Ruth Schloss

Ma’abarah (Lager der neuen Immigranten)

Schloss In The Ma‘Abarah New Immigrants‘ Camp Mishkan Museum Of Art Ein Harod 1500 - © Museum of Art, Ein Harod, Israel . Photo: Ran Erda
  • Ruth Schloss
  • Ma’abarah (Lager der neuen Immigranten)
  • 1953
  • Öl auf Leinwand
  • 81 × 60 cm
  • Mishkan Léomanut, Museum of Art, Ein-Harod - © Museum of Art, Ein Harod, Israel . Photo: Ran Erda

1937 zog die junge Ruth Schloss aus Nürnberg nach Kfar Shmaryahu, in die Region, die 1948 der Staat Israel werden sollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Gründung des neuen jüdischen Heimatlandes wurden Zeltlager wie das auf diesem Gemälde dargestellte ma’abarah eingerichtet, um Hunderttausende von Flüchtlingen und neuen Zuwanderern unterzubringen. Mit der niedrig stehenden, heißen Sonne und den dramatischen Linien der Zelte und Lichtmasten veranschaulicht Schloss’ Gemälde Ma‘abarah (1953) den generell überfüllten Zustand der Lager. 

Schloss’ frühere Werke waren vom sozialen Realismus gekennzeichnet und wurden von der künstlerischen Zusammenarbeit im Kibbutz und ihrem Engagement für die Darstellung politischer Anliegen und menschlichen Leids inspiriert. Das Bild Ma‘abarah folgt diesem Stil, aber in einem abstrahierten Raum. Dieses nach Schloss’ Studium an der Académie de la Grande Chaumière in Paris (1949–1951) entstandene Gemälde spiegelt den locker kubistischen Stil, den sie dort entwickelte, wider. Im Vordergrund rufen ein großes Zelt und ein Gewirr von Formen eine klaustrophobische, nahezu beklemmende Wirkung hervor, die das Auge des Betrachters daran hindert, die Lagerlandschaft frei zu erkunden. Doch durch die Wahl eines hohen Blickwinkels stellt Schloss sicher, dass die Betrachter über dieses Hindernis hinweg weit in die Ferne blicken können. Ein rechteckiger Bereich in der Mitte der Leinwand, der die im Übrigen verbrannte und trübe Palette unterbricht, scheint in einem übernatürlichen Licht zu glühen. Unter den drei Figuren, die hier durch das Licht spazieren, sind auch eine Mutter und ein Kind – ein eindringlicher Hinweis auf die Themen Verwundbarkeit und Zuneigung, die Schloss’ Werke der 1950er-Jahre kennzeichneten.

Gemma Sharpe

Biografie von Ruth Schloss

  • Geboren 1922 in Nürnberg, Deutschland (damals Deutsches Reich)
  • Gestorben 2013 in Kfar Schmarjahu, Israel

Ruth Schloss emigrierte mit ihrer Familie 1937 nach Palästina und besuchte von 1938 bis 1942 die Bezalel School of Arts and Crafts in Jerusalem. Nach ihrem Abschluss illustrierte sie für den Verlag Sifriat Poalim Bücher für Erwachsene und Kinder. 

Sie gehörte niemals einer bestimmten Schule oder Bewegung an, doch wird ihr Werk meist dem sozialkritischen Realismus zugeordnet. Anders als viele Vertreter dieser Stilrichtung jedoch beschäftigte sie sich mit der Fragilität und der Einsamkeit des Individuums. 

In späterer Zeit wurden ihre Arbeiten in den Kontext feministischer Kunst gestellt. Obwohl sie keinen Kontakt zu Künstlerkollegen hatte und öffentlich kaum präsent war, arbeitete sie sehr diszipliniert und schuf im Laufe von sieben Jahrzehnten ein großes Œuvre. 

Von 1949 bis 1951 studierte sie an der Académie de la Grande Chaumière in Paris. Anschließend verbrachte sie eine Zeit lang in einem Kibbuz, den sie aber wegen ihrer sozialistischen Gesinnung wieder verlassen musste. 1953 kehrte sie in ihr Elternhaus in Kfar Schmarjahu zurück, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. 

Von 1960 bis in die 1980er-Jahre unterhielt sie ein Atelier in Jaffa. Sie beteiligte sich an Gruppenausstellungen im Tel Aviv Museum of Art und im Israel Museum in Jerusalem. 1991 richtete das Herzliya Museum of Contemporary Art die erste Retrospektive ihres Werkes aus.