Anwar Jalal Shemza

The Fable (Die Fabel)

Shemza The Fable The Estate Of Anwar Jalal Shemza 1500 - © The Estate of Anwar Jalal Schemza
  • Anwar Jalal Shemza
  • The Fable (Die Fabel)
  • 1962
  • Öl auf handgefärbtem Tuch auf Kaschierkarton
  • 68 × 47 cm
  • The Estate of Anwar Jalal Schemza - © The Estate of Anwar Jalal Schemza

Die Kunst Anwar Jalal Shemzas steckt voller Hinweise auf sein Universitätsstudium der Philosophie, des Persischen und des Arabischen in Lahore, Pakistan, sowie auf seinen anschließenden Aufenthalt in London, wo er einen großen Teil seiner Freizeit in der Tate Gallery und im British Museum verbrachte. Shemzas Notizbücher aus dieser Zeit zeugen von seiner intensiven Auseinandersetzung mit den kalligrafischen Traditionen des Sufismus und des Islam sowie der modernistischen Strömung der linearen Abstraktion, insbesondere dem Werk des deutsch-schweizerischen Künstlers Paul Klee (1879–1940). Von besonderem Interesse für Shemza war die Art, wie das geschriebene Wort sowohl eine unabhängige geometrische Komponente innerhalb der Komposition als auch ein Bindeglied zwischen Heiligem und Profanem darstellen könnte. Werke wie The Fable (1962) spiegeln daher den kontinuierlichen Wunsch des Künstlers, bloße Darstellungen des geschriebenen Wortes, die „architektonische Wirklichkeit“ des Wortes selbst und des Göttlichen aufzuspalten und sie alle in eine Serie „geheimnisvoller Zeichen“ zu verwandeln, die quer zu gegenständlichen und abstrakten Traditionen verlaufen. Shemza selbst meinte in diesem Zusammenhang: „Meine Gemälde sind nicht nur dazu da, angeschaut zu werden, sondern auch Texte, die gelesen werden wollen.“

 In diesem Werk schilderte Shemza sowohl viereckige als auch halbkreisförmige Motive, die den mit dem lateinischen Alphabet vertrauten Betrachter an eine Abfolge von Ds und Bs erinnert, die über ein malerisches Feld aus Gold, Blau und Weiß verstreut sind. Der Kunsthistoriker Iftikhar Dadi sagte über sie, sie seien „in Passagen unterschiedlicher Modulation und Frequenz durch eine geometrische Netzstruktur gebunden“.

Damian Lentini

Biografie von Anwar Jalal Shemza

  • Geboren 1928 in Shimla, Britisch-Indien
  • Gestorben 1985 in Stafford, Vereinigtes Königreich

Anwar Jalal Shemza studierte 1943 zunächst Persisch, Arabisch und Philosophie an der University of the Punjab in Lahore, wechselte dann aber an die Mayo School of Arts ebendort, wo er 1947 seinen Abschluss machte. 

Anschließend arbeitete er als Grafikdesigner, gab das Literaturmagazin Ehsas (1950–1953) heraus, schrieb Stücke für Radio Pakistan, publizierte mehrere Romane und präsentierte seine Kunstwerke bei Einzel- und Gruppenausstellungen in Pakistan. 

In seinem künstlerischen Schaffen wandte er die Prinzipien des westlichen Modernismus und der Abstraktion auf traditionelle Kalligrafie und islamische Sujets an. Er war Mitbegründer des 1952 aus der Taufe gehobenen Lahore Art Circle, einer Gruppe junger pakistanischer Künstler und Schriftsteller, die sich für die Avantgarde und die Abstraktion interessierten. 

1956 zog er nach London, besuchte die Slade School of Fine Art und machte dort 1959 sein Diplom. Später ließ er sich von Anthony Gross (1905–1984) in die tieferen Geheimnisse der Druckgrafik einführen. Shemza war Mitbegründer der Pakistan Group und stellte in London mit Künstlern wie F. N. Souza (1924–2002) und Avinash Chandra (1931–1991) aus. Am New Vision Centre (1959) und in der Gallery One (1960) hatte er Einzelausstellungen. 

1960 kehrte er für kurze Zeit nach Pakistan zurück, flog aber noch im selben Jahr wieder nach Großbritannien. 1989 nahm er an der wegweisenden Londoner Ausstellung The Other Story: Afro-Asian Artists in Post-War Britain teil.

Mehr Werke von Anwar Jalal Shemza in der Ausstellung

Shemza Meem Private Collection 1500 - © The Estate of Anwar Jalal Shemza. Image courtesy of Jhaveri Contemporary and the Estate of Anwar Jalal Shemza. © Vipul Sangoi
Anwar Jalal Shemza
Meem, 1964
Butcher Family Collection