Beauford Delaney

Portrait of James Baldwin (Porträt James Baldwins)

Delaney Portrait Of James Baldwin Philadelphia Museum Of Art 1500 - © Estate of Beauford Delaney.
  • Beauford Delaney
  • Portrait of James Baldwin (Porträt James Baldwins)
  • 1945
  • Öl auf Leinwand
  • 55,9 x 45,7 cm
  • Courrtesy of the Philadelphia Museum of Art: 125th Anniversary Acquisition. Purchased with funds contributed by The Daniel W. Dietrich Foundation in memory of Joseph C. Bailey and with a grant from The Judith Rothschild Foundation, 1998 - © Estate of Beauford Delaney.

Dieses Porträt des amerikanischen Autors und Stückeschreibers James Baldwin (1924‒1987) von Beauford Delaney ist eine intime Würdigung der lebendigen Beziehung zwischen dem Schriftsteller und dem Künstler, die beide eine zentrale Rolle im amerikanischen Kulturleben der Jahrhundertmitte gespielt haben. Baldwin zufolge brachte Dealney ihm „das Sehen bei“, zeigte ihm, wie man das Alltägliche und Flüchtige aufzeichnet, ohne sich auf Konventionen oder die Erinnerung zu verlassen: „das Licht zu sehen, das in jeder Sache, jeder Oberfläche, jedem Gesicht enthalten ist“. Nachdem Baldwin Delaney 1945 in New York kennengelernt hatte, pflegten die beiden eine kreative Beziehung und zogen 1953 nach Paris, wo sie sich einer Gruppe im Ausland lebender afroamerikanischer Künstler anschlossen.

Die Parallelen zwischen Baldwin und Delaney sind bemerkenswert. Beide entziehen sich der Einordnung in eine der künstlerischen Hauptströmungen des 20. Jahrhunderts, und ihre Werke schildern das afroamerikanische Leben in den Vereinigten Staaten aus einer ganz persönlichen Perspektive, auf deren Grundlage sie Sexualität, Identität, Männlichkeit und Rasse durch Darstellungen des Alltagslebens und ganz individueller Kämpfe erkundeten. Bei diesem Porträt nimmt das Gesicht des Autors die gesamte Leinwand ein und starrt mit einer Intensität und Direktheit aus dem Bild, die einen unmittelbaren Bezug zwischen dem Betrachter und dem Bildgegenstand herstellt. Kräftige dunkle Konturen beschreiben das Antlitz und die Gesichtszüge, während die sich kräuselnden Farben auf der Haut eine changierende Oberfläche erzeugen und so die Bewegung des Lichts und das Verstreichen von Zeit ‒ „das geborgene Licht“ ‒ andeuten.

Caroline Wallace

Biografie von Beauford Delaney

  • Geboren 1901 in Knoxville, Tennessee, Vereinigte Staaten
  • Gestorben 1979 in Paris, Frankreich

Beauford Delaney, eine Schlüsselfigur der Harlem Renaissance, nahm zunächst Malunterricht bei Lloyd Branson (1853–1925) in Knoxville, ehe er 1924 in Boston mit dem Kunststudium begann. 1929 zog er nach New York, wo er, wie andere afroamerikanische Maler, den von Charles Alston (1907–1977) geleiteten Harlem Art Workshop in der 306 West 141st Street besuchte. Doch als Homosexueller unterhielt Delaney auch ein Atelier im Schwulenviertel Greenwich Village, genauer: in der Greene Street.

Ende der 1940er-Jahre stellte er vor allem seine unmittelbare Umgebung dar. Bekannt wurde er mit seinen Porträts prominenter Afroamerikaner wie z.B. Duke Ellingtons. 1930 wurden einige dieser Porträts in den Whitney Museum Studio Galleries in New York gezeigt. Während seiner New Yorker Zeit fand Delaney in den Schriftstellern Henry Miller (1981–1980) und James Baldwin (1924–1987) Freunde fürs Leben. 1953 folgte er Baldwin nach Paris, wo er bis zu seinem Tod lebte.

Trotz einer psychischen Erkrankung fuhr er mit seiner Arbeit fort und stellte weiter aus. Statt repräsentativer Porträts in Pastell und Straßenszenen schuf er nun vollständig abstrakte Gemälde in expressionistischer Manier. Mit ihren stets pastos aufgetragenen leuchtenden Farben erinneren Delaneys Gemälde in technischer Hinsicht an die Werke der Fauves und van Goghs. Kurz vor seinem Tod widmete ihm das Studio Museum in Harlem seine erste Retrospektive.