Carol Rama

Tovaglia (Tischtuch)

Rama Tovaglia Galerie Isabella Bortolozzi 1500 - © Archivio Carol Rama, Torino and Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin
  • Carol Rama
  • Tovaglia (Tischtuch)
  • 1951
  • Tischtuch, Plexiglas
  • 123 x 123 cm
  • Courtesy Isabella Bortolozzi and Archivio Carol Rama - © Archivio Carol Rama, Torino and Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin

Bevor sie sich in den 1950er-Jahren der Abstraktion zuwandte, hatte Carol Rama eine von Erotik und Gewalt zerrüttete Häuslichkeit geschildert und seltsame, sexuell aufgeladene Szenerien gezeichnet, die das repressive Regime des faschistischen Italien während der drei vorausgegangenen Jahrzehnte spiegeln. Auch bei Tovaglia (Tischtuch) (1951) steht die Häuslichkeit wieder im Mittelpunkt, doch diesmal handelt es sich bei ihr buchstäblich um den Ort des Geschehens, da das titelgebende Tischtuch sowohl als Träger wie auch als Sujet des Bildes fungiert. Das Werk, das in jener Zeit entstand, als Rama mit dem in Mailand beheimateten Movimento Arte Concreta (MAC) verbunden war, stellt die übliche Deutung ihres Œuvres als autobiografische und außerhalb des Mainstream operierende infrage. Vielmehr zeigt es, wie Rama sich ganz unmittelbar mit der Sprache der reinen Abstraktion auseinandersetzt und diesen Ansatz auf raffinierte Weise in ihr künstlerisches Vokabular einbezieht. Das Allover-Muster von Tovaglia, das keine Verweise auf gegenständliche Sujets oder auf die Natur enthält, macht sich den Wunsch der MAC-Künstler nach einer über die Grenzen der bildenden Kunst hinaus auf das Leben angewandten intellektuellen Abstraktion zu eigen. Die Zeit, in der Rama mit dem MAC Verbindung unterhielt, wird in Überblicksdarstellungen ihrer künstlerischen Laufbahn häufig ausgeblendet, aber sie lenkt die Aufmerksamkeit auf den komplexen Dialog zwischen dem Alltäglichen und dem Individuellen, der im Mittelpunkt ihres Werkes steht.

Caroline Wallace

Biografie von Carol Rama

  • Geboren 1918 in Turin, Italien
  • Gestorben 2015 in Turin, Italien

Die italienische Malerin Carol Rama war Autodidaktin. Am bekanntesten sind ihre kühnen und oft provokanten Aquarelle zum Thema Sexualität, auf denen oft explizit sexuelle Handlungen dargestellt sind. 

Ramas erste Einzelausstellung, die 1945 in der Galleria Faber in Turin stattfand, wurde von der faschistischen Regierung geschlossen, und viele ihrer Bilder wurden von der Turiner Polizei konfisziert. 

Erst durch eine Ausstellung im Mailänder Palazzo Reale im Jahr 1980 wurden diese Frühwerke einem breiteren Publikum bekannt. Danach wandte Rama sich erneut der erotischen Zeichnung zu. In den 1950er-Jahren wurden ihre Gemälde abstrakter, und in den 1960er-Jahren begann sie Materialbilder zu kreieren, in die sie Fundstücke und Alltagsobjekte integrierte. In den 1970er-Jahren verarbeitete sie außer Farbe und Text auch Spritzen, Kanülen, Glasperlen, Fingernägel und Gummi aus Gummireifen. 

Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre tauschte sie sich mit angesehenen Künstlern wie Man Ray (1890–1976), Andy Warhol (1928–1987) und Orson Welles (1915–1985) aus. 2003 wurde sie auf der Biennale von Venedig für ihr Lebenswerk mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.