Vladimír Boudník

Krajina (Landschaft)

Boudník Kragina National Gallery In Prague 1500 - © 2016 National Gallery in Prague
  • Vladimír Boudník
  • Krajina (Landschaft)
  • 1960
  • Mischtechnik, Papier
  • 26 x 48 cm
  • Národní galerie v Praze (National Gallery in Prague) - © 2016 National Gallery in Prague

In den späten 1950er-Jahren entwickelte Vladimír Boudník mehrere neuartige Drucktechniken, die er als "aktive" und "strukturale" Grafiken bezeichnete. Diese gingen auf seine Theorie des "Explosionalismus" zurück, welche auf Prinzipien basierte, die er in mehreren Manifesten darlegte, dessen erstes 1949 entstand. Boudník glaubte, dass jeder Mensch zu kreativem Ausdruck fähig und seine Entfesselung der Schlüssel zur Wiederherstellung und Einigung der Menschheit nach dem Zweiten Weltkrieg sei. Der Zweck der Kunst bestand aus seiner Sicht darin, im Betrachter eine »Explosion« der Vorstellungskraft auszulösen.

Obwohl Boudník eine formale Ausbildung als Drucker durchlief, war sein Ansatz über weite Strecken unvereinbar mit dem künstlerischen Klima in der kommunistischen Tschechoslowakei, sodass er einen großen Teil seiner Laufbahn als Arbeiter in einer Fabrik zubrachte. Doch Boudník machte sich sowohl dieses Umfeld als auch die ärmlichen Materialien, die er in der Fabrik vorfand, zu eigen, da er die Unterscheidung von schöner Kunst und Alltagskreativität für künstlich hielt. Mit vom Boden aufgelesenen Abfällen wie Holz, Metallsplittern, Staub, Stoff und Fäden stellte er seine eigenen, improvisierten Druckplatten her, indem er diese gefundenen Materialien in die Matrix einbezog und so abstrakte Kompositionen mit eindrucksvollen, abwechslungsreichen Oberflächenstrukturen schuf. Bereits in den späten 1940er-Jahren hatte Boudník damit begonnen, bei seinen öffentlichen Aktionen in den Straßen von Prag mit diesen Techniken zu experimentieren. Mit ihren groben, unregelmäßigen Formen und ihrer erdigen Palette aus Braun-, Grün- und Rottönen lassen Boudníks Druckgrafiken häufig an ursprüngliche, organische Materie denken. In den beiden Werken mit dem Titel Krajina (Landschaft) (1960) etwa wird die Komposition von zentralen rötlich-braunen Bereichen beherrscht, die an einen Blick aus der Distanz auf eine Landmasse aus der Vogelschau erinnert.

Rachel Wetzler

Biografie von Vladimír Boudník

  • Geboren 1924 in Prag, Tschechoslowakische Republik
  • Gestorben 1968 in Prag, Tschechoslowakische Republik

Vladmír Boudník war im Zweiten Weltkrieg in einem deutschen Zwangsarbeitslager interniert. Von 1945 bis 1949 studierte er Druckgrafik in Prag und avancierte anschließend zu einem einflussreichen Vertreter der tschechischen Nachkriegskunst. Zwischen Ende der 1940er- und Ende der 1950er-Jahre leistete er Pionierarbeit für die Aktionskunst; in den 1960er-Jahren ließ er psychisch Kranke an seinen Werken mitwirken.

Er war Begründer und Hauptrepräsentant des Explosionalismus und formulierte die Grundsätze der Bewegung in einer Reihe von Manifesten. In den 1950er- und 1960er-Jahren entwickelte er experimentelle Drucktechniken, die von seinen Erfahrungen als Arbeiter in unterschiedlichen Fabriken während des Kriegs und danach beeinflusst waren, so z.B. die „Aktive Grafik“ (ab 1954). Hierbei behandelte er Duraluminium mit Industriewerkzeugen und -materialien (wie Nägeln, Metallstücken oder Planscheiben) oder verbrannte es mit einem Schweißbrenner. Seine „Strukturale Grafik“ (ab 1959) bestand aus Materialien wie Sand, Stoffstücken oder Schmirgelpapier, die auf dem Bildträger befestigt wurden.

Mit diesen neu entwickelten Techniken komponierte Boudník kraftvolle Werke in unterschiedlichen Farben und begrenzter Auflage. Nach dem Krieg freundete er sich mit dem Schriftsteller Bohumil Hrabal (1914–1997) an, der im gleichen Stahlwerk arbeitete und ihn in mehreren seiner Romane verewigte.