Philip Guston

The Tormentors (Die Peiniger)

Guston The Tormentors Sf Mo Ma 1500 - © The Estate of Philip Guston. Photo: Ben Blackwell
  • Philip Guston
  • The Tormentors (Die Peiniger)
  • 1947–48
  • Öl auf Leinwand
  • 103,9 x 153,7 cm
  • San Francisco Museum of Modern Art Gift of the Artist - © The Estate of Philip Guston. Photo: Ben Blackwell

The Tormentors (1947–1948) ist das erste der Bilder Philip Gustons aus seiner Übergangsphase von der figurativen zur nicht-gegenständlichen Malerei, in dem die allmähliche Veränderung deutlich wird. Der zuvor gefeierte Wandmaler Guston wandte sich in den frühen 1940er-Jahren der Malerei an der Staffelei zu und entwickelte in dieser Phase einen Stil, der realistische, mythische und abstrakte Elemente verbindet. Für die aus ebenen Flächen aufgebauten Kompositionen skizzierte der Künstler sein Motiv zuerst weitgehend naturgetreu und entfernte dann die meisten abbildenden Elemente. Dennoch zeichnet sich in Gustons Werk vor 1947 und seiner Freundschaft mit dem abstrakten Maler Bradley Walker Tomlin (1899–1953) die ebenfalls abnehmende Unterscheidung zwischen Figur und Bildgrund noch nicht ab, wie es bei The Tormentors zu sehen ist. Das Bild schwebt zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, da der Künstler ein Netzwerk unregelmäßiger und geometrischer Formen mit weißen Umrisslinien zeichnet oder sie in flächigem Farbauftrag mit Ocker und Rot füllt. Der Titel und die Formen weisen eindeutig auf die weltlichen Konflikte hin, die in Gustons früheren Arbeiten so offensichtlich waren, wie etwa die Darstellung rassenfeindlicher Justiz, und die dreieckigen Formen erinnern beispielsweise an die Hauben des Ku-Klux-Klans. Bei der Arbeit an The Tormentors beschäftigte sich Guston ausschließlich mit seinem eigenen Ringen, gegenständliche und abstrakte Malerei in Einklang zu bringen. Schließlich hörte er von 1948 bis 1949 für ein Jahr mit der Malerei auf, bevor er sich für das Wagnis des Abstrakten Expressionismus entschied. Aber noch nach seinem scheinbaren Seitenwechsel zur Abstraktion erklärt er, dass es gegenstandslose Kunst nicht geben könne: „Alles hat eine Gegenständlichkeit, eine Gestalt. Die Frage ist, welcher Art sie ist.“

Tim Roerig

Biografie von Philip Guston

  • Geboren 1913 in Montreal, Kanada
  • Gestorben 1980 in Woodstock, NewYork, Vereinige Staaten

Philip Guston gehörte zur ersten Künstlergeneration der New York School. In seinem Spätwerk kündigt sich der Übergang zum New Image Painting an. Seine Familie zog von Montreal nach Los Angeles, als er sechs Jahre alt war. Ab 1927 besuchte er die Manual Arts High School, wo er seinen Mitschüler Jackson Pollock (1912–1956) kennenlernte. 1930 erhielt er ein Stipendium für das Otis Art Institute, warf aber schon nach drei Monaten das Handtuch. 

Schon mit 18 war er politisch sensibilisiert. Seine politische Haltung verfestigte sich, als die Polizei ein Wandgemälde zur Rassenjustiz (1931) verunstaltete, das er für den marxistisch ausgerichteten John Reed Club in Los Angeles angefertigt hatte. Mitte der 1930er-Jahre schuf Guston Wandbilder in den USA – im Auftrag der Works Progress Administration – und in Mexiko (The Struggle Against War and Terror, 1935). Ende der 1940er-Jahre wandte er sich der Abstraktion zu. 

1950 ließ er sich in New York nieder und wurde zu einem bedeutenden Vertreter der New York School. Ende der 1960er-Jahre kehrte er zu einem figurativeren Stil zurück und griff viele politische Themen aus seinem Frühwerk wieder auf.