Marcos Grigorian

Untitled (Ohne Titel)

Grigorian Untitled Grey Art Gallery Nyu Art Collection 1500 - © The Estate of Marcos Grigorian
  • Marcos Grigorian
  • Untitled (Ohne Titel)
  • 1963
  • Sand und Emaille auf Leinwand
  • 76,2 x 63,5 cm
  • Grey Art Gallery. New York University Art Collection. Gift of Abby Weed Grey, 1975 - © The Estate of Marcos Grigorian

Marcos Grigorian, der in Russland als Sohn armenischer Eltern geboren wurde, verbrachte den größten Teil seines Lebens in Teheran. Dort gehörte er einer Generation iranischer Künstler an, der es darum ging, die alte persische Kultur mit der Formensprache des Modernismus zu versöhnen und die Motive und Techniken der Volkskunst und kunsthandwerklichen Traditionen auf neue Weise einzusetzen. Nachdem er in Rom Kunst studiert hatte, kehrte Grigorian in den Iran zurück, wo ihn seine internationalen Verbindungen zu einem wichtigen Schnittpunkt der iranischen, europäischen und amerikanischen Kunstwelt werden ließen. 

In den frühen 1960er-Jahren, als er in den Vereinigten Staaten lebte, begann Grigorian die von ihm als Earthworks bezeichneten Kunstwerke zu realisieren, die der amerikanischen Kunstströmung der Land Art um mehrere Jahre vorausgingen. Dabei handelte es sich um reliefartige Leinwände, bei denen der Künstler kah-gel (eine Mischung aus Stroh, Lehm und Erde, mit der im Iran traditionelle dörfliche Unterkünfte errichtet werden) sowie andere natürliche Materialien wie Holz und Sand benutzte. Obwohl sie an die modernistische Trope des Monochroms erinnern, verweisen Grigorians Earthwork-Bilder mit ihrer elementaren Farbgebung und der Einbeziehung organischer Materie auf die Wüstenlandschaft des Iran. In diesem unbetitelten Werk verwendete Grigorian Sand und Emaillefarben, um auf der Oberfläche gehöhte Riefungen zu erzeugen, die an den Anblick von Sanddünen aus der Vogelperspektive erinnern. Auch wenn Grigorians Verwendung von Sand starke symbolische Konnotationen aufweist, erfüllt sie auch einen formalen Zweck, da sie es dem Künstler erlaubt, die Leinwand durch die Textur der Oberfläche zu animieren statt durch konventionelle malerische Effekte.

Rachel Wetzler

Biografie von Marcos Grigorian

  • Geboren 1925 in Kropotkin, Russland (damals Sowjetunion)
  • Gestorben 2007 in Jerewan, Armenien

Marcos Grigorian war gebürtiger Armenier und emigrierte 1930 mit seinen Eltern in den Iran. Von 1948 bis 1950 besuchte er die Kamāl-ol-Molk-Kunstschule in Teheran. Anschließend zog er nach Rom, wo er an der Accademia di Belle Arti weiterstudierte und einen zweiten Abschluss erwarb. 1954 kehrte er nach Teheran zurück, eröffnete eine Galerie für moderne Kunst (Esthétique) und begann Werke der volkstümlichen iranischen Kaffeehaus-Malerei zu sammeln. 1956 nahm er zum ersten Mal an der Biennale von Venedig teil; 1958 war er Delegierter Irans und internationales Jurymitglied. Im selben Jahr organisierte er die erste Teheraner Biennale. 

Mit seiner Ende der 1950er-Jahre entstandenen Serie von Wandgemälden The Gates of Auschwitz gehörte Gregorian zu den ersten Künstlern, die sich mit dem Holocaust auseinandersetzten. Etwa zur gleichen Zeit begann er die Oberfläche seiner Leinwände mit Sand, Erde und Asche zu strukturieren – der Auftakt zu seiner hochgelobten Serie Earthworks. Von 1962 bis 1970 lebte er in den Vereinigten Staaten; nach der Iranischen Revolution kehrte er in den Iran zurück. In den 1970er-Jahren unterrichtete er bildende Kunst an der Universität von Teheran und rief eine unabhängige Künstlergruppe ins Leben. 1980 gründete er die Arshile Gorky Gallery in New York, 1993 das Museum des Nahen Ostens in Jerewan.