Jesús Rafael Soto

Sin título (Estructura cinética de elementos geométricos) (Ohne Titel [Kinetische Struktur geometrischer Elemente])

Soto Kinetic Structure Mfa Houston 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
  • Jesús Rafael Soto
  • Sin título (Estructura cinética de elementos geométricos) (Ohne Titel [Kinetische Struktur geometrischer Elemente])
  • 1956
  • Farbe auf Plexiglas und Holz mit Schrauben
  • 55.2 × 55.6 × 33 cm
  • The Museum of Fine Arts, Houston. Museum purchase funded by the Caroline Wiess Law Accesions Endowment Fund, 2010.76 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Jesús Rafael Sotos künstlerische Karriere setzte genau in der Zeit ein, als die venezolanische Kunstszene anfing, sich für die Prinzipien der geometrischen Abstraktion zu interessieren. Die erste Ausstellung nichtgegenständlicher Kunst in Venezuela fand 1948 statt, und 1950 schuf Soto seine ersten eigenen abstrakten Werke. Im selben Jahr erhielt er ein staatliches Stipendium, das es ihm ermöglichte, zusammen mit seinem Zeitgenossen Alejandro Otero (1921–1990) nach Frankreich zu reisen. Rasch wurde Soto Teil der Kunstszene in Paris, wo er in denselben Kreisen verkehrte wie der Künstler der geometrischen Abstraktion Victor Vasarely (1906–1997). Von seinem Pariser Stützpunkt aus erweiterte Soto sein künstlerisches Netzwerk, zu dem bald auch die Gruppe ZERO in Deutschland und die Signals-Gruppe in London zählten. 

Eine Auswahl von Sotos kinetischen Strukturen war 1955 in Le Mouvement zu sehen, einer inzwischen legendären Ausstellung, in der Werke versammelt waren, die die Idee der Bewegung oder, wie Soto sie verstand, der vierten Dimension in den Mittelpunkt ihrer künstlerischen Praxis stellten. Anders als konstruktivistische Bildhauer wie sein Zeitgenosse, der Schweizer Künstler Jean Tinguely (1925–1991), lehnte Soto die Idee der mechanischen Bewegung ab, vielmehr zog er die Beteiligung des Betrachters sowie optische Illusionen vor. Seine kinetischen Strukturen bestehen aus mehreren Schichten von mit geometrischen Mustern bemalten Plexiglasplatten. Wenn die durchsichtigen Platten in Schichten angeordnet sind, kann man die übereinandergestapelten Muster sehen, welche Schatten werfen auf den bemalten hölzernen „Bildträger“ darunter. Sobald sich der Betrachter von Sin título (Estructura cinética de elementos geométricos (1956) vor dem Werk bewegt, ergibt sich durch die sorgfältig miteinander verflochtenen Schichten schmaler, farbiger Linien die Illusion einer visuellen Schwingung.

Daniel Milnes

Biografie von Jesús Rafael Soto

  • Geboren 1923 in Ciudad Bolívar, Venezuela
  • Gestorben 2005 in Paris, Frankreich

Im Œuvre von Jesús Rafael Soto gehen Abstraktion, visuelle Wahrnehmung und Teilhabe eine Synthese ein. Er studierte Kunst in Caracas, zog aber 1950 nach Paris, wo er den Op-Art-Künstler Victor Vasarely (1906–1997) und den für seine kinetischen Kunstwerke berühmten Bildhauer Jean Tinguely (1925–1991) kennenlernte. 

Seine ersten Arbeiten zeigte Soto 1955 in der Galerie Denise René im Rahmen der Ausstellung Le Mouvement, in der auch Werke des Dadaisten Marcel Duchamp (1887–1968) zu sehen waren. 

Sotos Spiral with Red besteht aus einer Holz- und einer Plexiglasscheibe mit gegeneinander versetzten konzentrischen Kreisen, die vor den Augen zu vibrieren scheinen – eine Bezugnahme auf Duchamps Rotoreliefs (1935). 

Von 1951 bis 1968 nahm Soto an den Salons des Réalités Nouvelles teil, die jährlich in Paris veranstaltet wurden und sich der abstrakten Kunst widmeten. 1958 waren Werke von ihm in den venezolanischen Pavillons der Brüsseler Weltausstellung (Expo ’58) und der Biennale von Venedig zu sehen. 1964 war er auf der documenta 3 und erneut auf der Biennale von Venedig vertreten. 

Seinen Durchbruch hatte er mit der Skulpturenreihe Pénétrables (1967–1997), von einer Rahmenkonstruktion herabhängenden Vinyl- und Metallröhren, durch die Betrachter hindurchspazieren können. Seine Heimatstadt Ciudad Bolívar eröffnete 1973 ein Museum, das seinem Werk gewidmet ist.