Aleksandar Srnec

Construction 53 (Konstruktion 53)

Srnec Construction 53 Marinko Sudac Collection Frei 1500
  • Aleksandar Srnec
  • Construction 53 (Konstruktion 53)
  • 1953
  • Messingdraht
  • 10 × 83,5 × 46 cm
  • Marinko Sudac Collection

Aleksandar Srnec, einer der Gründer der neo-konstruktivistischen Gruppe Eksperimentalni atelje (Experimentelles Atelier) genannt EXAT 51 in Zagreb, war einer der wichtigsten Akteure bei der Wiederbelebung der geometrischen Abstraktion im Jugoslawien der Nachkriegszeit. Er schuf Werke wie Construction 53 (1953), das den Einfluss künstlerischer Strömungen der Vorkriegszeit, wie etwa Bauhaus, russischer Konstruktivismus und De Stijl, widerspiegelt. EXAT 51 entstand in Opposition zum Sozialistischen Realismus und versuchte, das Ansehen der abstrakten Kunst in den Augen der Behörden der Kommunistischen Partei durch die Betonung des demokratischen Potenzials dieser Kunstrichtung zu heben. Srnec und die anderen EXAT-Mitglieder argumentierten, Abstraktion sei nicht einfach nur eine elitäre „L’art pour l’art“-Angelegenheit, sondern der Schlüssel zu einer wahren Synthese der Künste, mit dem sich die Hierarchien zwischen Werkstoffen und Gattungen beseitigen und neue Formen der gesellschaftlichen Kommunikation erzeugen ließen.

Obwohl Srnec zu Beginn seiner Laufbahn zunächst als Maler tätig war, begann er ca. 1953 mit Drahtskulpturen zu experimentieren und übertrug so die abstrakten linearen Bögen seiner Zeichnungen und Gemälde auf dreidimensionale Konstrukte. Nachdem er die Drähte zunächst an einem rechteckigen Rahmen aufgehängt und damit einen gewissen bildhaften Charakter der Werke gewahrt hatte, verlieh er den Linien in Construction 53 (Konstruktion 53) eine dynamischere räumliche Präsenz und dehnte sie in alle Richtungen aus. Construction 53 lässt an die Armatur eines futuristischen Architekturmodells denken und ist Ausdruck des Bestrebens der EXAT-Gruppe, Kunst, Architektur und Design zu einem Gesamtkunstwerk zu verschmelzen. Die ausladenden Kurven dieses durchbrochenen Gebildes verleihen ihm aber ‒ im Gegensatz zu den starren, geometrischen Formen im Werk von Srnecs Vorgängern ‒ auch einen lyrischen Charakter. Später experimentierte Srnec mit kinetischer Kunst und bezog sowohl Licht als auch Bewegung in seine Werke ein, um die räumlichen und perzeptorischen Effekte zu steigern.

Rachel Wetzler

Biografie von Aleksandar Srnec

  • Geboren 1924 in Zagreb, Königreich Jugoslawien
  • Gestorben 2010 in Zagreb, Kroatien

Aleksandar Srnec bediente sich zahlreicher Ausdrucksformen, darunter Malerei und kinetische Skulptur. Er studierte von 1943 bis 1949 an der Kunsthochschule der Universität Zagreb. Nach seinem Abschluss entwarf und kuratierte er zusammen mit dem Architekten Vjenceslav Richter (1917–2002) und dem Künstler Ivan Picelj (1924–2011) Ausstellungen zeitgenössischer jugoslawischer Kunst. 

1951 gründeten die drei gemeinsam mit anderen Architekten und dem Maler und Filmemacher Vladimir Kristl (1923–2004) das „Experimentelle Atelier“ EXAT 51. In ihrem Manifest griffen sie den Sozialistischen Realismus, wie er von den Kommunisten propagiert wurde, scharf an und traten für abstrakte Kunst als Mittel für soziale Veränderungen ein. 

EXAT 51 setzte sich zum Ziel, Kunst, Architektur und Design zu verbinden, um auf diese Weise das Alltagsleben zu verbessern. Aus EXAT 51 ging die avantgardistische Gruppe Neue Tendenzen hervor, die sich auf kinetische Kunst und Op-Art konzentrierte. 

In den 1950er-Jahren begann Srnec, kinetische Skulpturen zu schaffen, und integrierte später, in den 1960er- und 1970er-Jahren, Licht und auf Hochglanz poliertes Metall in seine Arbeiten. 1999 erhielt er den Vladimir Nazor-Preis für sein Lebenswerk und 2008 eine Ehrung des kroatischen Künstlerverbandes. 2010 zeigte das Museum für zeitgenössische Kunst in Zagreb eine Retrospektive seines Werks.