Emilio Vedova

Europa ‘50 (Europa ‘50)

Vedova Europa 1950 Fondazione Musei Civici Di Venezia 1500 - © Fondazione Emilio e Annabianca Vedova, Venezia. 2016 © Photo Archive - Fondazione Musei Civici di Venezia
  • Emilio Vedova
  • Europa ‘50 (Europa ‘50)
  • 1949-50
  • Öl auf Leinwand
  • 123 cm × 126 × 18 cm
  • Fondazione Musei Civici di Venezia, Galleria Internazionale d’Arte Moderna di Ca’Pesaro - © Fondazione Emilio e Annabianca Vedova, Venezia. 2016 © Photo Archive - Fondazione Musei Civici di Venezia

Im Zweiten Weltkrieg lebte Emilio Vedova nicht in seiner Heimatstadt Venedig. 1943 trat er der Mailänder Künstlergruppe Corrente bei, in deren Manifest von „der revolutionären Rolle der Malerei“ die Rede war und verkündete: „Mit unserer Malerei werden wir Flaggen hissen.“ Der Künstler schloss sich wenig später dem antifaschistischen Widerstand an und besiegelte sein revolutionäres Dogma mit der Überzeugung, dass Kunst, und vor allem die Malerei, den sozialen Wandel wirksam fördere. Nach dem Krieg setzte Vedova sein Schaffen in Venedig fort, wo seine Bilder deutlich abstrakter wurden. Sie stellen eine Art düsterer Kantigkeit zur Schau, die gleichermaßen vom Kubismus wie vom Futurismus beeinflusst war. 1946 gründete Vedova mit einigen Künstlern die postkubistische Fronte Nuovo delle Arti, die als Gruppe bei Ausstellungen in Italien gemeinsam auftraten. Unter den Mitgliedern gab es gegenläufige Tendenzen in Bezug auf die Abstraktion und den Realismus, die schließlich 1950 zu ihrer Auflösung führten.

Beide Richtungen fließen in Europa ’50 (1949–1950) ein, einem großen Tableau mit Formen in Weiß, Grau und Schwarz. Das Bild lässt mit seinen kubistisch inspirierten Geometrien und einem gut durchdachten Einsatz von Licht und Schatten eine hektische Spontaneität entstehen, die an die Energie der Art informel oder des amerikanischen Action-Painting erinnert. Aber durch seine dezente Farbwahl und die plastische, fast schon bildhafte Raumwirkung entfernt es sich auch von deren abstrakten Übereinkünften.

Nicolas Linnert

Biografie von Emilio Vedova

  • Geboren 1919 in Venedig, Italien
  • Gestorben 2006 in Venedig, Italien

Emilio Vedova war ein Maler der Moderne und ein Pionier des Informel in Italien. Mitte der 1930er-Jahre lebte er in Rom und Florenz. 1942 schloss er sich der antifaschistischen Künstlervereinigung Corrente in Mailand an, 1944 und 1945 war er im italienischen Widerstand tätig. 

1946 veröffentlichte er das Manifest Oltre Guernica (Jenseits von Guernica) und begründete in Venedig die Nuova Secessione Italiana. Auf der Biennale in Venedig 1948 wurden seine Werke erstmals präsentiert. 1960 erhielt er dort den Großen Preis für Malerei, 1997 den Golden Löwen für sein Lebenswerk. 

In den frühen 1950er-Jahren verlagerte sich sein Stil von der geometrischen Abstraktion hin zur spontanen, gestischen Malerei des Informel, in der Zyklen wie Scontro di situazioni (Zusammenprall von Situationen), Ciclo della Protesta (Protestzyklus) und Cicli della Natura (Zyklen der Natur) entstanden. Seine erste Einzelausstellung außerhalb Italiens erhielt er 1951 in der Catherine Viviano Gallery in New York. 

1960 zeichnete Vedova für die Beleuchtung und Kostüme von Luigi Nonos Oper Intolleranza ’60 verantwortlich. Im Jahr darauf entstanden seine ersten Plurimi, freistehende Installationen aus bemalten, miteinander verbundenen und an Metallgerüsten aufgehängten Holzbrettern. 

Sein Absurdes Berliner Tagebuch ’64 wurde im selben Jahr auf der documenta in Kassel vorgestellt. Vedova wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter auch dem Guggenheim International Award (1956).