Gustav Metzger

Re-creation of the First Public Demonstration of Auto-Destructive Art (Nach-Schöpfung der Ersten Öffentlichen Vorführung Autodestruktiver Kunst)

Metzger Recreation Of First Public Demonstration Of Auto Destructive Art 1960 Remade 2004 Tate 1500 - © Gustav Metzger
  • Gustav Metzger
  • Re-creation of the First Public Demonstration of Auto-Destructive Art (Nach-Schöpfung der Ersten Öffentlichen Vorführung Autodestruktiver Kunst)
  • 1960
  • Glas, Stoff, Tisch, Müllsack, Papier, Kunststoff und Stahl
  • 300 x 250 x 10 cm
  • TATE: Presented by the Artist 2006 - © Gustav Metzger

Gustav Metzger, der Erfinder der autodestruktiven Kunst, vereinigte in seinen Werken die Prinzipien von Konstruktion und Destruktion. Die First Public Demonstration of Auto-Destructive Art veranstaltete er am 22. Juni 1920 in der Temple Bar in London mit dem Ziel, eine künstlerische Bewegung zu initiieren. Ein Jahr zuvor hatte er bereits das First Manifesto of Auto-Destructive Art (Erstes Manifest der Autodestruktiven Kunst) publiziert. Dort ist von einer Kunst die Rede, in deren Erschaffung bereits die Mittel zu ihrer Zerstörung angelegt sind. Für Metzger spiegelt autodestruktive Kunst die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wider; ihr unausweichlicher Verfall ermöglicht zugleich eine Entlastung von historischer Erinnerung. In diesem Sinne ist autodestruktive Kunst dem geschichtlichen Augenblick verpflichtet: Das Konzept entsteht in der Spätmoderne und verschwindet mit ihr. Bereits kurz nach Veröffentlichung des Manifests entwarf Metzger sein erstes Auto-Destructive Monument: drei extrem dünne, rechteckige Formen aus Stahl, die innerhalb von zwanzig Jahren aufgrund der Korrosion komplett zerfallen sollten. Der Künstler fand jedoch keinen Geldgeber für die Skulptur und beschloss daraufhin, eine öffentliche Vorführung zu inszenieren. Bei dieser First Public Demonstration of Auto-Destructive Art präsentierte Metzger ein Modell des Monuments im Rahmen eines Vortrags zur Bedeutung des Zufalls in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft. Dann bespannte er eine breite Glasscheibe mit einem Nylongewebe und bearbeitete dieses, verborgen vor den Augen des Publikums, mit einem zuvor in Salzsäurelösung getauchten Pinsel, worauf sich das Nylon an den entsprechenden Stellen auflöste. Das zerstörerische Handeln des Künstlers wurde somit erst während der Vorführung allmählich sichtbar.

Tim Roerig

Biografie von Gustav Metzger

  • Geboren 1926 in Nürnberg, Deutsches Reich (Weimarer Republik)

Gustav Metzger, Sohn polnisch-jüdischer Eltern, konnte 1939 dank eines Kindertransports nach London flüchten. Er besuchte die Cambridge School of Art in London und studierte 1948/49 mit einem Stipendium der jüdischen Gemeinschaft des Vereinigten Königreichs an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Antwerpen. 

In den 1950er-Jahren übte er verschiedene Berufe aus und war politisch aktiv, protestierte gegen die Stationierung von Raketen im Vereinigten Königreich und kämpfte für nukleare Abrüstung. 

1959 entwickelte er das Konzept der „autodestruktiven“ Kunst und begann, zu diesem Thema zu schreiben und zu publizieren. Ausgehend vom Zerstörungspotenzial unserer Zeit, verbindet Metzger in seinem Werk Destruktion und Konstruktion und verwendet darin Abfälle in Müllsäcken, Abgase, Säuren und Flüssigkristalle. 

1966 organisierte er das internationale „Destruction in Art Symposium“ (DIAS) in London, an dem Mitglieder der Wiener Aktionisten und der Fluxus-Bewegung, Psychologen, Schriftsteller und Musiker, darunter auch John Lennon, teilnahmen. Seit den 1970er-Jahren schuf er partizipatorische Kunst mit neuen Technologien und setzte sich mit seiner eigenen Geschichte sowie mit dem Thema der Auslöschung auseinander.