Almir Mavignier

Konvex-Konkav II

Mavignier Konvex Konkav Ii Collection Of The Artist 1500 - © Almir Mavignier
  • Almir Mavignier
  • Konvex-Konkav II
  • 1962
  • Öl auf Leinwand
  • 151 × 110 × 5 cm
  • Courtesy Almir Mavignier - © Almir Mavignier

Almir Mavignier, ursprünglich in Rio de Janeiro beheimatet, ließ sich in den 1950er-Jahren in Deutschland nieder und studierte als einer der ersten Studenten der neuen Hochschule für Gestaltung in Ulm bei Max Bill (1908–1994) und Josef Albers (1888–1976). Geprägt von seiner Ausbildung in den Fächern Design und visuelle Kommunikation verfolgte Mavignier innerhalb der geometrischen Abstraktion einen streng analytischen Ansatz und schuf so Gemälde und Druckgrafiken mit schwindelerregenden optischen Effekten. Er hatte Kontakt zu ZERO, einer losen Gruppierung internationaler Künstler, die um diese Zeit in Deutschland in Erscheinung trat, und er erkannte die Geistesverwandtschaft zwischen seinem eigenen Werk und dem anderer Mitglieder dieser Gruppe, die ebenfalls quer durch Europa und die Vereinigten Staaten kinetische und optische Kunst erkundeten. 1960 besuchte der Künstler Zagreb, wo er und der kroatische Kunsthistoriker und Kurator Matko Meštrović die erste internationale New Tendencies- Ausstellung organisierten. Die Schau, schrieb Mavignier später, verweist auf „eine internationale Bewegung, innerhalb derer die Kunst ein neues Konzept präsentiert, das mit der optischen Erforschung von Oberfläche, Struktur und Objekten experimentiert“. 

Konvex-Konkav II (1962) ist eines von Mavigniers „dot paintings“, mit deren Herstellung er 1954 begann. Dabei verwendete er ein Spezialinstrument, um über die Leinwand verteilte Muster erhabener Farbpunkte aufzutragen, die die Illusion einer vibrierenden Oberfläche erzeugen. In diesem Bild erscheinen zwei rechteckige Arrangements weißer Punkte auf schwarzem Grund durch die unterschiedliche Abstufung der Größe und Dichte der Punkte abwechselnd konkav und konvex.

Rachel Wetzler

Biografie von Almir Mavignier

  • Geboren 1925 in Rio de Janeiro, Brasilien

Geometrische Abstraktion, Op-Art und Grafikdesign sind die Felder, die der brasilianische Künstler Almir da Silva Mavignier bespielt. Nachdem er 1946 bei dem aus Ungarn stammenden Maler Árpád Szenès (1897–1985) studiert hatte, schuf Mavignier 1949 seine ersten abstrakten Gemälde. 1951 wurde sein Werk in einer Einzelausstellung im Museu de Arte Moderna de São Paulo präsentiert. 

Anschließend wandte Mavignier sich der konkreten Kunst zu. Von 1953 bis 1958 studierte er an der Ulmer Hochschule für Gestaltung bei Josef Albers, Max Bense und Max Bill. 1954 entstanden seine Punktrasterbilder, die optisch zu vibrieren scheinen und ihm zum Durchbruch verhalfen. 

1958 lebte er in Paris und schloss sich der radikalen Künstlergruppe ZERO an, die sich zugunsten ephemerer Spektakel und unkonventioneller Materialien von Farbe und Expressivität lossagte. 1961 organisierte Mavignier zusammen mit dem Kunsthistoriker Marko Meštrović und Božo Bek, dem Direktor des Museums für Zeitgenössische Kunst, in Zagreb die Ausstellung Nove Tendencije – die erste Ausstellung postinformeller Kunst in Jugoslawien. 

Werke Mavigniers waren auf der Biennale von Venedig (1964), auf der documenta 3 (1964) und 4 (1968) und 1965 im Rahmen der Ausstellung The Responsive Eye zu sehen, die das Museum of Modern Art in New York zur kinetischen Kunst und Op-Art präsentierte. Von 1965 bis 1990 lehrte er an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg.