Shafic Abboud

Composition (Komposition)

Abboud Composition Collection Of Mr  Antoun Nabil Sehnaoui 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
  • Shafic Abboud
  • Composition (Komposition)
  • 1954
  • Öl auf Leinwand
  • 64,5 x 92 cm
  • Collection Antoun Nabil Sehnaoui - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Composition (1954) gehört zu einer gleichnamigen Bilderserie, mit der Shafic Abboud sich gegen die Gegenständlichkeit akademischer Malerei wendet und zur reinen Abstraktion bekennt. Ab den späten 1940er-Jahren begann Abboud gegenständliche Formen zu meiden und das befreiende Potenzial der Abstraktion zu erforschen, mit der er sich bis zum Ende seiner Laufbahn auseinandersetzte. Obgleich er im Libanon ausstellte und daher mit seinem Heimatland in Verbindung blieb, lebte er ab den 1950er- bis in die 1980er-Jahre hinein in Paris und konnte in der Pariser Schule der Abstraktion schnell Fuß fassen, nahm Unterricht und pflegte enge Kontakte zur Pariser Künstlerszene – die selbst aus international gemischten Künstlern und Stilen bestand. Abboud setzte sich intensiv mit den Debatten auseinander, die nach dem Weltkrieg um das Nicht-Figurative kreisten. Dabei ging es um die Möglichkeiten der ausdrucksbetonten, gestischen Malerei, den überholten Rationalismus der Geometrischen Abstraktion, die mit der Realität der Nachkriegszeit nur mehr wenig zu tun hatte.

Composition ist ein frühes Werk des Künstlers bei seiner Suche nach einer eigenen, abstrakten Handschrift und einem kompositorischen Stil, die den Maler Abboud noch über viele Jahre beschäftigen sollte. Hier experimentierte er mit Pigmentmischungen und Farbkombinationen, die er später in verschiedenen Medien verfeinerte, darunter im Teppichdesign, in der Lithografie und Keramik. Bei diesem Bild dekonstruierte Abboud die Rationalität der geometrischen Form, indem die Rechtecke und Trapeze, die aneinander hängen bleiben oder sich überlappen, zu einem chaotischen Gebilde umherdriftender Umrisse werden. Die Instabilität der Bildfläche, die sich in späteren Bildern mit dem gleichnamigen Titel Composition noch stärker ausprägte, deutete sich bereits hier in der Kompression und Expansion der Farbfelder an, die sich gegen ihre deformierten Umrisse wölben. Die auf Braun- und Rottöne begrenzte Farbgebung erhöht diese Spannung der gleichzeitig vor- und zurücktretenden Formen.

Tiffany Floyd

Biografie von Shafic Abboud

  • Geboren 1926 in Bikfaya, Libanon
  • Gestorben 2004 in Paris, Frankreich

Shafic Abboud studierte an der Académie Libanaise des Beaux-Arts (ALBA) bei César Gemayel (1898–1958), ehe er 1947 nach Paris zog. Dort setzte er sein Studium an der École nationale supérieure des Beaux-Arts fort und besuchte die Ateliers von Jean Metzinger (1883–1956), Fernand Léger (1881–1955) und André Lhote (1885–1962). 1949 kehrte er in den Libanon zurück; 1950 hatte er in Beirut seine erste Einzelausstellung, bei der er figurative Malerei zeigte. Im Jahr darauf ließ er sich erneut in Paris nieder. In der ersten Hälfte der 1950er-Jahre wurde Abboud zu einem Bewunderer Pierre Bonnards (1867–1947), Roger Bissières (1886–1964) und Nicolas de Staëls (1914–1955). Dank der Unterstützung des Kunstkritikers Roger van Gindertael (1899–1982) konnte Abboud 1955 in Paris erstmals abstrakte Werke ausstellen. Er wurde zum Salon des Réalités Nouvelles in Paris eingeladen und war der einzige arabische Künstler, der an der ersten Pariser Biennale 1959 teilnahm. Sein ausgewogener Umgang mit Farbe und die subtile Einbeziehung seiner libanesischen Wurzeln, insbesondere seiner Kindheitserinnerungen und der Landschaft des Libanon-Gebirges, in seine meisterhaft komponierten Gemälde, verschafften Abboud künstlerische Anerkennung. Er war oft auf Reisen und kehrte regelmäßig in sein Heimatland zurück, wo er eine bedeutende Rolle im Kunst- und Kulturleben Beiruts spielte.