Hans Haacke

Condensation Cube (exhibition copy) (Kondensationswürfel [Ausstellungsduplikat])

Haacke Condensation Cube Macba 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn. Photo: Hans Haacke
  • Hans Haacke
  • Condensation Cube (exhibition copy) (Kondensationswürfel [Ausstellungsduplikat])
  • 1965/2006
  • Plexiglas, Wasser
  • 76 x 76 x 76 cm
  • MACBA. Museu d'Art Contemporani de Barcelona - © VG Bild-Kunst, Bonn. Photo: Hans Haacke

Hans Haackes experimentelle, wissenschaftliche Herangehensweise an den künstlerischen Prozess greift der Prozessorientierung seiner konzeptuellen Werke der späten 1960er-Jahre vor, seine umfeldbezogenen Arbeiten knüpfen an Prozesse in der Natur an. Seine experimentellen Vorentscheidungen legen die Struktur seiner Skulpturen fest, bestimmen aber nicht auch schon das Ergebnis. 1967 erklärte Haacke gegenüber dem Kunst- und Technologiekritiker Jack Burnham: „Ich glaube, dass eine rationale, beinahe positivistische Herangehensweise tatsächlich an einen Punkt geführt werden kann, an dem sie zu etwas sehr Poetischem, Schwerelosem und Irrationalem aufblüht.“

Haacke stellte seinen ersten Kondensationswürfel her, nachdem er eine Skulpturenreihe mit „Tröpfchen“-Kästen kreierte, bei denen die Betrachter verschiedene Abschnitte mit Wasser befüllen mussten. Obwohl der Kondensationswürfel weniger aktive Beteiligung einfordert, reagiert er auf die Anwesenheit der Betrachter. Durch das unter dem Plexiglas versiegelte, destillierte Wasser demonstriert der Kondensationswürfel einen natürlichen Kreislauf, der trotz seiner Abgeschlossenheit in einem versiegelten Behältnis immer in Gang bleibt. Licht, Luftströmungen und die Anwesenheit vieler Besucher erwärmen das Innere des Würfels und erzeugen in ihm einen ewigen Kreislauf von Verdunstung, Kondensation und Niederschlag. Mit der Eingrenzung eines Naturphänomens innerhalb des kulturell besetzen Raums der Kunstgalerie oder des Museums lädt Haacke den Betrachter ein, Beobachter und Beteiligter eines zugleich physikalischen wie kulturellen Phänomens zu sein. Im Gegensatz zur konservativen Skulptur in der Tradition der Moderne befindet sich der Kondensationswürfel in einem ständigen Fluss. Diese auf das Umfeld des Kunstwerks bezogene Aufmerksamkeit – sowohl in kulturellem wie in naturwissenschaftlichem Sinn – zeigt Haackes frühes Interesse für die Rahmenbedingungen der Kunstproduktion und des Ausstellens, die er in späteren, eher politisch motivierten Arbeiten zum Thema machte.

Amy Rahn

Biografie von Hans Haacke

  • Geboren 1936 in Köln

Das Werk des Konzeptkünstlers Hans Haacke ist häufig mit gezielt gesetzten politischen Obertönen durchsetzt. Haacke studierte von 1956 bis 1960 an der Staatlichen Werkakademie in Kassel (heute Kunsthochschule Kassel) und arbeitete daraufhin im Atelier 17 in Paris. 1961 erhielt er ein Stipendium für die Tyler School of Art an der Temple University in Philadelphia, 1963 zog er nach New York. 

Einen Großteil seiner Karriere verbrachte Haacke mit Lehrtätigkeiten an verschiedenen amerikanischen Einrichtungen, mit Ausnahme der Jahre 1963 bis 1965 und einigen kürzeren Perioden, während derer er in Deutschland unterrichtete. In seinen Projekten in der Öffentlichkeit setzt er investigative und demonstrative Methoden ein, um so die finanziellen und institutionellen Verflechtungen im Kunstmarkt zu thematisieren. In Arbeiten wie dem Condensation Cube (Kondensationswürfel, 1963) setzte er sich zudem mit biologischen bzw. physikalischen Phänomenen auseinander. Eine im Jahr 1971 geplante Ausstellung im Solomon R. Guggenheim Museum in New York wurde vom damaligen Museumsdirektor Thomas Messer abgesagt, da einige Arbeiten kritische Fragen zu den Geschäften und persönlichen Beziehungen von Mitgliedern des Museumsvorstands aufwarfen. 

Für sein Werk wurde Haacke 1978 von der US-amerikanischen National Endowment for the Arts geehrt und erhielt zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter 1993 als Vertreter Deutschlands den Goldenen Löwen der Biennale Venedig, zusammen mit Nam June Paik.