Krishen Khanna

News of Gandhiji’s Death (Die Nachricht von Gandhis Tod)

Khanna News Of Gandhijis Death Collection Radhika Chopra Rajan Anandan 1500
  • Krishen Khanna
  • News of Gandhiji’s Death (Die Nachricht von Gandhis Tod)
  • 1948
  • Öl auf Leinwand
  • 83,8 × 83,8 cm
  • Collection of Rathika Chopra & Rajan Anandan, New Delhi, India

Der Verlust seiner pakistanischen Heimat aufgrund der Teilung Indiens, die Traumata der Dekolonialisierung und die soziale Unzufriedenheit sind gängige Themen in Krishen Khannas Bildern. News of Gandhiji’s Death (Die Nachricht von Gandhis Tod) (1948) etwa thematisiert die Zeit unmittelbar nach der Ermordung Mahatma Gandhis (1869–1948), der Indien in die Unabhängigkeit führte. Die Tragödie ereignete sich nur wenige Monate, nachdem Indien sich von der britischen Herrschaft befreit hatte. Gandhis Mörder war ein hinduistischer Nationalist, der darüber empört war, dass dieser politische Forderungen der Muslims unterstützte. Dieses Gemälde, in dessen Titel der Politiker als „Gandhiji“ bezeichnet wird, ein achtungsvoller indischer Kolloquialismus für Gandhi, präsentiert uns eine vom Schock gezeichnete Ansammlung indischer Bürger. Durch Kleidung, Klassenzugehörigkeit und Geschlecht voneinander geschieden, stehen Muslims, Hindus und Sikhs von Finsternis umgeben unter einer Straßenlaterne und lesen die Nachricht. Obwohl das Gemälde die gemeinsame Reaktion auf eine Tragödie thematisiert, spiegelt es auch die mangelnde Eintracht in der seit Kurzem unabhängigen Gesellschaft Indiens. Die Figuren blicken einander nicht an, und auch wenn sie alle Zeitungen in den Händen halten, um sie zu lesen, errichten sie dadurch auch eine Reihe von Barrieren zwischen sich. News of Gandhiji’s Death (Die Nachricht von Gandhis Tod) war 1949 als Teil einer Ausstellung von Werken der Bombay Progressive Artists’ Group zu sehen, ein informelles Kollektiv, dem Khanna später beitreten sollte. Er schloss sich dem Bemühen der Gruppe an, mittels einer modernen Ästhetik die Hoffnungen und Befürchtungen des unabhängigen Indien zu beschreiben. News of Gandhiji’s Death etwa bedient sich einer malerischen Technik, um modernistische Verzerrungen von Perspektive, Farbe und Figur zu definieren, bewahrt aber zugleich Klarheit und Präzision, indem es die angespannte und zunehmend gespaltene indische Bevölkerung schildert.

Gemma Sharpe

Biografie von Krishen Khanna

  • Geboren 1925 in Lyallpur (heute Faisalabad), Britisch-Indien

Krishen Khanna ist als Künstler weitgehend Autodidakt. Von 1938 bis 1942 besuchte er das Imperial Service College im englischen Windsor und von 1942 bis 1944 das Government College in Lahore. Er begann seine Laufbahn als Bankangestellter und zog nach der Teilung Britisch-Indiens 1947 nach Shimla. 

Schließlich ließ er sich in Bombay nieder und nahm Kontakt zur Progressive Artists’ Group auf, die ihn 1949 zum Beitritt einlud. 1955 hatte er seine erste Einzelausstellung beim United States Information Service (USIS) in Madras. International bekannt wurde Khanna durch seine figurativen Gemälde mit expressivem Pinselduktus, üppiger Linienführung und energiegeladenen Farben. Immer wieder stellte er biblische Motive dar, porträtierte Musiker, schilderte alltägliche Begebenheiten und bedeutende Ereignisse der indischen Geschichte auf direkte, symbolträchtige Weise. 

Khanna nahm an den Biennalen von Tokio (1957 und 1961), São Paulo (1960), Venedig (1962) und Havanna (1991) teil. 1962 erhielt er als erster indischer Künstler ein Stipendium der Rockefeller Foundation. Im selben Jahr reiste er nach Japan. Die Jahre 1963 und 1964 verbrachte er in Washington, D. C., und in New York. 1990 wurde er mit dem Padma Shri, einem Preis der indischen Regierung, ausgezeichnet.