Francis Bacon

Pope (Papst)

Bacon Personnage Brooklyn Museum 1500 - © The Estate of Francis Bacon. All Rights Reserved/VG Bild-Kunst, Bonn 2016
  • Francis Bacon
  • Pope (Papst)
  • 1955-1956
  • Öl auf Leinwand
  • 195,9 x 140 cm
  • Gift of Olga H. Knoepke, 81.306 - © The Estate of Francis Bacon. All Rights Reserved/VG Bild-Kunst, Bonn 2016

In den 1950er-Jahren weitete Francis Bacon seine Verwendung religiöser Motive, etwa die Kreuzigung Jesu, auf Gemälde wie Pope (Papst) (1955–1956) aus, die sich auf historische Porträts des katholischen Papsttums beziehen. Eine seiner Inspirationsquellen war das Porträt von Papst Innozenz X. (1650) des spanischen Renaissancemalers Diego Velázquez (um 1599–1660), auf dessen Grundlage Bacon während der 1950er und frühen 1960er-Jahre mehrere Studien malte. Bekrönt, vornehm gekleidet und auf einem Thron sitzend werden Päpste in Bacons Händen zu grotesken, eingesperrten, gewalttätigen Wesen – offenkundig von Leid und Grauen zerrüttete menschliche Wracks, die bedrohlich die Zähne fletschen. Pope, ein unvollendetes Werk, zeugt, obwohl Bacon es selbst für gescheitert hielt, von einer ebenso brutalen wie lebenssprühenden Energie. Souveräne, kantige Linien kontrastieren hier mit malerischen Formen, die wirken, als seien sie in die Bildoberfläche hineingerieben worden. Vor einem dunklen, blauschwarzen Hintergrund scheint die sitzende Halbfigur in einem geometrischen Gefüge gefangen zu sein, das ein weiteres häufiges Motiv in Bacons Werk darstellt. Die ins Unbekannte starrende Figur stemmt sich mit den Armen gegen denThron, als erwarte sie eine plötzliche Bewegung.

Wie schon Bacons frühere Gemälde bietet auch dieses abstrahierte religiöse Porträt keine Aussicht auf Erlösung oder Hoffnung. Dieses Bildnis, das Bacons zutiefst atheistischer Weltsicht entstammt, fällt schonungslos über alle religiösen Sachwalter, Führer und Profiteure her. In der Folge des Zweiten Weltkriegs und der schrecklichen Gewalt, die Faschisten wie Revolutionäre in der Welt verbreitet haben, legen Bacons verdummte, neurotische und wütend fauchende religiöse Gestalten den Gedanken nahe, dass Machthaber allemal imstande sind, einen verheerenden gesellschaftlichen Schaden anzurichten. In Bacons Händen verkörpert der Papst sowohl die Macht von Despoten als auch das Grauen des Kollektivs.

Gemma Sharpe

Biografie von Francis Bacon

  • Geboren 1909 in Dublin, Irland
  • Gestorben 1992 in Madrid, Spanien

Der Autodidakt Francis Bacon entwickelte sich zu einem der führenden gegenständlichen Maler der Nachkriegszeit. 1927 reiste er nach Berlin und Paris, wo ihn die Werke von Nicolas Poussin (1594–1665) und Pablo Picasso (1881–1973) inspirierten. In Paris besuchte er die freien Akademien. Dort schuf er im selben Jahr auch seine ersten Kunstwerke. Ende 1928 oder Anfang 1929 übersiedelte er nach London und arbeitete kurzzeitig als Innenarchitekt und Möbeldesigner. Knapp ein Jahrzehnt später, 1937, wurden seine Arbeiten in der Gruppenausstellung Young British Painters in der Galerie Thomas Agnew & Sons neben Werken von Künstlern wie Graham Sutherland (1903–1980) gezeigt. Seinen Durchbruch erlebte Bacon 1944 mit dem Triptychon Three Studies for Figures at the Base of a Crucifixion, das allgemein als sein erstes reifes Werk gilt. Auch in der Folgezeit malte der Künstler verzerrte menschliche Figuren und Szenen, die Entfremdung, Gewalt und Leid evozieren. Reihen und Variationen von Motiven sind kennzeichnend für Bacons gesamtes Schaffen. Dabei schöpfte er gleichermaßen aus christlichen wie mythologischen Themen und ließ sich von den Werken anderer Künstler, etwa denen des Malers Diego Velázquez (1599–1660) oder des Fotografen Eadweard Muybridge (1830–1904), inspirieren. Seine erste große Retrospektive wurde 1962 in der Londoner Tate Gallery gezeigt.