Yōsuke Yamahata

Nagasaki Journey from “Family of Man” series (Reise nach Nagasaki aus der Serie “Family of Man”)

Yamahata Nagasaki Journey Courtesy Galerie Daniel Blau 3824 1500 - © Yōsuke Yamahata
  • Yōsuke Yamahata
  • Nagasaki Journey from “Family of Man” series (Reise nach Nagasaki aus der Serie “Family of Man”)
  • 1945
  • Silbergelatine-Abzüge
  • Courtesy Daniel Blau - © Yōsuke Yamahata

Die Fotoserie Nagasaki Journey, von der diese neunzehn Bilder nur eine kleine Auswahl bilden, ist eines der seltenen Zeugnisse der unmittelbaren Folgen des Atombombenabwurfs über Nagasaki am 9. August 1945. Diese Aufnahmen, die nur vierundzwanzig Stunden nach der Explosion der Bombe entstanden, schildern auf eindrucksvolle Weise das Ausmaß der Tragödie. Der Militärfotograf Yōsuke Yamahata wurde zusammen mit dem Maler Eiji Yamada und dem Schriftsteller Jun Higashi in die Stadt geschickt, um die Szenerie für potenzielle Propagandazwecke der japanischen Regierung zu dokumentieren. Stattdessen blieben die Bilder lange Zeit, bis zum Ende der von den Amerikanern verhängten Pressecodes  der Besatzungszeit, der die Diskussion und die Publikation von Informationen über die Bedeutung der Bombe untersagte, unveröffentlicht.

Die hier gezeigten Bilder der Serie Nagasaki Journey (1945) dokumentieren, wie der Fotograf durch die Ruinen der Stadt streifte und die Wirkung der Bombe auf die Menschen, Gebäude und Landschaft festhielt. Die fulminante Schönheit einzelner Aufnahmen wie etwa die des Schattenrisses der Brücke und des Baums vor einer Kulisse aus Rauch steht in scharfem Gegensatz zu den Bildern von Schmerz, Leiden und Tod. Am überwältigendsten ist die völlige Trostlosigkeit, die mit dem durch Yamahatas Augen wahrgenommenen, sich schrittweise entfaltenden Grauen einhergeht. Im Gegensatz zu dem zur Ikone gewordenen Atompilz besitzen diese Bilder von den Auswirkungen der Bombe eine auf schmerzliche Weise menschliche Dimension.

Caroline Wallace

Biografie von Yōsuke Yamahata

  • Geboren 1917 in Singapur
  • Gestorben 1966 in Tokio, Japan

Yōsuke Yamahata ist vor allem bekannt für seine Fotografien von Nagasaki, die am 10. August 1945, einen Tag nach der Bombardierung der Stadt durch die US-Luftwaffe am Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden. 

Er studierte zunächst an der Hosei-Universität in Tokio, brach sein Studium jedoch 1936 ab, um im fotografischen Betrieb seines Vaters, G. T. Sun (Graphic Times Sun), zu arbeiten. Während des Zweiten Weltkriegs war Yōsuke Yamahata als japanischer Militärfotograf in China und anderen Ländern Asiens tätig. 

Nach dem Atombombenabwurf auf Nagasaki am 9. August 1945 wurde er in die Stadt geschickt, um die Folgen der Bombardierung festzuhalten. Innerhalb von zwölf Stunden machte Yōsuke Yamahata fast 120 Aufnahmen von der zerstörten Landschaft und den Überlebenden der Stadt; es ist die umfangreichste zeitnahe fotografische Dokumentation von Nagasaki oder Hiroshima durch einen einzelnen Fotografen. 

Seine Aufnahmen erschienen in der japanischen Zeitschrift Mainichi Shibun, doch aufgrund der Nachkriegszensur fanden sie erst ab 1952 weitere Verbreitung, durch die Zeitschriften Life und Asahi Gurafu, das Buch Kiroku-shashin: Genbaku no Nagasaki sowie die Ausstellung und den Katalog Family of Man (1955). 1965, genau zwanzig Jahre nachdem er der Verstrahlung in Nagasaki ausgesetzt war, erkrankte er unheilbar an Krebs.