Alexander Boghossian

Night Flight of Dread and Delight (Nachtflug der Furcht und Freude)

Boghossian  Night Flight Of Dread And Delight North Carolina Museum Of Art 1500
  • Alexander Boghossian
  • Night Flight of Dread and Delight (Nachtflug der Furcht und Freude)
  • 1964
  • Öl auf Leinwand mit Collage
  • 143,8 x 159,1 cm
  • North Carolina Museum of Art, Raleigh, Purchased with funds from the North Carolina State Art Society (Robert F. Phifer Bequest)

Alexander „Skunder“ Boghossian gehört zu einer Generation afrikanischer Modernisten, die in den aufblühenden Metropolen Afrikas, Europas und der Vereinigten Staaten lebte und studierte. Zu dem Zeitpunkt, als er Night Flight of Dread and Delight (1964) malte, hatte er bereits bei dem kanadischen Maler Jacques Godbout in Äthiopien studiert und eine formale Ausbildung in London und Paris erhalten, wo er Aimé Césaire und Léopold Senghor kennenlernte, die Begründer der Négritude, einer antikolonialen, panafrikanischen Philosophie, die in den 1930er-Jahren in Frankreich entstanden war. Mit 22 Jahren lernte Boghossian dann weitere Angehörige der schwarzen Intelligenzija kennen, als er den Zweiten Kongress schwarzer Künstler und Schriftsteller in Rom besuchte. Nach seiner Rückkehr nach Paris, wo er dieses Bild malte, traf er Gerard Sekoto (1913–1993), einen Pionier der schwarzen Kunst in den Städten, und Wifredo Lam (1902–1982), einen afrokubanischen Künstler. Diese Verbindungen veranschaulichen den Umfang des kulturellen Austauschs, der in der Mitte des 20. Jahrhunderts möglich geworden war. 

Boghossian selbst erklärte sein Werk folgendermaßen: „Die Botschaft ist eine Bestandsaufnahme eines afrikanischen Künstlers in ‚Zeit und Raum‘ auf der Suche nach sich selbst und seinen Wurzeln.“ Inspiriert von seinem afrikanischen Erbe, verband er in seinem Stil koptische Mystik, Elemente der Dogon-Skulptur und den magischen Realismus des nigerianischen Schriftstellers Amos Tutuola (1920–1997) mit der Präzision mittelalterlicher illuminierter Handschriften. Fieberhaft ornamental wie eine Miniaturmalerei taucht Night Flight of Dread and Delight in eine kosmische und fantastische Welt ein. Hier flattern zwei kosmische Ungeheuer vor einem mit einer Fülle unterschiedlicher Phänomene übersäten Himmel und verdeutlichen so Boghossians Talent hinsichtlich der Schilderung der surrealen Aspekte der menschlichen Imagination und Träume.

Joseph Underwood

Biografie von Alexander Boghossian

  • Geboren 1937 in Addis Abeba, Äthiopien
  • Gestorben 2003 in Washington, D.C., Vereinigte Staaten

Der armenisch-äthiopische Künstler Alexander Boghossian (alias Skunder) nahm zunächst inoffiziell in Äthiopien Kunstunterricht, ehe er 1955 mit einem Regierungsstipendium nach Europa ging und in London zwei Jahre lang die St Martin’s School, die Central School und die Slade School of Fine Art besuchte.

Anschließend verbrachte er neun Jahre in Paris, wo er an der Académie de la Grande Chaumière studierte und lehrte. Zwischen 1966 und 1969 lebte er wieder in Äthiopien, 1970 emigrierte er dann in die Vereinigten Staaten, wo er von 1972 bis 2001 einen Lehrauftrag an der historisch-afroamerikanischen Howard University innehatte. Boghossian engagierte sich in der Négritude-Bewegung (einer Strömung des Panafrikanismus) und bearbeitete in Europa eher ungebräuchliche Bildträger wie Rinde und Tierhäute mit gleichwohl europäischen Techniken.

Seine farbenfrohen Gemälde sind vom Surrealismus, der koptischen und der westafrikanischen Kunst beeinflusst. Er schuf prismenförmige abstrakte Farbkompositionen und traumartige Welten, die oft von mythischen Kreaturen bevölkert sind. Boghossian ist der erste afrikanische Künstler unserer Zeit, dessen Werke vom Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris (1963) und vom Museum of Modern Art in New York (1965) angekauft wurden.