Tomás Maldonado

Trayectoria de una anecdota (Flugbahn einer Anekdote)

Maldonado Trayectoria De Una Anécdota Ella Fontanals Cisneros Collection 1500 - © Tomás Maldonado
  • Tomás Maldonado
  • Trayectoria de una anecdota (Flugbahn einer Anekdote)
  • 1949
  • Öl auf Leinwand
  • 99,7 × 72,4 cm
  • The Ella Fontanals-Cisneros Collection, Miami - © Tomás Maldonado

1945 gründete Tomás Maldonado in Buenos Aires die Arte Concreto-Invención, eine Avantgardegruppe, die sich die Förderung und Theorienbildung der Geometrischen Abstraktion zum Ziel setzte. Entsprechend ihrer marxistischen Orientierung lehnte die Gruppe romantische oder metaphysische Erklärungsmuster für künstlerische Kreativität grundsätzlich ab und richtete, nach dem Vorbild der sowjetischen Avantgarde, das formale Experimentieren an gesellschaftlichen und politischen Zielen aus. Das „Invencionista Manifesto“ (1946), weitgehend von Maldonado persönlich verfasst, postulierte, dass „für die Kunst das Zeitalter der gegenständlichen Illusion zu Ende geht. Die Ästhetik der Wissenschaft wird die uralte spekulative, idealistische Ästhetik ersetzen“. Es endete mit dem Aufruf: „Sucht nicht, findet nicht ‒ erfindet!“ Eine Hauptstrategie der konkreten Künstler war es, unregelmäßige geometrische Formen zu verwenden, insbesondere auch bei Leinwänden oder Rahmen, um die Stofflichkeit des Bildes und seines Trägermaterials zur Geltung zu bringen, die herkömmliche Figur-Grund-Beziehung zu hinterfragen und jede Andeutung eines Bildraums zu vermeiden. Aber nach einer Europareise im Jahr 1948, bei der Maldonado Künstler wie Max Bill (1908–1994), einen der Gründer der Bewegung der konkreten Kunst, kennenlernte und Werke der Suprematisten und Neo-Plastizisten aus der Nähe sah, kehrte er zu rechtwinkligen, eine strenge Formanalyse und die Farbbeziehungen betonenden Leinwandformaten zurück.

In den 1940er-Jahren arbeitete Maldonado an Werken wie Trayectoria de una anecdota (1949), die frei von jedem Außenbezug sind und stattdessen die formalen Eigenschaften dieser Arbeit untersuchen: Flächen von abgetönten Farben in unregelmäßigen, aber klar definierten Formen, die asymmetrisch um eine diagonale Achse angelegt sind, um eine dynamische Grundspannung zu erzeugen.

Rachel Wetzler

Biografie von Tomás Maldonado

  • Geboren 1922 in Buenos Aires, Argentinien

Der Künstler, Industriedesigner und Semiologe Tomás Maldonado besuchte die Academia Nacional de Bellas Artes in Buenos Aires. Er war Mitbegründer der 1944 entstandenen Asociación Arte Concrete-Invención und Koautor des Manifesto Invencionista (1946), in dem er seine Theorie darlegte, dass Rationalität und Objektivität dem Expressionismus überzuordnen seien. 

Maldonados frühe Gemälde – Werke der geometrischen Abstraktion – spielen mit der visuellen Wahrnehmung. Auf Einladung des Schweizers Max Bill, eines Vertreters der konkreten Kunst, folgte Maldonado 1954 einem Ruf an die Ulmer Hochschule für Gestaltung, wo er bis 1967 lehrte und deren Rektor er schließlich wurde. Er sorgte dafür, dass die legendäre Institution sich vom Bauhaus-Modell löste, und bereitete den Weg für ein vereinfachtes Konzept zur Gestaltung von Massenprodukten, die in der modernen Produkttechnik ihren Widerhall findet. 

1967 zog Maldonado nach Italien. Seine Zusammenarbeit mit Ettore Sottsass für Olivetti und sein Entwurf des Corporate Design für die Warenhauskette Gruppo Rinascente brachten ihm große Anerkennung ein. Sein 1970 entstandenes, wegweisendes Buch La speranza progettuale erschien 1972 unter dem Titel Umwelt und Revolte. Zur Dialektik des Entwerfens im Spätkapitalismus auf Deutsch. Maldonado forderte von Designern, auch über das Problem der Umweltzerstörung und den gesellschaftlichen Wandel nachzudenken. Er ist Professor für Umweltdesign an der Polytechnischen Universität Mailand.