Francis Bacon

Fragment of a Crucifixion (Fragment einer Kreuzigung)

Bacon Fragment Of A Crucifixion Van Abbe Museum 1500 - © © The Estate of Francis Bacon. All Rights Reserved/VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: Peter Cox, Eindhoven, The Netherlands
  • Francis Bacon
  • Fragment of a Crucifixion (Fragment einer Kreuzigung)
  • 1950
  • Öl, Watte auf Leinwand
  • 158,4 x 127,4 x 9 cm
  • Collection Van Abbemuseum, Eindhoven - © © The Estate of Francis Bacon. All Rights Reserved/VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: Peter Cox, Eindhoven, The Netherlands

Neben dem blutroten Farbton, den übrigen, auf die Leinwand geschabten Farben und den entstellten Körpern bringt vor allem der schreiende Mund in der Bildmitte das absolute Grauen zum Ausdruck, welches in Fragment of a Crucifixion (1950) herrscht. Das von medizinischen Lehrbüchern und dem Motiv einer schreienden, blutbefleckten Schwester aus Sergej Eisensteins Film Panzerkreuzer Potemkin (1925) inspirierte Motiv des Schreis kommt in Francis Bacons Œuvre immer wieder vor. Wie der Philosoph Gilles Deleuze (1925‒1995) einmal sagte, »entflieht« bei Bacons Schreien »der ganze Körper durch den Mund«. Bacon bevorzugte die durcheinandergeratene Geometrie, bei der die Perspektive von Vorder- und Hintergrund verzerrt wird. Hier scheint die schreiende Figur über einem weißen, geometrischen Käfig zu hängen, der in den Raum des Betrachters hereinragt. Ein weiterer Körper scheint in die dunkle, gestutzte Kreuzform dahinter zurückzuweichen, und eine dritte Masse blutigen Fleisches hängt vom Querholz des Kreuzes herab.

Beginnend mit Three Studies for Figures at the Base of a Crucifixion (Drei Studien für Figuren am Fuß einer Kreuzigung) (1944) malte Bacon viele verzerrte, ja nahezu blasphemische Darstellungen der Kreuzigung. Seine religiösen Ikonen, die einem dezidiert atheistischen Standpunkt entspringen, verweigern sich der Möglichkeit von Hoffnung oder Erlösung. Die erbärmliche Hoffnungslosigkeit von Bacons Kreuzigungsmotiven ist besonders signifikant, da sie sich nicht von den Kriegsgräueln der vorausgegangenen Jahrzehnte trennen lässt. Die schreiende Figur und das mehrdeutige Aufgebot von Strichmännchen und Autos am Horizont deuten an, dass es sich bei diesem Werk nicht um eine direkte Wiederaufnahme der traditionellen religiösen Ikonografie handelt, sondern um deren Verschiebung in die Nachkriegsmoderne.

Gemma Sharpe

Biografie von Francis Bacon

  • Geboren 1909 in Dublin, Irland
  • Gestorben 1992 in Madrid, Spanien

Der Autodidakt Francis Bacon entwickelte sich zu einem der führenden gegenständlichen Maler der Nachkriegszeit. 1927 reiste er nach Berlin und Paris, wo ihn die Werke von Nicolas Poussin (1594–1665) und Pablo Picasso (1881–1973) inspirierten. In Paris besuchte er die freien Akademien. Dort schuf er im selben Jahr auch seine ersten Kunstwerke. Ende 1928 oder Anfang 1929 übersiedelte er nach London und arbeitete kurzzeitig als Innenarchitekt und Möbeldesigner. Knapp ein Jahrzehnt später, 1937, wurden seine Arbeiten in der Gruppenausstellung Young British Painters in der Galerie Thomas Agnew & Sons neben Werken von Künstlern wie Graham Sutherland (1903–1980) gezeigt. Seinen Durchbruch erlebte Bacon 1944 mit dem Triptychon Three Studies for Figures at the Base of a Crucifixion, das allgemein als sein erstes reifes Werk gilt. Auch in der Folgezeit malte der Künstler verzerrte menschliche Figuren und Szenen, die Entfremdung, Gewalt und Leid evozieren. Reihen und Variationen von Motiven sind kennzeichnend für Bacons gesamtes Schaffen. Dabei schöpfte er gleichermaßen aus christlichen wie mythologischen Themen und ließ sich von den Werken anderer Künstler, etwa denen des Malers Diego Velázquez (1599–1660) oder des Fotografen Eadweard Muybridge (1830–1904), inspirieren. Seine erste große Retrospektive wurde 1962 in der Londoner Tate Gallery gezeigt.

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