Philip Guston

Untitled (Ohne Titel)

Guston Untitled Private Collection Courtesy Hauser  Wirth 1500 - © Estate of Philip Guston, Courtesy Hauser & Wirth. Photo: Genevieve Hanson
  • Philip Guston
  • Untitled (Ohne Titel)
  • 1958
  • Öl auf Leinwand
  • 162,9 x 191,1 cm
  • Privatsammlung, Courtesy Hauser & Wirth - © Estate of Philip Guston, Courtesy Hauser & Wirth. Photo: Genevieve Hanson

Ab Mitte der 1950er-Jahre zählt Philip Guston zu den etablierten Malern des Abstrakten Expressionismus. Wie viele seiner New Yorker Malerkollegen kam er in den 1940er-Jahren von der gegenständlichen Malerei her zur Abstrakten Malerei. Dieser Übergang vollzog sich jedoch schrittweise, und seine abstrakten Bilder weisen viele Merkmale seiner früheren gegenständlichen Arbeiten auf. Anders als andere Abstrakte Expressionisten vergrößerte Guston weder die Maße seiner Arbeiten, als er die gegenständliche Malerei aufgab, noch überschreiten seine Kompositionen jemals die Abmessungen der Leinwand. Stattdessen veränderte er seine Maltechnik radikal, indem er manches Gemälde vollendete, ohne auch nur ein einziges Mal zurückzutreten, um die Gesamtkomposition zu sehen. Im Gegensatz zu seinen gegenständlichen Arbeiten der 1930er- und 1940er-Jahre, die sich mit Themen gesellschaftlichen und rassischen Unrechts auseinandersetzen, überlässt seine Abstraktion Ohne Titel (1958) die Deutung ganz und gar dem Betrachter. Fasziniert von der menschlichen Neigung, erkennbare Formen auszumachen, setzte Guston in seinem Bild aus lockeren Pinselstrichen rote und schwarze Flächen zusammen, die mit möglichen Bedeutungen spielen. Die dunklen Umrisse in der Bildmitte scheinen sich vor den undurchsichtigen Hintergrund zu schieben, wodurch sich die Komposition nach innen verdichtet. Guston verglich den Farbauftrag auf die Leinwand mit einer intuitiven Form des Selbstporträts, und seine feinsinnige Pinselführung erinnert an seine früheren gegenständlichen Arbeiten. Nach seinen Streifzügen in den Abstrakten Expressionismus in den 1950er-Jahren entsetzte er viele, als er Ende der 1960er-Jahre begann, im neoexpressionistischen Stil gegenständliche Motive zu malen, die sowohl persönliche als auch politische Themen behandelten.

Tim Roerig

Biografie von Philip Guston

  • Geboren 1913 in Montreal, Kanada
  • Gestorben 1980 in Woodstock, NewYork, Vereinige Staaten

Philip Guston gehörte zur ersten Künstlergeneration der New York School. In seinem Spätwerk kündigt sich der Übergang zum New Image Painting an. Seine Familie zog von Montreal nach Los Angeles, als er sechs Jahre alt war. Ab 1927 besuchte er die Manual Arts High School, wo er seinen Mitschüler Jackson Pollock (1912–1956) kennenlernte. 1930 erhielt er ein Stipendium für das Otis Art Institute, warf aber schon nach drei Monaten das Handtuch. 

Schon mit 18 war er politisch sensibilisiert. Seine politische Haltung verfestigte sich, als die Polizei ein Wandgemälde zur Rassenjustiz (1931) verunstaltete, das er für den marxistisch ausgerichteten John Reed Club in Los Angeles angefertigt hatte. Mitte der 1930er-Jahre schuf Guston Wandbilder in den USA – im Auftrag der Works Progress Administration – und in Mexiko (The Struggle Against War and Terror, 1935). Ende der 1940er-Jahre wandte er sich der Abstraktion zu. 

1950 ließ er sich in New York nieder und wurde zu einem bedeutenden Vertreter der New York School. Ende der 1960er-Jahre kehrte er zu einem figurativeren Stil zurück und griff viele politische Themen aus seinem Frühwerk wieder auf.