Ibrahim El Salahi

Funeral and the Crescent (Beerdigung und der Halbmond)

El Salahi Funeral And The Crescent Herbert F  Johnson Museum Of Art Cornell University 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photography courtesy of the Herbert F. Johnson Museum of Art, Cornell University
  • Ibrahim El Salahi
  • Funeral and the Crescent (Beerdigung und der Halbmond)
  • 1963
  • Öl auf Hartfaser
  • 101,8 cm x 94,9 cm
  • Herbert F. Johnson Museum of Art, Cornell University. Gift of Mariska Marker - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photography courtesy of the Herbert F. Johnson Museum of Art, Cornell University

Als eine für die Herausbildung modernistischer Prinzipien in Afrika zentrale Gestalt stellte Ibrahim El Salahi seine abstrahierten Figuren sowohl auf dem Kontinent als auch außerhalb Afrikas aus. Der menschliche Körper ist in El Salahis Œuvre ein häufig anzutreffendes Sujet, und jede der Figuren weist mit ihren länglichen Gesichtern und hageren Gliedmaßen die typischen Kennzeichen seines Stils auf. Mit ihrer kargen Farbpalette vermittelt das hier gezeigte Werk einen Eindruck der durch das zeitgenössische Leben verursachten Müdigkeit. Während einige Vertreter der Moderne nach universellen Wahrheiten suchten, konzentrierte sich El Salahi auf die Not des Einzelnen und den emotionalen Preis des Leidens.

Funeral and the Crescent (1963) präsentiert eine Gruppe ausgezehrter Figuren vor einem leeren Hintergrund. Mehrere Figuren mit asymmetrischen linearen Körpern und geometrisch abstrahierten Gesichtern stehen in dem untiefen Bildrahmen. Ihre Körper fungieren als Bahre für den nackten Leichnam, der totenstarr ausgestreckt daliegt. Der Einfluss des islamisch geprägten Designs lässt durch die sicher gesetzten, sinnlichen Linien und die vertikale Ausrichtung dieser beiden Kompositionen an arabische Kalligrafie denken. Ein schmaler Halbmond, ein weiteres islamisches Symbol, das sich in vielen Werken dieses Künstlers findet, hängt über der Gruppe. Der Tod lastet schwer auf der Gemeinschaft der Hinterbliebenen, leeren Blicks starren Salahis brutal behandelte Figuren vor sich hin: erschöpft, besiegt und sichtbar traumatisiert durch das, was sie erlebt haben.

Joseph Underwood

Biografie von Ibrahim El Salahi

  • Geboren 1930 in Omdurman, Sudan

Ibrahim El Salahi entwickelte ein ausgeprägtes Interesse an arabischer Kalligrafie als Kommunikationsmittel, aber auch als rein ästhetischer Form, und beschäftigte sich mit den natürlichen Farben, der Symbolik und den dekorativen Traditionen seiner Heimat. Er studierte an der School of Design des Gordon Memorial College in Khartoum (1949–1952) und erhielt 1954 ein Stipendium, um an der Slade School of Fine Art in London zu studieren.

Nach der Befreiung des Sudans von der britischen Kolonialherrschaft kehrte er 1957 nach Khartoum zurück und begann, am Khartoum Technical Institute zu lehren. In den folgenden drei Jahren (1958–1961) arbeitete er daran, aus den zahlreichen – islamischen, afrikanischen, arabischen und westlichen – ästhetischen und kulturellen Einflüssen, denen er ausgesetzt war, einen eigenen Stil zu entwickeln. Er trat als einer der führenden Künstler der Schule von Khartoum hervor und schloss sich dem Mbari Club in Ibadan, Nigeria, an. Nach seiner Entlassung aus einer plötzlich ohne Gerichtsverfahren verhängten Haftstrafe im Sudan (1975) ging er zunächst nach Doha, Katar, und ließ sich 1998 in Oxford, England, nieder.

Ausgehend von seinen Gefängniserlebnissen, entwickelte El Salahi Ende der 1970er- bis Mitte der 1990er-Jahre in einen prägnanten Schwarz-Weiß-Stil. Er war 2013 der erste afrikanische Künstler, dem die Tate Modern in London eine Retrospektive widmete.