Andrzej Wróblewski

Liquidation of the Ghetto/Blue Chauffeur (Liquidierung des Ghettos/ Blauer Chauffeur)

Wróblewski Blue Chauffeur Private Collection 1500
  • Andrzej Wróblewski
  • Liquidation of the Ghetto/Blue Chauffeur (Liquidierung des Ghettos/ Blauer Chauffeur)
  • 1948
  • Öl auf Leinwand
  • 89 x 120 cm
  • Privatsammlung. By Courtesy of Andrzej Wróblewski Foundation

Liquidation of the Ghetto/Blue Chauffeur (1948) und Execution with Gestapo Man (1949) stehen beispielhaft für das ganz individuelle malerische Idiom, das Andrzej Wróblewski nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte. Wróblewski unterstützte zunächst die Kommunisten in Polen und machte sich viele Lehrsätze des Sozialistischen Realismus zu eigen. Obwohl er zu Beginn seiner Karriere die abstrakte Malerei erkundet hatte, sagte er sich letztlich von ihr los, als die Kommunisten 1948 die Macht übernahmen, und schuf häufig neue Kompositionen auf der Rückseite früherer Werke. Seine beidseitig bemalten Leinwände, darunter Liquidation of the Ghetto/Blue Chauffeur, spiegeln die Komplexität und die Widersprüche jener Zeit wider, in der die Hoffnung auf die Zukunft durch die Zerstörung in der jüngsten Vergangenheit gedämpft wurde. Die eine Seite zeigt eine rückwärtige Ansicht eines einsamen Fahrers auf einer leeren Landstraße, ein wiederkehrendes Motiv, das ein Gefühl überwältigender Vereinzelung vermittelt und zugleich die Möglichkeit sozialen Fortschritts nahelegt. Auch wenn das Gemälde auf der Rückseite mit einer Kriegsszene ein typischeres realistisches Sujet zeigt, reflektiert der Stil Wróblewskis ganz eigene Interpretation dieser Ästhetik. Hier betonte er die Brutalität des Geschehens durch figürliche Verzerrungen und bediente sich einer blauen Palette, um den Tod zu versinnbildlichen.

Rachel Wetzler

Biografie von Andrzej Wróblewski

  • Geboren 1927 in Vilnius, Litauen
  • Gestorben 1957 in Tatra-Gebirge, Polen

Andrzej Wróblewski gilt mit seinem unverwechselbaren realistischen Stil als einer der bedeutendsten polnischen Künstler der Nachkriegszeit. Nach dem Krieg zog er nach Krakau und studierte an der Jagiellonen-Universität Kunstgeschichte (1945–1948) sowie an der Kunstakademie (1945–1952). 

Schon als Student sprach er sich gegen die Stilrichtung des Kapismus (Polnischer Kolorismus) aus, der damals in akademischen Kreisen vorherrschend war. Auf der Suche nach einem persönlichen, nicht von Ideologien belasteten Stil gründete er 1948 an der Krakauer Kunstakademie eine Schule für Autodidakten. 

Seine Ölbilder und Gouachen vereinen surrealistische und abstrakte Elemente sowie geometrische, stilisierte Formen. In den späten 1940er-Jahren arbeitete er vor allem an der Serie Hinrichtungen, die die Grausamkeiten während der deutschen Besatzung Polens thematisiert. 

In dieser Zeit trat er auch als Kritiker und Theoretiker hervor und veröffentlichte knapp achtzig Artikel über Kunst und Literatur. Oftmals bemalte er die Leinwand auf beiden Seiten und schuf so provokante, häufig auch widersprüchliche Bildpaare. 

In den frühen 1950er-Jahren wandte er sich für kurze Zeit dem Sozialistischen Realismus zu, und ab 1955 wurde die Familie sein bevorzugtes Sujet. Wróblewski kam mit 29 Jahren bei einem Unfall in den Bergen ums Leben.