Maqbool Fida Husain

Man (Mann)

Husain Man Peabody Essex Museum 1500 - © Peabody Essex Museum, Salem, Massachusetts, USA Gift of the Chester and Davida Herwitz Collection, 2001 E301146
  • Maqbool Fida Husain
  • Man (Mann)
  • 1951
  • Holz, Metall, Masonit, Öl
  • 126,4 x 248,9 x 1 cm
  • Peabody Essex Museum, Salem, Massachusetts, USA Gift of the Chester and Davida Herwitz Collection, 2001 E301146 - © Peabody Essex Museum, Salem, Massachusetts, USA Gift of the Chester and Davida Herwitz Collection, 2001 E301146

Maqbool Fida Husain bedient sich bei Man (1951), einem durch seinen Modernismus hoffnungsvollen und angesichts seine Dekonstruktion der menschlichen Figur kühnen Werk, eines postkubistischen Stils, um eine von Chaos umgebene, heroische philosophische Figur zu schildern. Husain, ein muslimischer Künstler im mehrheitlich hinduistischen Indien, malte ursprünglich großflächige Reklametafeln für Bollywood-Filme. Wie viele kommerzielle Künstler trug er bei Man aus praktischen Gründen mehrere Farbschichten auf, wobei er mit diversen Grundierungen begann und das Bild dann mittels mehrerer, sich einander überlagernder Deckschichten gestaltete. Zugleich nimmt dieses Gemälde, allerdings in verkleinertem Maßstab, auch auf die gewaltigen Ausmaße von Billboards Bezug. Husain war ein führendes Mitglied der Bombay Progressive Artists’ Group, deren Ziel es war, eine entschieden indische Avantgarde ins Leben zu rufen, die auf dem europäischen Modernismus beruhte, aber international Ambitionen hatte. In diesem Werk verwendet er Ikonenen der indischen Bildsprache, in denen sich der Jubel, aber auch die Unsicherheit des seit Kurzem unabhängigen Indien spiegelt.

Husain bezieht hier maskierte, tanzende, volkstümliche Figuren, weibliche Akte und das Motiv der heiligen Kuh in seine Darstellung ein. Außer in Schwarz ist das Gemälde vor allem in den Farben der indischen Nationalflagge gehalten. Die geduckt und nachdenklich dasitzende heroische Gestalt der zentralen Figur, die ein Gemälde zweier nackter Frauen zu halten scheint, ist möglicherweise eine Inkarnation von Husain selbst. Während die Figuren in seiner Umgebung durch geschäftiges Treiben gekennzeichnet sind, lassen ihre rechtwinkeligen Ränder an Leinwände im Atelier eines Künstlers denken. Inmitten des Chaos des neuen Indiens oder des kontrollierten Durcheinanders seines Ateliers blickt Husains Denker gedankenvoll nach draußen.

Gemma Sharpe

Biografie von Maqbool Fida Husain

  • Geboren 1915 in Pandharpur, Indien
  • Gestorben 2011 in London, Vereinigtes Königreich

Maqbool Fida Husain, einer der bekanntesten modernen Künstler Indiens, ließ sich bei seinen narrativen Gemälden von verschiedenen Quellen der indischen Kultur inspirieren, etwa von Gestalten des Hinduismus und anderer Religionen, von der Farbenpracht und der Lebendigkeit der Feste, von historischen Ereignissen, vom Tanz und vom Alltag seiner Zeitgenossen. 

In Baroda erlernte er die Kunst der Kalligrafie, war aber in erster Linie Autodidakt. 1935 begann er, Filmplakate für Bollywood-Filme zu malen. 1947 veranstaltete er in der Bombay Art Society seine erste Ausstellung. Im selben Jahr, nach der Teilung von Indien und Pakistan, gründete er die Progressive Artists Group mit. 

In den frühen 1950er-Jahren reiste Husain nach Europa, wo man ihm 1952 in Zürich eine Einzelausstellung widmete. Nachhaltig beeinflusst wurde er durch die Begegnung mit Paul Klee (1879–1940) und anderen Meistern des Kubismus. Sein Kurzfilm Through the Eyes of a Painter wurde bei der Berlinale 1967 mit einem Goldenen Bären ausgezeichnet. 1971 war er – gemeinsam mit Pablo Picasso (1881–1973) – Ehrengast der Biennale von São Paulo. 

Husain wurde mit den Staatspreisen Padma Shri (1966), Padma Bhushan (1973) und Padma Vibhushan (1991) ausgezeichnet, stieß in Indien mit seinen satirischen Darstellungen religiöser Gestalten jedoch auch auf Kritik. Todesdrohungen und von hinduistischen Extremisten angestrengte Prozesse veranlassten den Künstler im Jahr 2006, Indien ein für alle Mal den Rücken zu kehren.