Boris Taslitzky

Riposte (Gegenschlag)

Taslitzky Riposte Tate 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Tate, London 2016
  • Boris Taslitzky
  • Riposte (Gegenschlag)
  • 1951
  • Öl auf Leinwand
  • 210 x 310 cm
  • TATE: Presented by the Friends of the TATE Gallery 1998 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Tate, London 2016

Als Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs war Boris Taslitzky einer der führenden Vertreter des Sozialistischen Realismus in Frankreich und schuf zahlreiche Werke, die zeitgenössische politische Ereignisse von einem linken Standpunkt aus thematisierten. Riposte (1949) entstand als direkte Antwort auf die gewaltsame Beendigung eines Streiks von Hafenarbeitern durch die französische Polizei im Jahr 1949. In dem Versuch, Unabhängigkeitsbestrebungen in seinen Kolonien in Indochina (Vietnam, Laos und Kambodscha) zu unterdrücken, sandte die französische Regierung von den Häfen aus Truppen und Nachschub dorthin. Aus Protest begannen Arbeiter in Port-de-Bouc, nahe Marseilles, einen Streik und weigerten sich, die Schiffe zu beladen.

Auf der Grundlage von journalistischen Darstellungen des Konflikts schildert Riposte ein gewaltsames Gedränge vor der Kulisse des vor Anker liegenden Schiffs, bei dem sich die Arbeiter auf heroische Weise gegen die aggressiv vorgehende Polizei verteidigen. Im Zentrum des Bildes steht ein aufgehetzter Polizeihund, der sich auf eine Frau stürzt und sie in den Arm beißt, als sie wehrlos zu Boden fällt. Überall um sie herum kämpfen Polizisten und Streikende heftig miteinander und bilden einen Knäuel aufeinanderprallender Leiber und ausgestreckter Gliedmaßen. Während die Arbeiter, die sich mit Pflastersteinen und Holzplanken gegen den Angriff der bewaffneten Polizei wehren, als Individuen dargestellt sind, erscheinen die Polizisten in ihren identischen dunklen Uniformen weitgehend gesichtslos. Taslitzky bringt die ideologische Kluft zwischen den beiden Gruppen auf symbolische Weise zum Ausdruck, indem er eine Frau im Hintergrund die französische Trikolore ergreifen lässt ‒ eine Anspielung auf Eugène Delacroix’ Die Freiheit führt das Volk (1830), ein ikonisches Bild des vom französischen Volk ausgehenden Widerstands ‒, während der Polizist, der im Vordergrund in Würgegriff gehalten wird, das Gesicht Adolf Hitlers trägt.

Rachel Wetzler

Biografie von Boris Taslitzky

  • Geboren 1911 in Paris, Frankrich
  • Gestorben 2000 in Paris, Frankreich

Boris Taslitzky war ein Maler des Sozialistischen Realismus, der durch Krieg und Revolution verursachtes Leiden und Sterben darstellte. Seine Familie war 1905 aus Russland nach Frankreich geflohen, wo er in den 1930er-Jahren an der École des Beaux-arts studierte. 

1933 schloss er sich der Association des écrivains et artistes révolutionnaires an, zwei Jahre später trat er in die Kommunistische Partei ein. Da sein Vater im Ersten Weltkrieg gefallen und seine Mutter im Zweiten Weltkrieg in Auschwitz ermordet worden war, ist es nicht verwunderlich, dass seine Gemälde häufig auf die beiden Weltkriege Bezug nehmen. 

Zunächst unterstützte er die Front populaire und entwarf Plakate für politische Demonstrationen. 1940 geriet er in deutsche Kriegsgefangenschaft, konnte aber entkommen. Ende 1941 wurde er erneut gefangengenommen und für zwei Jahre inhaftiert. 1944 wurde er ins KZ Buchenwald deportiert, wo er heimlich Zeichnungen von den Gräueltaten und den unmenschlichen Zuständen im Lager anfertigte. 

Nach dem Krieg kehrte er nach Paris zurück, wo seine Zeichnungen 1946 unter dem Titel 111 dessins faits à Buchenwald veröffentlicht wurden. 

An die Tradition der heroischen, figurativen Malerei des 19. Jahrhunderts anknüpfend, widmete sich Taslitzky in den Folgejahren politischen Inhalten (Riposte, 1949), malte Genrebilder und Landschaften. Er lehrte an der École nationale supérieure des Arts Décoratifs und arbeitete als Illustrator für die kommunistische Presse.