Norman Lewis

Every Atom Glows: Electrons in Luminous Vibration (Jedes Atom leuchtet: Elektronen in lichter Schwingung)

Lewis Every Atom Glows Mfa Boston 1500 - © Estate of Norman W. Lewis. Courtesy of Michael Rosenfeld Gallery LLC, New York. Photograph © 2016 Museum of Fine Arts, Boston
  • Norman Lewis
  • Every Atom Glows: Electrons in Luminous Vibration (Jedes Atom leuchtet: Elektronen in lichter Schwingung)
  • 1951
  • Öl auf Leinwand
  • 137,2 cm x 88,9 cm
  • Museum of Fine Arts, Boston. The John Axelrod Collection – Frank B. Bemis Fund, Charles H. Bayley Fund, and The Heritage Fund for a Diverse Collection - © Estate of Norman W. Lewis. Courtesy of Michael Rosenfeld Gallery LLC, New York. Photograph © 2016 Museum of Fine Arts, Boston

Norman Lewis hatte in einem sozialrealistischen Stil gemalt, bevor er zwischen 1945 und 1946 zu einer abstrakten Bildsprache fand, als er Ad Reinhardt (1913‒1967) kennenlernte und sich auch mit anderen bedeutenden Vertretern des Abstrakten Expressionismus zu treffen begann. 1951 verwiesen Lewis’ Abstraktionen nach der Natur auf Jahreszeiten und Pflanzenformen. Doch in Every Atom Glows (1951) entfernte sich der Künstler von eindeutig natürlichen Formen. In diesem Bild zerfließt der Hintergrund in unscharfe Schwarz-Weiß-Bereiche, während das schachbrettartige Muster aus länglichen Ranken im Vordergrund nur so flimmert vor Energie. Möglicherweise handelt es sich hier um eine Anspielung auf das zerstörerische Potenzial der Atombomben, die 1945 über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden.

Wie viele andere Menschen jener Zeit, versuchte Lewis, sich über den Sinn der jüngsten Fortschritte in der Nukleartechnologie klar zu werden. Every Atom Glows bezieht sich nicht nur auf die durch den Kalten Krieg gegebene Drohung einer atomaren Vernichtung, sondern war auch eine Reaktion auf die Wiederkehr zweier älterer philosophischer Richtungen in den 1950ern, nämlich des Energismus, jener Theorie, laut der das höchste Gut die Selbstverwirklichung sei, und der Transzendentalphilosophie, der zufolge Denken und Spiritualität von größerer Wirklichkeit seien als die gewöhnliche menschliche Erfahrung. Der Titel »Jedes Atom leuchtet« ist eine Zeile aus Ralph Waldo Emersons »Nature« (Natur), in dem der Dichter seine Überzeugung erläuterte, das Göttliche ließe sich durch das Studium der Natur aufspüren. Indem er das Atom sowohl als Grundelement des Lebens als auch als die seiner potenziellen Zerstörung zugrundeliegende Kraft behandelt, brachte Lewis die Ungewissheiten des Atomzeitalters zum Ausdruck.

Adrianna Campbell

Biografie von Norman Lewis

  • Geboren 1909 in New York, New York, Vereinigte Staaten
  • Gestorben 1979 in New York, New York, Vereinigte Staaten

Norman Lewis gilt als Individualist unter den Abstrakten Expressionisten. Nachdem er an der Highschool Werbegrafik studiert hatte, fuhr er in den Gewässern Südamerikas und der Karibik mehrere Jahre zur See. In den 1930er-Jahren studierte er an der Columbia University, besuchte Kurse bei Augusta Savage (1892–1962) und schloss sich der sogenannten 306 Group an – einer in Harlem ansässigen afroamerikanischen Künstlergruppe mit 306 Mitgliedern. 

Zu dieser Zeit begann er im Stil des sozialkritischen Realismus zu malen. Er war ein politischer Künstler, arbeitete für das Programm der Works Progress Administration und gehörte bald fest zur Harlemer Künstlergemeinschaft. In den 1940er-Jahren schuf er gestische, vom Jazz inspirierte Gemälde in leuchtenden Farben mit atmosphärischen Effekten und kalligrafischen Linien, die in dynamischen, schwarmartigen Formationen arrangiert waren. 

Ab 1949 hatte er eine Reihe von Einzelausstellungen in der Willard Gallery in New York; 1951 war er in der Ausstellung Abstract Painting and Sculpture in America im Museum of Modern Art in New York vertreten. 

Er war Mitbegründer der 1961 im Zusammenhang mit der Bürgerrechtsbewegung entstandenen Künstlergruppe SPIRAL und der 1969 aus der Taufe gehobenen New Yorker Chinque Gallery für farbige Künstler. 1975 erhielt er ein Guggenheim-Stipendium; 2015 widmete ihm die Pennsylvania Academy of Fine Arts eine große Retrospektive.