John Latham

Little Red Mountain (Kleiner Roter Berg)

Latham Little Red Mountain Lisson Gallery 1500 - © The John Latham Foundation, Courtesy Lisson Gallery. Photography: Ken Adlard
  • John Latham
  • Little Red Mountain (Kleiner Roter Berg)
  • 1959
  • Bücher, Gips, Draht, Sockel aus Holz
  • 132 x 64 x 64 cm
  • Courtesy the Artist and Lisson Gallery - © The John Latham Foundation, Courtesy Lisson Gallery. Photography: Ken Adlard

John Lathams Werke setzen sich oft mit Büchern auseinander. In Little Red Mountain (1960–1962) platziert der Künstler einen Bücherhaufen auf einem sowohl wörtlichen als auch metaphorischen Podest und zerstört ihn. Jedes der Bücher in diesem Miniaturberg gleicht einer gefährlichen Felsklippe. Auch wenn die Farbe Rot in den Nachkriegs-Jahrzehnten automatisch den Kommunismus symbolisierte, spielt der Titel Little Red Mountain jedoch zugleich auf der Vergangenheitsform des englischen Verbs »to read« (lesen) an und betont somit den obsoleten Charakter dieser Bücher.

Gemma Sharpe

Biografie von John Latham

  • Geboren 1921 in Livingstone, Nordrhodesien (heute Sambia)
  • Gestorben 2006 in London, Vereinigtes Königreich

Der rhodesisch-britische Künstler John Latham studierte in der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre an der Chelsea Art School in London. Er ist als Konzeptkünstler am bekanntesten, widmete sich aber auch der Bildhauerei, der Malerei (mit Sprühfarbe) sowie der Video- und Filmkunst. 

Latham entwickelte eine eigene Philosophie der Zeit und unterzog die religiösen und akademischen Wissenssysteme einer kritischen Prüfung. 1958 begann er aus zerrissenen, teilweise verbrannten, übermalten oder anderweitig beschädigten Büchern Assemblagen zu fertigen. 

Sein Skoob-Projekt (von „Books“, rückwärts buchstabiert) – eine Aktion an der Saint Martins School of Art, wo er als Dozent tätig war – machte ihn 1966 schlagartig bekannt: Er lud seine Studenten zur Teilnahme an einer Art rituellen Zeremonie ein, die darin bestand, einzelne Seiten des von dem Kunstkritiker Clement Greenberg verfassten Buchs Art and Culture zu kauen und wieder auszuspucken. Die Überreste füllte er dann in ein Fläschchen und stellte sie zurück in die Bibliothek. 1966 gründete Latham mit seiner Frau Barbara Stevini die Artist Placement Group.