Lygia Clark

Contra Relevo (Kontra-Relief)

Clark Contra Relevo Collection Jones Bergamin 1 1500 - © The Associação Cultural O Mundo de Lygia Clark. Mario Costa Grissolli
  • Lygia Clark
  • Contra Relevo (Kontra-Relief)
  • 1959
  • Industrielack auf Holz
  • 140 x 140 x 2,5 cm
  • Privatsammlung, São Paulo - © The Associação Cultural O Mundo de Lygia Clark. Mario Costa Grissolli

Teilweise inspiriert von Lygia Clarks immenser künstlerischer Produktivität der Jahre 1957 bis 1959, erklärte der brasilianische Dichter und Kritiker Ferreira Gullar 1959, die neo-konkrete Kunst sei ein eigenständiges, wenn auch inhärent mit der konkreten Kunst verwandtes Phänomen. Clark und die anderen mit der in Rio de Janeiro beheimateten neo-konkreten Bewegung verbundenen Künstler, wie etwa Hélio Oiticaca, teilten die Überzeugung, der konkreten Kunst fehle es an Kreativität, sie verlasse sich zu sehr auf mechanische Prinzipien. Stattdessen wollten sie Kunst und Leben integrieren, indem sie der Vorstellung von Kunst als einem rein kontemplativen Medium dadurch entgegentraten, dass sie interaktive Werke schufen, die von der Wand abprallten, von der Decke herabhingen und die Umwelt miteinbezogen.

Planos em superficie modulada no. 1 (1957), Casulo (1958) und Contra Releva (1959) veranschaulichen Clarks Interesse an geometrischen Ebenen ebenso wie ihre zunehmende Aggressivität gegenüber den Grenzen der bemalten Leinwand. Mit jedem Werk bewegte sie sich weiter nach außen, in den Umraum, und brachte so zum Ausdruck, dass sie die Flachheit der traditionellen Malerei ablehnte. Planos em superficie modulada no. 1 und Contra Releva bewegen sich auf dem schmalen Grat zwischen Malerei und Relief, während sich Casulo völlig von den zweidimensionalen Begrenzungen der Malerei losreißt. Die diesen Werken gemeinsamen Materialien, Industriefarbe und Holz, erinnern an die allgegenwärtige Bautätigkeit in den brasilianischen Städten während der 1950er- und ’60er-Jahre. In Anbetracht solch drastischer Veränderungen empfanden die neo-konkreten Künstler Kunst, die ihre Umgebung ignorierte, als falsch.

Megan Hines

Biografie von Lygia Clark

  • Geboren 1920 in Belo Horizonte, Brasilien
  • Gestorben 1988 in Rio de Janeiro

1947 nahm Lygia Clark ein Kunststudium bei dem Architekten Roberto Burle Marx auf. Ihre frühen Gemälde waren geprägt vom aufkeimenden brasilianischen Konstruktivismus der 1950er-Jahre. Von 1950 bis 1952 studierte sie in Paris bei Fernand Léger und entwickelte in dieser Zeit ein noch ausgeprägteres Gespür für Formen und deren Sinnlichkeit. Nach der Rückkehr nach Brasilien schloss sie sich 1954 in Rio der konkretistischen Avantgardebewegung Grupo Frente an. 1959 begründete sie die Künstlergruppe Neoconcrete mit und wurde, neben Hélio Oiticica, eine ihrer führenden Vertreter.

Zur gleichen Zeit verlagerte sich ihr Schwerpunkt vom Kunstobjekt zu einer interaktiven Kunst. Ihre Anfang der 1960er-Jahre entstandenen Bichos (Kreaturen) – eine Serie beweglicher, aus geometrisch geformten und durch Scharniere miteinander verbundenen Aluminiumteilen zusammengesetzter Objekte, für die sie 1961 mit dem Skulpturenpreis der Biennale von São Paulo ausgezeichnet wurde – waren eine Aufforderung an den Betrachter, sich aktiv mit ihrem Werk zu beschäftigen. 1968 konzipierte die Künstlerin für das Museu de Arte Moderna do Rio de Janeiro die begehbare Installation A casa é o corpo (Das Haus ist der Körper).

Im gleichen Jahr übersiedelte sie nach Paris, wo sie ab 1972 mehrere Jahre an der Sorbonne lehrte und therapeutische Verfahren entwickelte, bei denen sie mit Kunstobjekten arbeitete. 1976 kehrte sie nach Brasilien zurück. Für etwa ein Jahrzehnt gab sie die Kunst vollständig auf, um sich ausschließlich ihren therapeutischen Techniken zu widmen. Clarks größtes Vermächtnis besteht darin, das Potenzial der Kunst um eine physische und psychische Dimension erweitert zu haben.