Affandi

Mexico, Mother and Child (Mexiko, Mutter und Kind)

Affandi Pengemis Cirebon Beggar In Cirebon Lippo Group Collection 1500
  • Affandi
  • Mexico, Mother and Child (Mexiko, Mutter und Kind)
  • 1962
  • Öl auf Leinwand
  • 119 × 99 cm
  • Collection of Museum Lippo

Zwischen 1950 und 1962 unternahm Affandi immer wieder ausgedehnte Reisen und verbrachte mehr Zeit im Ausland als in seiner Heimat Java. Seine Reisen führten ihn nach Asien, Europa, Nord- und Südamerika sowie Australien, wo er nicht nur Land und Leute erkundete, sondern auch malte und seine Werke ausstellte. Dabei faszinierte ihn vor allem, wie die Menschen an Orten lebten, die von einer ganz anderen Kultur geprägt waren, als er sie in Indonesien vorgefunden hätte. Während er von Stadt zu Stadt reiste, entstanden Skizze um Skizze, Bild um Bild. So wurde der Künstler nicht nur zum Reisenden in geografischem, sondern auch in kulturellem Sinn. Mexico, Mother and Child (1962) ist ein anschauliches Beispiel für die kosmopolitische Wissbegier des Künstlers. Ähnlich wie bei seinem Gemälde Pengemis Cirebon (Bettler in Cirebon) aus dem Jahr 1960 (das ebenfalls in dieser Ausstellung zu sehen ist), hat er die Farbe hier in expressionistischer Manier „direkt aus der Tube“ aufgetragen, eine Technik, die einen noch unmittelbareren Kontakt mit der Leinwand ermöglicht. Wie bei Pengemis Cirebon sind es unverkennbar die im Titel genannten Figuren, um die das Werk kreist. In welcher Beziehung Mutter und Kind zum Rest der Komposition stehen, bleibt hier allerdings etwas im Vagen. Die Mienen der Figuren rings um die Mutter wirken weder wirklich bedrohlich noch wirklich wohlwollend. Vielmehr wechselt sich neugieriges Anstarren mit vollkommener Gleichgültigkeit der Frau gegenüber ab. Als jemand, der zu diesem Zeitpunkt seit mehr als einem Jahrzehnt vorwiegend auf Reisen gewesen war, fühlte sich Affandi dieser umherziehenden Mutter und ihrem Kind ohne Zweifel verbunden, war er doch selbst ein durchreisender Fremder in einem fremden Land.

Damian Lentini

Biografie von Affandi

  • Geboren 1907 in Cirebon, Java

Affandi war als Künstler ein Autodidakt, gilt unter den Vertretern der indonesischen Moderne jedoch als Führungsgestalt. Sein expressionistischer Malstil, den er ab den 1950er-Jahren pflegte, machte ihn bekannt: Er drückte die Farbe direkt aus der Tube auf die Leinwand oder verstrich sie mit den Fingern zu wirbelnden Linien. Seine Frühwerke aus den 1930er- und 1940er-Jahren hingegen waren eher impressionistisch. Affandis Sujets basierten immer auf der Realität. Als Jugendlicher malte er seine Familie und sein direktes Umfeld, später hielt er Eindrücke von seinen Reisen durch Indonesien und rund um die Welt fest. In den 1930er-Jahren wurde Affandi in die Kelompok Lima Bandung (die Fünfergruppe von Bandung) aufgenommen. Zur Zeit des indonesischen Unabhängigkeitskriegs in den 1940er-Jahren war er Mitglied unterschiedlicher Künstlervereinigungen, u.a. der Seniman Masyarakat (Peoples Artists Association) und der Gabungan Pelukis Indonesia (indonesische Malervereinigung), und unterstützte den Kampf gegen die niederländische Besatzungsmacht. Internationale Anerkennung erlangte Affandi, als er Indonesien 1954 auf der Biennale von Venedig repräsentierte (wo er mit einem Preis ausgezeichnet wurde) und 1956 auf der Biennale von São Paulo vertrat. Später wurde er mit namhaften Preisen und Lehraufträgen in den Vereinigten Staaten und in Indonesien geehrt.