Alina Szapocznikow

Hand. Monument to the Heroes of the Warsaw Ghetto II (Hand. Denkmal für die Helden des Warschauer Gettos)

Szapocznikow Hand The Estate Of Alina Szapocznikow 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: Fabrice Gousset
  • Alina Szapocznikow
  • Hand. Monument to the Heroes of the Warsaw Ghetto II (Hand. Denkmal für die Helden des Warschauer Gettos)
  • 1957
  • Gips patiniert, Eisenspäne
  • 144,5 x 73 cm
  • Courtesy the Estate of Alina Szapocznikow/ Piotr Stanislawski/ Galerie Loevenbruck, Paris - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: Fabrice Gousset

Als Tochter eines jüdischen Ärztepaars hatte Alina Szapocznikow die Schrecken des Krieges unmittelbar miterlebt. Als Jugendliche wurde sie während der deutschen Besetzung Polens mit ihrer Familie in die Gettos von Pabianice und Łódź geschickt. Später brachte man sie und ihre Angehörigen in verschiedene Konzentrationslager, und diese entsetzlichen Erfahrungen spiegeln sich in ihrem Werk. Nach dem Krieg studierte Szapocznikow in Prag und Paris und kehrte anschließend in ihre Heimat Polen zurück, wo sie mehrere prestigeträchtige Aufträge für Werke erhielt, die in einem konventionelleren, sich dem Sozialistischen Realismus nähernden Stil ausgeführt sind. Als ein programmatischer Ansatz in der öffentlichen Kunst nach dem Tod Josef Stalins 1953 weniger zwingend war, begann Szapocznikow die affirmative, heroische Sprache der Kunst des Sozialistischen Realismus infrage zu stellen, indem sie ungewöhnliche Materialien und skulpturale Techniken in ihr Werk einbezog und neue Arten der Körperdarstellung mit einer expressiven Handhabung von Oberfläche und Textur ausprobierte.

In den späten 1950er-Jahren begann Szapocznikow das Konzept des verzerrten und fragmentierten Körpers zu erkunden. Hand. Monument to the Heroes of the Warsaw Ghetto II (Hand. Denkmal für die Helden des Warschauer Gettos) (1957) ist emblematisch für das Werk der Künstlerin in jener Zeit: die Skulptur einer massiven, ausgreifenden Hand auf einem fragil anmutenden Drahtgestell. Das Ganze erinnert an die lädierten Überreste eines ausgegrabenen Artefakts oder an den letzten Hilfeschrei eines Folteropfers. Diese Skulptur, Szapocznikows Beitrag zu einem Wettbewerb für ein Denkmal zur Erinnerung an die Helden des Aufstands im Warschauer Getto 1943 erfasst dessen Rolle als Sinnbild des Widerstands und der Tragödie in einer Stadt, die durch die Bombardierung im Zweiten Weltkrieg praktisch dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Rachel Wetzler

Biografie von Alina Szapocznikow

  • Geboren 1926 in Kalisz, Polen
  • Gestorben 1973 in Praz-Coutant, Frankreich

Die Bildhauerin Alina Szapocznikow erklärte einmal, sie suche „nach Form, nach dem bestmöglichen Ausdruck von Sinnlichkeit oder dramatischer Qualität“. 

Im Zweiten Weltkrieg war sie mehrere Jahre in Ghettos und Konzentrationslagern interniert; 1945 zog sie nach Prag, um ein Kunststudium zu beginnen. Von 1946 bis 1948 nahm sie Unterricht bei Otkar Velímsky, anschließend studierte sie an der Hochschule für Kunstgewerbe in Prag bei Josef Wagner. 

Von 1948 bis 1951 besuchte sie die École des Beaux-Arts in Paris. Anschließend kehrte sie nach Polen zurück, stürzte sich in die Arbeit und nahm an mehreren Wettbewerben zur Gestaltung öffentlicher Denkmäler teil. Szapocznikow arbeitete mit vielen traditionellen Medien, doch bekannt wurde sie durch die zukunftsweisende Verwendung von Polyester und Polyurethan. 

Ihre Internierung während des Krieges und ihre chronische Krankheit beeinflussten ihren künstlerischen Ansatz; ihre Skulpturen lassen an Surrealismus, Nouveau Réalisme und Pop-Art denken. 

Unablässig erforschte Szapocznikow den menschlichen Körper (vor allem ihren eigenen), beschäftigte sich mit seiner Vergänglichkeit und Fragilität, indem sie ihn abformte, fragmentierte, neu zusammensetzte und transformierte. 

Das Ausgangsmaterial für ihre Werke waren Abgüsse realer Körper (häufig ihres eigenen Körpers), die sie in nahezu abstrakte Skulpturen verwandelte, indem sie die Einzelteile (Gliedmaßen, Lippen, Brüste usw.) aus ihrem Kontext riss und neu arrangierte. Szapocznikow war 1962 auf der Biennale von Venedig vertreten und ließ sich ein Jahr später wieder in Paris nieder.