Frank Bowling

Swan 1 (Schwan I)

Bowling Swan I Private Collection Courtesy Hales Gallery 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: Charlie Littlewood
  • Frank Bowling
  • Swan 1 (Schwan I)
  • 1964
  • Öl auf Leinwand
  • 112 × 243 cm
  • Courtesy Privatsammlung - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: Charlie Littlewood

Frank Bowling, der in Guayana geborene abstrakte Maler, der sein Kunststudium in England absolviert hat, war der erste farbige britische Künstler, der in die Royal Academy of Arts aufgenommen wurde. Die Schwanen-Serie (1964) entstand in einer persönlich wie beruflich schwierigen Phase seines Lebens. Die Freundschaft mit dem Maler Francis Bacon (1901–1992) war gerade auf unschöne Weise in die Brüche gegangen, seine Ehe steckte in einer Krise, und er hatte einen beruflichen Rückschlag einstecken müssen. Waren seine Arbeiten doch bei zwei großen Londoner Ausstellungen (Painting and Sculpture of a Decade ’54–’64 in der Tate Gallery und The New Generation: 1964 in der Whitechapel Gallery) abgelehnt worden – Sorgen, die sich metaphorisch in den verdrehten Figuren der beiden sterbenden Schwäne widerspiegeln. In Swan I (1964) und Swan II (1964) platzierte er den mit dem Tode ringenden Schwan vor einer Reihe scharf umrissener Winkel. In beiden Werken weicht der kalte, formalistische Hintergrund einer Mischung stilistischer Anspielungen, die von expressionistischen Farbklecksen (am Rand von Swan I) über die eher linearen Abstraktionen in Swan II bis zu dem kreisrunden, fast an die Op-Art erinnernden Muster reicht, das beide Schwäne auf der Leinwand fixiert. Die Bilder spiegelten die Stilkrise wider, die Bowling zwei Jahre später dazu veranlasste, von London nach New York überzusiedeln, wo er sich eher abstrakten Werken zuwandte. Als er die beiden Gemälde 1966 in einer Gruppenausstellung in London präsentierte, befestigte er Bänder, Ketten und einen Anker daran und „erschlug“ die einst anmutigen Geschöpfe damit regelrecht.

Damian Lentini

Biografie von Frank Bowling

  • Geboren 1936 in Bartica, Britisch Guayana

Frank Bowling emigrierte 1950 nach London und erhielt 1959 ein Stipendium für das Royal College of Art. Drei Jahre später verließ er die Hochschule mit einer Silbermedaille in Malerei (David Hockney [* 1937] war mit der Goldmedaille ausgezeichnet worden). 1962 zeigte Bowling, zu jener Zeit der Pop-Art verbunden, seine erste Einzelausstellung – Image in Revolt – in der Londoner Grabowski Gallery.

Ein Stipendium ermöglichte ihm eine Reise nach Südamerika und in die Karibik. Schon nach kurzer Zeit gab Bowling die postkoloniale figurative Malerei zugunsten der Abstraktion auf.

1966 zog er nach New York, wo er mit Unterstützung der afroamerikanischen Community seine Map Paintings entwickelte (Farbfeldmalerei mit unterlegten Landkarten von Südamerika, Australien und Afrika). 1967 und 1973 erhielt er Guggenheim-Stipendien; von 1969 bis 1972 war er freier Redakteur für das Arts Magazine. 1971 widmete ihm das Whitney Museum eine Einzelausstellung, und er schloss Freundschaft mit dem Kritiker Clement Greenberg (1909–1994), der seine abstrakte Malweise unterstützte. Später kamen u.a. Poured Paintings und Reliefs aus Styropor hinzu.

Bowling unterhält Ateliers in London und in New York. Er war der erste schwarze Künstler, der 2005 als Mitglied in die englische Royal Academy of Art gewählt wurde.