Pedro de Oraá

Sin título (Ohne Titel)

De Oraá Sin Título Untitled Courtesy David Zwirner 1500
  • Pedro de Oraá
  • Sin título (Ohne Titel)
  • 1959
  • Öl auf Leinwand
  • 76,2 x 63,5 cm
  • Courtesy Michael Rosenfeld Gallery, LLC, New York; and David Zwirner, New York/London

Der kubanische Künstler Pedro de Oraá setzte sich für den transnationalen Stil der konkreten Kunst ein. 1957 gründete er zusammen mit Loló Soldevilla die Galería Color-Luz, und von 1958 bis 1961 gehörte er der in Havanna ansässigen Gruppe Diez Pintores Concretos ("Los Diez") an. De Oraá war ein Gegner der figurativen Kunst der Tropen, die damals in Kuba allgegenwärtig war, da er der Meinung war, dass ein derart provinzieller Stil Kuba gegenüber seinen Zeitgenossen auf der internationalen Bühne nicht angemessen repräsentieren würde. Hingegen betrachtete er die konkrete Kunst aufgrund ihrer Betonung von Rationalität als eine universelle Sprache, mit der sich Künstler weltweit und über diverse Kulturen hinweg verständigen konnten. 

Wegen seiner fließenden und organischen Eigenschaften ist de Oraás Gemälde mit seinen schwarzen Formen auf rotem Hintergrund unter den konkreten Kunstwerken einzigartig. Obwohl es mit seinen harten Kanten und geometrischen Formen dem Hard-Edge-Stil angehört, vermitteln Letztere doch eine Lebendigkeit, die einem Großteil der geometrischen Abstraktion mangelt. Die sich anmutig verjüngenden Linien, die auf natürliche Weise zu "wachsen" scheinen, stehen in deutlichem Gegensatz zu den rein mathematischen Arrangements, die seine Künstlerkollegen entwickelten. Doch obwohl seine Formen an organische Archetypen denken lassen, versuchte de Oraá sich nicht an einer abstrakten Darstellung natürlicher Formen. Das konkrete Kunstwerk stellte für ihn ein aus eigener Kraft bestehendes autonomes Objekt dar, eine Studie aus Form und Farbe mit einer eigenen inneren Logik.

Megan Hines

Biografie von Pedro de Oraá

  • Geboren 1931 in Havanna, Kuba

Pedro de Oraá entwickelte eine eigene Bildsprache, die Elemente von Hard-Edge- und organischer Abstraktion verbindet und sich auf wenige Farben – vor allem Schwarz, Weiß, Rot und Purpur – beschränkt. Er studierte in seiner Jugend eine Zeitlang an der Kunstakademie von San Alejandro, musste diese Ausbildung jedoch aus finanziellen Gründen abbrechen. In den 1950er-Jahren, als er sich mit der Abstraktion auseinandersetzte, veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband, El Instante Cernido (Der beobachtete Moment) (1952/53).

Nachdem de Oraá die Künstlerin Loló Soldevilla (1901–1971) kennengelernt hatte, reisten beide 1957 anlässlich seiner ersten Einzelausstellung in der Galería-Librería Sardio in Caracas nach Venezuela. Im gleichen Jahr gründete das Paar in Havanna die Galería de Arte Color-Luz, die zum Treffpunkt der Diez Pintores Concretos (Zehn Konkreten Maler) wurde, einer Künstlergruppe, die im Stil der geometrischen Abstraktion arbeitete (1958–1961).

De Oraá wurde zum Archivar der Gruppe und dokumentierte die lokale kubanische Kunstszene. Er repräsentierte Kuba bei verschiedenen Ausstellungen im Ausland und spielte seit 1961 eine wichtige Rolle in nationalen Kulturorganisationen, wie etwa in der Unión Nacional de Escritores y Artistas de Cuba (Nationale Schriftsteller- und Künstlervereinigung) und im Consejo Nacional de Cultura (Nationaler Kulturrat). De Oraá erhielt 2011 den Nationalpreis für Buchgestaltung des Instituto Cubano del Libro (Kubanisches Buch-Institut) und 2015 den Premio Nacional de Artes Plásticas (Nationalpreis für bildende Kunst).