Larry Rivers

The Last Civil War Veteran (Der letzte Bürgerkriegsveteran)

Rivers The Last Civil War Veteran De Young Museum 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
  • Larry Rivers
  • The Last Civil War Veteran (Der letzte Bürgerkriegsveteran)
  • 1961
  • Öl auf Leinwand
  • 209,6 × 163,8 cm
  • Fine Arts Museums of San Francisco Foundation purchase, Phyllis C. Wattis Fund for Major Accessions, 2009.13 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Larry Rivers – ein vielseitig gebildeter Mensch, der als Jazzmusiker, Maler und Schriftsteller arbeitete, wuchs in der Hochphase des Abstrakten Expressionismus, der in den 1940er- und 50er-Jahren von der New York School propagiert wurde, auf. Letztendlich formte er seinen eigenen Stil, der das Großspurige der Historien- und Porträtmalerei des 19. Jahrhunderts mit der Abstraktion verband. 

Zu The Last Civil War Veteran (1961) ließ Rivers sich von Fotografien zweier sterbender und toter Soldaten des Bürgerkriegs inspirieren, die 1959 und 1960 aufgenommen und nacheinander in der Zeitschrift Life veröffentlicht wurden. Die Veteranen, beides konföderierte und mittlerweile weit über hundert Jahre alte Soldaten, wurden in einer durch und durch inszenierten Kulisse fotografiert. Auf dem Foto von 1959 liegt der sterbende Veteran in einem Krankenhausbett; hinter ihm hängen die Flaggen der Konföderation und der USA sowie seine Südstaatenuniform. Außer mit der Veröffentlichung der Bilder ehrten die Life-Redakteure die Veteranen auch dadurch, dass sie das Foto von 1960 mit der Bildlegende „Ende der beherzten Rebellen“ versahen.

In diesem Gemälde abstrahiert Rivers die Fotografie von 1959, indem er die historische Zeit des Bürgerkriegs und die gegenwärtige Zeit des unmittelbar bevorstehenden Todes mit seiner eigenen Erfahrung verbindet, die inszenierte Fotografie in einer berühmten Zeitschrift veröffentlicht zu sehen.

Dadurch, dass er sich das populär aufgeladene Bild aneignet und es in ein großformatiges, halb abstraktes Gemälde verwandelt, macht Rivers deutlich, dass die Aufnahme eine finstere Vergangenheit glorifiziert. Dieses während der Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre gemalte Bild bedient sich sowohl jenes Prunks der Historienmalerei als auch des expressiven Potenzials der Abstraktion, um die Vergangenheit und ihre Darstellung in der Gegenwart zu hinterfragen statt sie bloß aufzuwerten.

Amy Rahn

Biografie von Larry Rivers

  • Geboren 1923 in New York, New York, Vereinigte Staaten
  • Gestorben 2002 in Southampton, New York, Vereinigte Staaten

Der Künstler, Saxophonist und Bohemien Larry Rivers (geboren als Yitzroch Loiza Grossberg) stammt aus der New Yorker Bronx. 1945 bis 1946 studierte er an der Juilliard School Musik – zusammen mit dem späteren Jazztrompeter Miles Davis, den er dort kennenlernte und mit dem er sein Leben lang befreundet blieb. 

Nach einem Studium der Malerei bei dem abstrakten Expressionisten Hans Hoffmann in den Jahren 1947 bis 1948 machte Rivers 1951 an der New York University einen Abschluss in Kunsterziehung. Ab 1948 stellte er kraftvolle figurative Arbeiten aus. Seine Version des amerikanischen Historiengemäldes Washington Crossing the Delaware (1953) antizipierte die Rückkehr zu vertrauten Bildsujets, die in den 1960er-Jahren bei den Pop-Art-Künstlern zu beobachten war. 

Als Mitglied der New York School kannte Rivers viele Berühmtheiten, u.a. auch die Landschaftsmalerin Jane Freilicher (1924–2014) und den Dichter Frank O’Hara (1926–1966). Sein 1954 entstandenes Porträt von O’Hara, das diesen ausschließlich mit Stiefeln bekleidet zeigt, ist inzwischen berühmt. 

Rivers gehörte zu den zwölf US-amerikanischen Künstlern, die 1957 an der vierten Biennale von São Paulo teilnahmen. 1965 wurde eine Retrospektive seines Werks in fünf amerikanischen Museen gezeigt. Im selben Jahr schuf er sein aus 76 Einzelteilen bestehendes Multimediawerk The Historiy of the Russian Revolution

Mit Pierre Dominique Gaisseau drehte er den Dokumentarfilm Africa and I, der 1968 vom Fernsehsender NBC ausgestrahlt wurde. Immer auf der Suche nach neuen Gestaltungsmitteln, arbeitete Rivers später mit Video und Neon.