Sandú Darié

Sin título (Ohne Titel)

Darié Sin Título Estructura Transformable Courtesy David Zwirner 1500
  • Sandú Darié
  • Sin título (Ohne Titel)
  • 1950s
  • Collage, Bleistift, Tusche, Aquarell auf vier Papierblättern auf Karton
  • 92,5 x 40,4 x 3,8 cm
  • Privatsammlung, London. Courtesy David Zwirner, New York/London

Sin título (ca. 1950er-Jahre) und Sin Titulo (Estructura Tranformable) (ca. 1950er-Jahre) stehen für einen wichtigen Moment des Wandels in Sandú Dariés Karriere. Ab 1949 begann er, sämtliche Spuren poetischer oder narrativer Inhalte zugunsten konkreter geometrischer Formen aus seinem Œuvre zu tilgen. In diesen Werken verließ er sich auf saubere Linien, vor allem auf Primärfarben und das Wechselspiel geometrischer Formen, um auf diese Weise optisch schlichte, doch faszinierende abstrakte Arrangements zu schaffen. In beiden Werken ist die Beziehung der einzelnen Teile zum Ganzen für die Gesamtkomposition entscheidend. Offenkundig ging es Darié darum, dass seine Kunst völlig ungegenständlich, sprich allen zugänglich war, unabhängig von Nationalität, Sprache oder kulturellem Hintergrund. Man brauchte lediglich einen klaren Verstand und einen scharfen Blick, um die Komposition wertschätzen zu können.

Dieses Interesse an der Kultivierung eines internationalen Publikums war nicht bloß theoretischer Natur. Darié, der von Rumänien nach Havanna, Kuba, verpflanzt worden war, stand auch in Verbindung mit Gyula Kosice, dem Gründer der in Buenos Aires beheimateten Gruppe Arte Madí. Andere Madí-Künstler waren an verschiedenen Orten Südamerikas und in Paris tätig. Darié stellte seine Werke auch in New York aus. In seinem Briefwechsel mit Kosice erkundete er die ästhetischen Prinzipien der geometrischen Abstraktion, die spirituelle und formale Anliegen mit dem Ziel der Entwicklung einer utopischen Gesellschaft verbanden. Als Mitglied der Gruppe Diez Pintores ("Los Diez") in Havanna erklärte er: "Das ist konkrete Malerei, weil jedes Gemälde eine neue Wirklichkeit ist." In dieser neuen Wirklichkeit spielte die Kunst eine wichtige gesellschaftliche Rolle, da sie universelle und rationale Werte betonte.

Megan Hines

Biografie von Sandú Darié

  • Geboren 1908 in Roman, Rumänien
  • Gestorben 1991 in Havanna, Kuba

Sandú Darié kam zum ersten Mal während seines Jurastudiums in Paris von 1926 bis 1932 mit surrealistischen Künstlern und Schriftstellern in Kontakt. In den 1930er-Jahren arbeitete er als Kunstkritiker und Karikaturist für die rumänische und französische Presse. 1941 wanderte er nach Kuba aus, wo er sich Ende der 1940er-Jahre der Kunst verschrieb.

Seine frühen Composiciones, die der lyrischen Abstraktion zuzuordnen sind, zeigte er 1949 im Rahmen von Einzelausstellungen im Lyceum von Havanna und in der Carlebach Gallery in New York. Im selben Jahr begann Darié mit dem in Buenos Aires lebenden Künstler Gyula Kosice (* 1924) zu korrespondieren. Der Briefwechsel, der neun Jahre lang fortgesetzt wurde, resultierte in Dariés Teilnahme an den Ausstellungen der Madí und seiner Mitarbeit am Magazin Arte Madí.

Ab 1950 entwickelte sich Darié zu einem führenden Repräsentanten und Förderer der abstrakten und konkreten Kunst in Kuba. Er war Mitbegründer des 1952 aus der Taufe gehobenen Magazins Noticias de Arte und von 1958 bis 1961 Mitglied der Gruppe Los Diez Pintores Concretos. 1952 stellte er auf der Biennale von Venedig aus, und dreimal nahm er an der Biennale von São Paulo teil (1953, 1955 und 1957).

Sein Interesse an Bewegung und Interaktion manifestierte sich in einer Reihe kinetischer Skulpturen, den Estructuras transformables (Transformierbare Strukturen), die erstmals 1956 ausgestellt wurden. Später beschäftigte sich Darié mit Bewegung, Licht und Klang in Film (Cosmorama: Poema espacial no. 1 ((so meist im Netz, bitte prüfen)), 1964) und Theater.