. Das helle Blau, das an den Himmel und seine Attribute denken lässt, inspiriert zu transzendentem Denken.

Diese Art Gemälde ist typisch für Madí. Mit diesem erfundenen Name bezeichnete Kosice ihm nahestehende Künstler, die in Buenos Aires, im übrigen Südamerika und in Paris tätig waren. Die Buchstaben dieses Worts bilden das Akronym Movimiento, Abstracción, Dimensión, Invención (Bewegung, Abstraktion, Dimension, Erfindung). Die Madí-Künstler, die sich den Grundsätzen der konkreten Kunst verpflichtet fühlten, ersannen multidisziplinäre Projekte, die Musik, Tanz und Theater umfassten, um mittels der Kunst eine transformative Erfahrung zu erzeugen.

Megan Hines

Biografie von Gyula Kosice

  • Geboren 1924 in Košice, Tschechoslowakei
  • Gestorben 2016 in Buenos Aires, Argentinien

Gyula Kosice gehörte zur Avantgarde der kinetischen Kunst und der Lichtkunst. Seine Familie wanderte nach Argentinien aus, als er vier Jahre alt war. Obwohl er Kunst an den Academias Libres studierte, verstand er sich in erster Linie als Autodidakt. 

Er war Mitbegründer der Zeitschrift Arturo (1944), nahm an den ersten Ausstellungen der Arte Concreto Invención (1945) teil und initiierte 1946 die Avantgarde-Bewegung Madí, für die er das gleichnamige Manifest schrieb und acht Ausgaben der Zeitschrift Arte Madí Universal herausgab. 1944 Kosice schuf Röyi, seine erste abstrakte Holzskulptur aus beweglichen Elementen; später entstanden Metallskulpturen mit scharnierartigen Verbindungen (Escultura articulada, 1946; Metro, 1950), deren Form von den Betrachtern verändert werden konnte. 

Wegweisend war seine Verwendung von Plexiglas und Neon in seiner Serie Estructuras lumínicasi seit 1946; als Erster verwendete er Wasser als zentrales Element in seinen „Hydroskulpturen“, die ab 1948 entstanden. Ende der 1960er-Jahre präsentierte Kosice mit seinem utopischen Projekt Ciudad hidroespacial Modelle für eine „Stadtplanung im Raum“. 

Er schuf auch Monumentalskulpturen, darunter eine Victoria (1988) für die Olympischen Spiele in Seoul, Korea, und das Monumento a la Democracia (Denkmal für die Demokratie, 2000) in Buenos Aires. Er vertrat Argentinien auf der Biennale von Venedig (1964), zeigte seine Werke in fast 200 Ausstellungen und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.