Inji Efflatoun

Trees Behind the Wall (Bäume hinter der Mauer)

Efflatoun Trees Behind The Wall Courtesy Safarkhan Art Gallery Frei
  • Inji Efflatoun
  • Trees Behind the Wall (Bäume hinter der Mauer)
  • circa 1960
  • Öl auf Leinwand auf Holz
  • 23 × 36 cm
  • SAFARKHAN Art Gallery

Das Entstehungsdatum der beiden Gemälde The Queue (1960) und Trees Behind the Wall (ca. 1960) lässt vermuten, dass sie zu der Zeit entstanden, als Inji Efflatoun als politische Gefangene in einem ägyptischen Gefängnis saß (1959–1963). Die früheren Werke der Künstlerin waren von ihrer Sympathie für den Kommunismus geprägt und wollten häufig auf die Not der „working poor“ aufmerksam machen. Der Sozialistische Realismus diente ihr als Vehikel, um den Alltag der Menschen am Rande der ägyptischen Gesellschaft einzufangen, gerade so, als wollte sie anhand ihres Existenzkampfes das Wesen der Nation beschreiben. Der Mangel an Malmitteln, die Zensur und die psychische und physische Belastung hatten während ihrer Inhaftierung zwangsläufig Auswirkung auf ihre künstlerische Praxis. Trotzdem begann sie wieder zu malen, sobald es ihr möglich war, über Material zu verhandeln. Später bezeichnete sie die Zeit im Gefängnis sogar als künstlerisch bereichernd. 

Die Bilder, die im Gefängnis entstanden, beschränkten sich auf Darstellungen des Gefängnisalltags, in dem die Frauen, den sozialen Gegebenheiten außerhalb der Gefängnismauern entsprechend, kleine Gemeinschaften innerhalb der größeren Insassenschaft bildeten. Bei dem Gemälde The Queue könnte es sich um die Darstellung einer solchen Gemeinschaft handeln: Die Frauen, die alle die gleiche Kleidung tragen, warten hockend vor einem verschlossenen Gebäude. Im Gefängnis wurde die Künstlerin für ihre Naturbilder bekannt, in denen sie das Wenige, das sie von der Landschaft außerhalb der Mauern wahrnehmen konnte, festhielt. In Trees Behind the Wall malte Efflatoun ein dynamisches Wirrwarr aus fuchsiafarbenen, blauen und violetten Zweigen, auf das sie von ihrem Zellenfenster aus blickte. Ihr unkontrolliertes, ungehemmtes Wachstum und die eigenwillige Farbgebung suggerieren eine imaginierte – persönliche und kollektive – Freiheit.

Tiffany Floyd

Biografie von Inji Efflatoun

  • Geboren 1924 in Kairo, Ägypten (damals Königreich Ägypten
  • Gestorben 1989 in Kairo, Ägypten

Die Malerin Inji Efflatoun war Marxistin und Feministin. Nach der Scheidung ihrer Eltern lebte sie bei ihrer Mutter, deren Entschlossenheit, ihre Situation als alleinstehende, berufstätige Frau zu meistern, sie sehr beeindruckte. Schon als Schülerin des Lycée Français du Caire kam Efflatoun mit dem Marxismus in Berührung. 1942 trat sie einer kommunistischen Jugendorganisation bei. Ihr Kunstlehrer Kamel Al-Tilmisani (1915–1972) machte sie mit der Surrealistengruppe Art and Liberty (ALG) bekannt.

Als feministische Aktivistin beteiligte sich Efflatoun 1945 an der Gründung einer Liga junger Studentinnen; Ende der 1940er-Jahre verfasste sie politische Pamphlete zur Unterdrückung des Proletariats und der Frauen, für die sie den Imperialismus verantwortlich machte. Von 1946 bis 1948 legte sie eine Schaffenspause ein. Nach einem Besuch Luxors, Nubiens und der ägyptischen Oasen begann sie die ägyptische Arbeiterklasse zu porträtieren, insbesondere das harte Los der Frauen. 1952 war sie auf der Biennale von Venedig, 1953 auf der Biennale von São Paulo vertreten.

1956 freundete sie sich mit dem einflussreichen mexikanischen Maler David Alfaro Siqueiros (1896–1974) an. Wegen ihrer kommunistischen Umtriebe wurde sie 1959, während der Herrschaft von Präsident Gamal Abdel Nasser, verhaftet. Im Gefängnis begann sie wieder zu malen; ihr Sujet war die düstere Realität des Gefängnisalltags. Nach ihrer Entlassung 1963 wandte sie sich vom Sozialistischen Realismus ab; ihre Darstellungen der Arbeiterklasse wurden leichter und strukturierter.