Joseph Beuys

Fluxusobjekt

Beuys Fluxusobjekt Collection Lothar Schirmer 1 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: Mario Gastinger, Photographics, Munich
  • Joseph Beuys
  • Fluxusobjekt
  • 1962
  • Mischtechnik
  • 47,3 × 45 × 71,8 cm (Pappkarton), 5 × 66,5 × 16,5 cm (Besen), 10,5 × 7 × 18,5 cm (Spielzeugfigur)
  • Städtische Galerie im Lenbacchaus, Leihgabe Lothar Schirmer, München - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: Mario Gastinger, Photographics, Munich

Joseph Beuys schuf sein Fluxusobjekt (1962) in dem Jahr, in dem seine kurze, nur ein Jahr währende Zusammenarbeit mit der Fluxus-Gruppe begann. Zwar teilte er den anti-institutionellen Standpunkt, den viele Mitglieder der Gruppe vertraten, nicht; die Vorstellung, Objekte zu kreieren, die die elitären Definitionen von Malerei und Bildhauerei – als bloße „Kunst um der Kunst willen“ – infrage stellten, entsprach jedoch seinen eigenen Überlegungen im Hinblick auf den gesellschaftlichen Nutzen von Kunst. Das Werk, das ein Jahr vor seiner ersten Fluxus- Performance entstand, ist ein Paradebeispiel für diese Auflehnung gegen das Elitäre. Das aus einem Pappkarton, einem kleinen Besen mit einem Gummiring, Fett, Öl und einem Kinderspielzeug zum Aufziehen (einem von einem Zebra gezogenen Wagen) bestehende Werk wirkt wie die absolute Antithese einer Skulptur, unter der man sich üblicherweise ein wertvolles Objekt vorstellt, das auf einem Sockel präsentiert wird. In dieser Hinsicht weist Fluxusobjekt einerseits Ähnlichkeiten mit Marcel Duchamps dadaistischen Readymades und andererseits mit den Assemblagen der Vorkriegssurrealisten auf. Allerdings fehlt es Fluxusobjekt sowohl an der Vieldeutigkeit der Duchamp’schen Objekte (Beuys verknüpft den Zweck eines Gegenstandes beispielsweise nicht mit einer symbolischen Bedeutung, wie dies bei den Readymades der Fall war) noch lässt es irgendeinen Bezug zu Theorien der Psychoanalyse erkennen, von denen die Werke der Surrealisten geprägt waren. Die von Fluxusobjekt postulierte Botschaft ist im Gegenteil unverblümt und aus dem Leben gegriffen: Es sind die Gegenstände, die uns umgeben, in denen das künstlerische Potenzial liegt.

Damian Lentini 

Biografie von Joseph Beuys

  • Geboren 1921 in Krefeld, Deutschland (damals Deutsches Reich)
  • Gestorben 1986 in Düsseldorf, Deutschland

Joseph Beuys gehört zu den einflussreichsten und umstrittensten Künstlern Nachkriegsdeutschlands. Von 1946 bis 1954 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf Bildhauerei. 1953 hatte er seine ersten Einzelausstellungen in Kranenburg und im Von der Heydt-Museum in Wuppertal, 1958 setzte er zum ersten Mal Fett und Filz ein – Materialien, um die er eine biografische Legende strickte: Nach einem Flugzeugabsturz im Zweiten Weltkrieg – Beuys hatte sich freiwillig zur Luftwaffe gemeldet – sei er von Tataren gerettet worden, die ihn zum Schutz vor der Kälte mit Fett gesalbt und mit Filz gewärmt hätten. In seinen Installationen und Aktionen (z.B. Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt, 1965) verwendete er oft sinnträchtige Objekte und Materialien, die mit seiner Rettung und seinem Selbstverständnis als Schamane in Zusammenhang standen. Als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf (1961–1972) setzte er sich dafür ein, dass jeder, der es wollte, freien Zugang zum Kunststudium erhielt. Beuys entwickelte einen „erweiterten Kunstbegriff“ („Jeder Mensch ist ein Künstler“), der auch sozialpolitisch Früchte tragen sollte. Zwischen 1964 und 1989 nahm er an jeder documenta teil. 1971 zeigte er im Moderna Museet in Stockholm Zeichnungen und Objekte. Die erste Retrospektive seines Werks war 1979 im Guggenheim Museum in New York zu sehen.