Enrico Baj

Manifesto Nucleare BUM

Baj Bum Manifesto Collection Roberta Cerini Bajfrei 1500
  • Enrico Baj
  • Manifesto Nucleare BUM
  • 1951
  • Firnis und Acryl auf Leinwand
  • 104 × 94 × 3,6 cm
  • Privatbesitz

Enrico Baj malte Manifesto Nucleare BUM (1951) für eine „Atomkunst“-Ausstellung in der Mailänder Galerie Amici della Francia. Das Gemälde zeigt einen schwarzen, vor einem schmutziggelben Hintergrund aufsteigenden Atompilz – in den Farben der Strahlenwarnzeichen, wie sie in den ersten zehn Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gebräuchlich waren –, der mit verschiedenen Formeln und Slogans wie „Die Köpfe der Menschen sind mit Sprengstoff geladen / jedes Atom explodiert“, „Gedanke = Kraft / Kräfte sind elektrische Ladungen“, „Formen lösen sich auf. Die neuen Formen des Menschen sind die des atomaren Universums“ und „alles = elektrische Ladung“. Den Idealen der sogenannten „Nuklearkunst“ entsprechend wich das Manifesto BUM bewusst von dem zukunftsorientierten, positiven Programm ab, das für einen großen Teil der abstrakten Kunst der 1950er-Jahre kennzeichnend war, und versuchte stattdessen, das darzustellen, was Baj als das „tragische Menschenbild“ bezeichnete: die schwierigen psychologischen Faktoren, die das Atomzeitalter mit sich brachte. Wie die Slogans, die sich durch das Werk ziehen, zeigen, waren die physischen und psychischen Gegebenheiten des Atomzeitalters tatsächlich miteinander verwoben. Die bis dahin geheimnisvolle Welt der Atomphysik und der Nuklearwaffen – und ihre positiven und negativen Folgen – sollten die gesellschaftlichen und politischen Diskussionen über Jahre immer wieder beherrschen. Das transzendentale Potenzial der Raumfahrt und der Atomkraft sollte von einer Welt konterkariert werden, in der die atomare Zerstörung und die radioaktive Kontamination allgegenwärtig waren.

Damian Lentini

Biografie von Enrico Baj

  • Geboren 1924 in Mailand, Italien
  • Gestorben 2003 in Vergiate, Italien

Enrico Baj war eine Schlüsselfigur der italienischen Avantgarde. Er stand Dada, dem Surrealismus und dem Informel nahe und pflegte Kontakte zur Künstlergruppe CoBrA. Zusammen mit Sergio Dangelo (* 1932) gründete er 1951 die Gruppe Movimento Nucleare. Baj kritisierte den italienischen Faschismus und floh 1944 nach Genf, um der Wehrpflicht zu entgehen. Nach dem Krieg kehrte er nach Mailand zurück und setzte sein 1938 an der Accademia di Belle Arti di Brera begonnenes Studium fort. Außerdem schrieb er sich an der juristischen Fakultät der Mailänder Universität ein. An der Kunsthochschule begegnete er dem Abstrakten Expressionismus. 1955 begann er, aus Bändern, gemusterten Stoffen und Tapeten, Armeeorden und Möbelteilen satirisch-kitschige Collagen zu fertigen.
Am bekanntesten sind seine vor Sarkasmus nur so triefenden Generali (Generäle), eine Reihe grotesk überzeichneter Militärs, die mit allerlei objets trouvés ausgestattet sind. 1960 wurden Werke Bajs erstmals in New York gezeigt: in der von Marcel Duchamp (1887–1968) und André Breton (1896–1966) kuratierten Ausstellung Surrealist Intrusion in the Enchanters’ Domain bei D’Arcy Galleries. 1965 entstand Bajs Homage to Marcel Duchamp – eine Neufassung der Mona Lisa mit dem Konterfei Duchamps. 1961 war Baj in der Ausstellung The Art of Assemblage im Museum of Modern Art in New York vertreten; 1964 nahm er an der Biennale von Venedig teil.