Valente Malangatana Ngwenya

Untitled (Ohne Titel)

Malangatana Untitled Iwalewahaus 1500
  • Valente Malangatana Ngwenya
  • Untitled (Ohne Titel)
  • 1961
  • Öl auf Leinwand
  • 123.5 × 61.5 cm
  • Iwalewahaus, Universität Bayreuth. DEVA, Universität Bayreuth

Der im Mosambik der Kolonialzeit geborene Malangatana Valente Ngwenya entwickelte seine Poesie und Malerei in einer Revolutionskultur. Der Künstler, der seine Ausbildung in Lourenço Marques (dem heutigen Maputo) unter Anleitung von Augusto Cabral und Pancho Guedes begann, verschmolz das, was er von diesen lernte, mit seiner eigenen Sicht auf Konfliktherde und thematisierte die sichtbaren Ungerechtigkeiten der Kolonialherrschaft, religiöse Spannungen und sogar lokale Formen von Hexerei. Im Zusammenhang mit diesen Themen haben Kunsthistoriker die Kakofonie fantastischer Figuren in seinen Gemälden als Ausdruck von Magie im ländlichen Leben Mosambiks oder als Darstellungen repressiver politischer Regime gedeutet. 

Seine Gemälde, so auch Untitled (1961), zeigen eine Schar knollenförmiger menschlicher Kreaturen, die jeweils mit einer starken Kontur versehen und als plane Farbflächen gegeben sind. Der untiefe Bildraum und die kräftigen Umrisslinien, mit denen die Formen zur Geltung gebracht werden, verleihen dem Werk etwas cartoonartiges, während die Figuren selbst verstörenden Handlungen nachgehen. In dieser Komposition fallen mehrere Figuren vor Kummer in Ohnmacht; andere werden erdolcht oder gebissen, was zum Verlust von Blut und Leben führt. Möglicherweise wurden diese Figuren von der Mutter des Künstlers inspiriert, einer Tätowierkünstlerin und Zahnschleiferin, vielleicht aber auch von den auf madagassischer Folklore und Volkslegenden beruhenden Erzählungen seines Onkels. Auch wenn die Beziehung zwischen den mit Fangzähnen bewehrten Ungeheuern, allgegenwärtigen Kruzifixen, Schädeln und diversem Geflügel nicht völlig klar ist, kommt darin möglicherweise Malangatanas Abneigung gegenüber der Verbindung von Religion, Tradition und Gewalt zum Ausdruck. Diese beunruhigende Anhäufung von bösartigen, aufgeregten Figuren zeugt definitiv vom Geisteszustand des Künstlers – eine Melange aus privater Geschichte, Unzufriedenheit mit der europäischen Regierungsführung sowie panafrikanischen Ideologien während dieser Revolutionszeit.

Joseph Underwood

Biografie von Valente Malangatana Ngwenya

  • Geboren 1936 in Matalana, Mosambik
  • Gestorben 2011 in Matosinhos, Portugal

Der mosambikanische Maler und Dichter Valente Malangatana Ngwenya (bekannt unter dem Künstlernamen Malangatana) verband in seinem Werk eine fantastische Bilderwelt mit politischen Themen. Mit zwölf Jahren zog der als traditioneller Heiler ausgebildete Junge nach Lourenço Marques (heute Maputo), um sich Arbeit zu suchen. 

Nachdem er sein Interesse für Kunst entdeckt hatte, begann er Ende der 1950er-Jahre Unterricht am Kulturzentrum Núcleo de Arte zu nehmen. Mit dynamischen Gemälden, die die Unterdrückung des Landes während der Kolonialherrschaft ansprachen, etwa der Fegefeuerszene Juízo Final (Letztes Gericht), feierte Malangatana als Mittzwanziger Erfolge. 

1963 wurden seine Gedichte in der Zeitschrift Black Orpheus und in der von Penguin Books herausgegebenen Anthologie Modern Poetry from Africa publiziert. 1964 schloss er sich der Frente de Libertação de Moçambique (FREMILO. Mosambikanische Befreiungsfront) an und wanderte später für 18 Monate ins Gefängnis. 1971 erhielt er ein Stipendium von der Gulbenkian Foundation, das ihm ermöglichte, in Portugal Keramik und Malerei zu studieren. 

Als die portugiesischen Truppen nach der Nelkenrevolution 1974 aus Mosambik abgezogen wurden, schloss er sich erneut der kommunistisch ausgerichteten FREMILO an, die bald zur regierenden Staatspartei wurde. Während des mosambikanischen Bürgerkriegs durchlief sein Werk in eine „blaue Periode“. Malangatana war Mitbegründer der mosambikanischen Friedensbewegung und trug zum Aufbau vieler Kulturorganisationen bei, u.a. auch des Nationalmuseums in Maputo. Die UNESCO zeichnete ihn 1997 als Künstler für den Frieden aus.