Ismail Fattah

Reclining Man and Shield (Liegender Mann und Schild)

Fattah Reclining Man And Shield Mathaf 1500
  • Ismail Fattah
  • Reclining Man and Shield (Liegender Mann und Schild)
  • 1960
  • Bronze brüniert, Bronze unbehandelt (Sockel)
  • 20 x 15,3 x 12,5 cm
  • QM/QF - Mathaf: Arab Museum of Modern Art, Doha - Qatar

Ismail Fattah war 1951 Mitbegründer der Baghdad Modern Art Group und, 1969, auch des einflussreichen Kollektivs New Vision. Während seiner gesamten künstlerischen Laufbahn faszinierte ihn vor allem das Ausdruckspotenzial der menschlichen Gestalt, besonders dann, wenn diese stilisiert und in anonymer Form dargestellt wird. In seinen Gemälden isolierte Fattah häufig das Gesicht und schuf eine allgemeine Version des durch Farb- und Schrägstriche verzerrten menschlichen Antlitzes, wobei er die Augen und den Mund so übertrieben darstellte, dass sie an Votivstatuetten oder Masken erinnerten. In seinen kleinformatigen Skulpturen hingegen konzentrierte er sich ganz auf den menschlichen Körper, löste den Kopf dabei aber häufig vollkommen auf. Tatsächlich lehnte Fattah die Idee des Kopfes als Sitz der Seele ab und begriff stattdessen den Körper als deren emotionalen Kern. Auch wenn es ihm nicht darum ging, die psychische Energie des Gesichts zu leugnen, übertrug er sie lieber aus dem zerebralen Bereich in den kinetischen Raum des Körpers.

Reclining Man and Shield (1960) veranschaulicht Fattahs Fähigkeit, die Spannung zwischen der äußeren Erscheinung einer Person und dem inneren Aufruhr des menschlichen Bewusstseins zu visualisieren. Der Anlass hierfür war seine Erfahrung der technologischen und gesellschaftspolitischen Veränderungen im Bagdad der 1960er-Jahre. Seine Bronzefigur ist grob modelliert, hat eine wie geronnen anmutende Haut und schwerfällige Gliedmaßen, als sei ihr Gestaltungsprozess noch nicht abgeschlossen. Aus diesem Grund verfügt die Metallfigur über die Eigenschaft, an- und abwesend, in einem Zustand des Erscheinens und Verschwindens zugleich zu sein, bei dem ihr Körper in einem endlosen Kampf gegen Entropie und Zerfall gefangen ist.

Tiffany Floyd

Biografie von Ismail Fattah

  • Geboren 1934 in Basra, Irak
  • Gestorben 2004 in Bagdad, Irak

Bis Ende der 1950er-Jahre absolvierte Ismail Fattah ein Studium der Malerei und Bildhauerei an der Kunstakademie in Bagdad. Während seine frühen Skulpturen noch traditionell und gegenständlich waren, begann er unter dem Einfluss seines Lehrers Jewad Selim (1919–1961) – einem Vertreter der modernen iranischen Kunst – mit verschiedenen Formen und Materialien, unter anderem mit Gips, zu experimentieren. 

Nach dem Studium übersiedelte er nach Italien, wo er 1962 bei einem Skulpturenwettbewerb für arabische Künstler den ersten Preis gewann. In Rom erwarb er weitere Abschlüsse in Bildhauerei (an der Accademia di Belle Arti) und Keramik (an der  Scuola d’arti e mestieri San Giacomo). Eine Ausstellung seiner Gemälde und Skulpturen, die 1965 im Nationalmuseum für moderne Kunst in Bagdad gezeigt wurde, sollte die zeitgenössische irakische Kunst verändern. Hatte Fattah seinen Schwerpunkt doch mehr und mehr von regionalen Sujets auf universelle, existenzielle Themen verlagert. Im selben Jahr nahm der Künstler eine Lehrtätigkeit an der Kunstakademie in Bagdad auf, wo er zunächst Keramik und ab 1969 Bildhauerei unterrichtete. 

Fattah war Mitglied zweier einflussreicher Künstlergruppen, der Baghdad Modern Art Group und des New Vision Collective. Bekanntheit erlangte er durch seine öffentlichen Skulpturen in Bagdad; berühmt ist vor allem das 1983 vollendete Nusb Al-Shahid (Märtyrerdenkmal), mit dessen Entwurf er sich 1981 bei einem Wettbewerb durchsetzte.