Wifredo Lam

Seated Woman (Sitzende Frau)

Lam Seated Woman Hirshhorn Museum And Sculpture Park 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photography by Fenessa Adikoesoemo
  • Wifredo Lam
  • Seated Woman (Sitzende Frau)
  • 1955
  • Öl und Kohle auf Leinwand
  • 130,8 x 97,7 cm
  • Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Smithsonian Institution, Gift of Mrs. Bernard Gimbel, 1978 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photography by Fenessa Adikoesoemo

Wifredo Lam, kubanischer Künstler und Sohn eines chinesischen Vaters und einer afrokubanischen Mutter, wurde sowohl von dem kubistischen Künstler Pablo Picasso (1881‒1973) als auch dem surrealistischen Schriftsteller und Dichter André Breton (1896‒1966) beraten und beeinflusst. Nichtsdestoweniger betrachtete Lam die Verwendung „primitiver“ Formen im Kubismus und Surrealismus mit Skepsis und kritisierte sie, weil er der Meinung war, sie beute kolonisierte Völker aus. Beeinflusst von den aufkeimenden Ideen der négritude, die von Denkern wie Aimé Césaire (1913‒2008) vertreten wurden, den er 1941 kennenlernte, griff Lam auf seine eigene private und auf die Kulturgeschichte zurück und schuf ein durch die europäische Avantgarde gefiltertes Formenvokabular.

In Seated Woman (1955) platziert Lam mit seinem charakteristischen linearen Stil Symbole und Figuren in mehrdeutigen Bildräumen. Die zum Signet Lams gewordene femme-cheval (Pferdefrau) sitzt mit elegant überkreuzten Armen da, doch ihre Hände nehmen eine bedrohliche Pose ein. Vor dem Gesicht trägt sie eine lange, spitz zulaufende Maske mit einem grimassierenden Lächeln, und auf dem Kopf einen Teufel. Elegant, doch auf eine unmögliche Weise im kubistischen Stil abgeflacht, lockt und bedroht diese mächtige, geheimnisvolle Figur den Betrachter gleichermaßen. Sie ist ein aus verschiedenen Teilen zusammengesetztes Symbol mit der Präsenz eines Individuums.

Amy Rahn

Biografie von Wifredo Lam

  • Geboren 1902 in Sagua La Grande, Kuba
  • Gestorben 1982 in Paris, Frankreich

Wifredo Lam bemühte sich in seiner künstlerischen Arbeit um eine Wiederbelebung der afro-kubanischen Kultur. Sein Vater war Chinese, seine Mutter Kubanerin afrikanischer Abstammung. Er studierte zunächst Jura und begann 1918 ein Studium der Malerei an der Escuela Nacional de Bellas Artes in Havanna. 1923 reiste er nach Madrid, um bei Fernando Álvarez de Sotomayor y Zaragoza (1875–1960) zu studieren, zu dessen Schülern auch Salvador Dalí (1904–1989) zählte. 

Der Besuch einer Ausstellung mit Werken Pablo Picassos (1881–1973) veranlasste Lam 1936 dazu, seine künstlerische Vorgehensweise grundlegend zu ändern. 1938 zog Lam nach Paris und lernte Picasso kennen, der ihn dazu ermutigte, seine eigene Form moderner Malerei zu finden. 1939 stellten die beiden ihre Arbeiten in den Perls Galleries in New York aus. 

Lam illustrierte zahlreiche Gedichte, wie etwa André Bretons Fata Morgana (1940). Nach einem kurzen, von den Nazis verfügten Gefängnisaufenthalt kehrte er 1941 nach Kuba zurück. In der Folge wurde sein Werk zunehmend von afrikanischen Einflüssen geprägt. Nach dem Zweiten Weltkrieg unternahm Lam etliche Reisen und stand in Kontakt mit der italienischen Avantgarde und der CoBrA-Gruppe. 1964 erhielt er den Guggenheim International Award. Sein Werk wurde in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, zuletzt 2015 im Centre Georges Pompidou in Paris.