Affandi

Pengemis Cirebon (Bettler in Cirebon)

Affandi Mexico Mother And Child Lippo Group Collection 1500
  • Affandi
  • Pengemis Cirebon (Bettler in Cirebon)
  • 1960
  • Öl auf Leinwand
  • 89 x 125 cm
  • Collection of Museum Lippo

Obwohl Autodidakt, sollte Affandi zum Wegbereiter der modernen Kunst Indonesiens werden. Unmittelbar in Berührung mit moderner Kunst kam er zum ersten Mal durch Abbildungen in Zeitungen und Zeitschriften, die bei ihm das brennende Interesse weckten, zu erfahren, wie es Künstlern gelang, das alltägliche Leben in seinen positiven wie seinen negativen Erscheinungsformen auf so lebendige Weise darzustellen. In den 1950er-Jahren unternahm er ausgedehnte Reisen und bekam so Einblick in das Leben der Armen und Unterprivilegierten auf der ganzen Welt. Dies wiederum prägte seine Sicht auf die Menschen in den Städten der näheren Umgebung.

Besonders deutlich wird dies in Werken wie Pengemis Cirebon (1960). Das Gemälde zeigt einen auf der Straße kauernden Bettler, dem Affandi in seiner javanischen Geburtsstadt begegnete. Im Gegensatz zu den Sujets, die man in der Regel in Werken der sozial engagierten Kunst findet und die Affandi vermutlich auf seinen Reisen kennenlernte, unterscheidet sich diese Figur stark von den beeindruckenden Persönlichkeiten, wie sie uns in den „Alltags“-Darstellungen anderer Künstler begegnen. Anders als in den eher heroischen Bildern dieser Künstler tritt der ausgemergelte Bettler in Pengemis Cirebon nicht mit dem Betrachter in Kontakt, sondern kauert geduckt und mit zu Boden gesenktem Kopf auf der Erde, um nicht von den Hufen der über ihn hinweglaufenden Tiere verletzt zu werden. Unterstrichen wird das Elend des Bettlers, der kaum von dem Boden selbst, auf dem er kauert, zu unterscheiden ist, hier noch durch den mit raschen, kreisenden Bewegungen ausgeführten Farbauftrag.

Damian Lentini

Biografie von Affandi

  • Geboren 1907 in Cirebon, Java

Affandi war als Künstler ein Autodidakt, gilt unter den Vertretern der indonesischen Moderne jedoch als Führungsgestalt. Sein expressionistischer Malstil, den er ab den 1950er-Jahren pflegte, machte ihn bekannt: Er drückte die Farbe direkt aus der Tube auf die Leinwand oder verstrich sie mit den Fingern zu wirbelnden Linien. Seine Frühwerke aus den 1930er- und 1940er-Jahren hingegen waren eher impressionistisch. Affandis Sujets basierten immer auf der Realität. Als Jugendlicher malte er seine Familie und sein direktes Umfeld, später hielt er Eindrücke von seinen Reisen durch Indonesien und rund um die Welt fest. In den 1930er-Jahren wurde Affandi in die Kelompok Lima Bandung (die Fünfergruppe von Bandung) aufgenommen. Zur Zeit des indonesischen Unabhängigkeitskriegs in den 1940er-Jahren war er Mitglied unterschiedlicher Künstlervereinigungen, u.a. der Seniman Masyarakat (Peoples Artists Association) und der Gabungan Pelukis Indonesia (indonesische Malervereinigung), und unterstützte den Kampf gegen die niederländische Besatzungsmacht. Internationale Anerkennung erlangte Affandi, als er Indonesien 1954 auf der Biennale von Venedig repräsentierte (wo er mit einem Preis ausgezeichnet wurde) und 1956 auf der Biennale von São Paulo vertrat. Später wurde er mit namhaften Preisen und Lehraufträgen in den Vereinigten Staaten und in Indonesien geehrt.