Lee Seung-taek

Non-Sculpture (Nicht-Skulptur)

Seung Taek Non Sculpture Courtesy Gallery Hyundai 2 1500 - © Lee Seung-taek
  • Lee Seung-taek
  • Non-Sculpture (Nicht-Skulptur)
  • 1960
  • Schnur, Papier und Holzstock
  • 13 × 110 × 631 cm
  • Courtesy Gallery Hyundai, Seoul - © Lee Seung-taek

Non-Sculpture (1960) ist Teil einer Serie von Werken Lee Seung-taeks, die sowohl die materiellen als auch die räumlichen Kategorien herausfordert, mit denen man „Skulptur“ normalerweise verbindet. In dieser Installationsarbeit verwendete Lee Seung-taek Godret-Steine, die in Korea traditionell als Gewichte beim Knüpfen von Knoten und Flechten handgefertigter Matten dienen. Hier bekräftigen sie lediglich den Raum, in dem das Werk und der Betrachter koexistieren. Indem er jeden Stein mit einer Einkerbung versieht, so als habe er infolge des Herabhängens auf natürlichem Wege selbst diese Gestalt angenommen, erzeugt Lee Seung-taek eine Illusion, die die materiellen Eigenschaften der Steine und der Schnüre, mit denen sie festgebunden sind, hinterfragt.

Die Entscheidung, Non-Sculpture direkt auf dem Boden zu platzieren, stellt aber auch eine taktische Geste Lee Seung-taeks dar, mit der dieser die Vertikalität aufrecht stehender Gedenkstatuen zurückweist, an deren Gestaltung und Konstruktion der Künstler seit den 1940er-Jahren gearbeitet hatte. Während man die traditionelle Skulptur normalerweise als autonomes Objekt betrachtet, das durch seine Platzierung auf einem Sockel über das Alltagsgeschehen erhoben wird, ermöglicht der Umstand, dass dieses Werk auf dem Boden liegt, den Betrachtern, es ihrem eigenen Maßstab und ihrer eigenen Position entsprechend zu betrachten. Tatsächlich spricht der Titel Non-Sculpture auch den Status des Objekts als Kunstwerk an, verweigert ihm aber die starre Definition einer „Skulptur“, wie sie damals von Koreas offiziellem Salon, dem Kukchŏn, vorgeschrieben wurde: „separate Stein- oder Metallobjekte, die auf stabilen Podesten montiert sind, welche das Kunstwerk vom Boden trennen“.

Damian Lentini

Biografie von Lee Seung-taek

  • Geboren 1932 in Kowon, Korea (heute Nordkorea)

Der bekannte Bildhauer, Installations-, Umwelt- und Performance-Künstler Lee Seung-taek floh währende des Koreakriegs (1950–1953) nach Südkorea. In dieser Zeit begann er Porträts amerikanischer Soldaten zu zeichnen. 

Ab Mitte der 1950er-Jahre arbeitete er mit nichtmateriellen Substanzen wie Rauch, Wind und Feuer, nachdem er auf einem Foto eine spindeldürre Figur Alberto Giacomettis (1901–1966) und im Fernsehen einen saudi-arabischen Ölofen gesehen hatte. 1959 beendete Seung-taek sein Kunststudium an der Hongik-Universität in Seoul. Schon als Student schuf er seine ersten Werke mit Godret-Steinen, mit denen man an Gewichtswebstühlen traditionell die Kettfäden beim Weben beschwerte und die nun an Kordeln von einem horizontalen Balken hingen. 

Als Abschlussarbeit zeigte er 1958 History and Time, ein mit Stacheldraht umwickeltes Gipsobjekt, das mit roter und blauer Farbe bespritzt war – den Farben des Kommunismus und der Demokratie. Zu seinen Frühwerken gehören auch Glass (1969), eine Art ,Impfung‘ für einen Baum, und Paper Tree (1970), eine Installation aus Zweigen, von denen Papierstreifen herabhängen. 

Seung-taeks Arbeiten beschäftigen sich mit dem menschlichen Körper, der Sexualität und politischen Konflikten. Schon zu einem frühen Zeitpunkt seiner Laufbahn, 1969 und 1970, stellte er auf der Pariser Biennale bzw. der Biennale von São Paulo aus.