Iba N'Diaye

Tabaski, Sacrifice du Mouton (Tabaski, Opferung des Schafes)

Ndiaye Tabaski Sacrifice Du Mouton Collection Of The République Du Sénégal 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Anne Fourès - Agence Luce
  • Iba N'Diaye
  • Tabaski, Sacrifice du Mouton (Tabaski, Opferung des Schafes)
  • 1963
  • Öl auf Leinwand
  • 150 × 200 cm
  • Collection – République du Sénégal - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Anne Fourès - Agence Luce

Als prägende Gestalt der modernen Kunst des unabhängigen Senegal wurde Iba N’Diaye von Präsident Léopold Sédar Senghor eingeladen, 1959 das Département des Arts Plastiques an der École Nationale des Beaux-Arts de Dakar aufzubauen. Im Gegensatz zu dem bis dahin üblichen, weitgehend auf Instinkt und Intuition beruhenden Unterricht, sahen N’Diayes Lehrpläne auch den Erwerb praktischer handwerklicher Atelierfertigkeiten und Vorlesungen zur afrikanischen und westlichen Kunstgeschichte vor. Seiner Überzeugung nach sollten die gerade erst befreiten afrikanischen Künstler die traditionelle afrikanische Kunst nicht nur gut kennen, sondern auch versuchen, sie zu übertreffen. So erklärte er: „Die Künstler des neuen Afrika werden ihren Landsleuten dabei helfen, ihr kulturelles ,Getto‘ zu verlassen, in dem bestimmte andere Personen sie gerne … einsperren würden.“ 

Tabaski, Sacrifice du Mouton (1963), ein typisches Werk N’Diayes, ist Teil einer zehnteiligen Serie, die sich dem senegalesischen Tabaski-Ritual widmet, einem jährlich stattfindenden Fest, das an die im Koran überlieferte Geschichte erinnert, dass Ibrahim bereit war, seinen Sohn Ismael zu opfern, und Allah darauf reagierte, indem er jenem ein wildes Schaf als Ersatz zur Verfügung stellte. Auf diesem Bild scheinen drei Schafe und eine menschliche Gestalt aus dem gestischen, schlammig aufgewühlten Farbsturm aufzutauchen. Da N’Diaye sich in erster Linie als Maler und erst danach als Afrikaner begriff, steht sein Werk für eine anhaltende Auseinandersetzung mit der Materialität seines Mediums mittels dünner Lavuren und kräftigen Impastos. In einer Zeit, in der viele ehemalige Kolonien nationalistische Kunstbewegungen ins Leben riefen, galt und gilt N’Diaye kraft seiner Fähigkeit, an einer individuellen, malerischen Ästhetik festzuhalten, als hochgradig ungewöhnlich.

Joseph Underwood

Biografie von Iba N'Diaye

  • Geboren 1928 in Saint-Louis, Französisches Westafrika
  • Gestorben 2008 in Paris, Frankreich

Iba N’Diaye wurde als Vater der senegalesischen modernen Kunst bezeichnet. Als junger Künstler malte er Plakate für das Kino seiner Heimatstadt und entwickelte in jener Zeit einen Stil, der sein ganzes weiteres Schaffen beeinflussen sollte. 

Im Senegal und in Frankreich bildete er sich zum Architekten aus: an der École des Beaux-Arts in Montpellier, an der École des Beaux-Arts in Paris (Atelier Pingusson) und schließlich an der Académie de la Grande Chaumière (1949–1958). Mit der Unabhängigkeit Senegals im Jahr 1959 kehrte er wieder in seine Heimat zurück. Auf Bitte des Präsidenten Léopold Sédar Senghor (1906–2001) richtete er an der École Nationale des Beaux-Arts in Dakar einen Fachbereich für Skulptur ein, den er bis 1967 leitete.

N’Diaye war an zahlreichen Ausstellungen beteiligt, darunter dem Salon d’Automne in Paris (1962), der Bienal de São Paulo (1963, Auszeichnung mit der Bronzemedaille) und der wegweisenden Schau Contemporary African Art im Camden Arts Centre in London (1969). In den 1970er-Jahren arbeitete er in seinem Atelier „la Ruche“ in Paris und an seinem Wohnort an der Dordogne im Südwesten Frankreichs. Dort entstanden einige seiner bekanntesten Werke, wie die Serie Tabaski zum Tieropfer des gleichnamigen islamischen Opferfestes.