David Alfaro Siqueiros

Cain in the United States (Kain in den Vereinigten Staaten)

Siqueiros Cain In The United States Museo De Arte Carrillo Gil 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: Javier Hinojosa
  • David Alfaro Siqueiros
  • Cain in the United States (Kain in den Vereinigten Staaten)
  • 1947
  • Pyroxylin auf Masonit
  • 77 x 93 cm
  • Colección Museo de Arte Carrillo Gil – Secretaria de Cultura – INBA, Mexico City - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: Javier Hinojosa

Obwohl man ihn vor allem als einen der wichtigsten Vertreter der mexikanischen Wandmalerei kennt, schuf David Siqueiros auch zahlreiche Staffeleibilder. Und auch wenn er stets ein expressionistischer Maler war, entwickelte er später in seiner Laufbahn in seinem Bemühen, eine neue und dunklere Sicht der Menschheit in der Nachkriegszeit zu vermitteln, einen stärker abstrahierenden, gegenständlichen Stil. Im Gegensatz zu anderen Muralisten wie Diego Rivera und José Clemente Orozco, die sich im Allgemeinen auf historische Szenen von nationaler Bedeutung konzentrierten, sind Siqueiros Gemälde größtenteils allegorischer Natur und von internationalem Zuschnitt.

In Cain in the United States (1947) schilderte Siqueiros ein Gefühl verhängnisvoller Gefahr, um die durchdringende Hoffnungslosigkeit zu vermitteln, die der gewaltsame Aufstieg des Faschismus in Mexiko und andernorts erzeugte. Das werk schildert den barbarischen, von einem aus weißen Männern und Frauen bestehenden Pöbel verübten Lynchmord an einem schwarzen Mann. Es bringt eine explizite Kritik an der amerikanischen Rassenpolitik zum Ausdruck. Die weißen Körper mit den schnabelförmigen Mündern und knirschenden Zähnen verlieren ihre Menschlichkeit und verwandeln sich in ihrer rasenden Wut in Bestien. Der Titel bezieht sich auf die biblische Geschichte des Brudermords, in der Kain seinen jüngeren Bruder Abel ermordet und daraufhin von Gott verflucht und dazu verurteilt wird, ruhelos durch die Welt zu streifen. Für Siqueiros war rassistische Gewalt gegen Afroamerikaner ein Schandmal für die gesamte Menschheit.

Megan Hines

Biografie von David Alfaro Siqueiros

  • Geboren 1896 in Chihuahua, Mexiko
  • Gestorben 1974 in Cuernavaca, Mexiko

Um seine revolutionären marxistischen Ideen zum Ausdruck zu bringen, benutzte David Alfaro Siqueiros in jeder Schaffensphase sowohl revolutionäre Techniken (Airbrush, Diaprojektionen) als auch neue Materialien (Pigmente aus Nitrozellulose, Sperrholz). 

In seinen dynamischen Bildern und Wandgemälden entwickelte er mittels einer begrenzten Farbauswahl und dramatischer Hell-Dunkel-Effekte eine eigene Bildsprache und räumliche Darstellungsweise. Er begann seine Ausbildung 1911 an der Academia de San Carlos in Mexiko-Stadt. 

Als überzeugter Kommunist und radikaler Antifaschist unterbrach er während des mexikanischen Bürgerkriegs 1914 sein Studium und trat der Revolutionsarmee bei. Während einer Reise durch Europa von 1919 bis 1922 lernte er seinen Landsmann Diego Rivera (1886–1957) kennen. 

Nach ihrer Rückkehr nach Mexiko wurden die beiden Künstler zusammen mit José Clemente Orozco (1883–1949) die wichtigsten Vertreter der modernen Wandmalerei in Mexiko. Siqueiros feierte mit seinen monumentalen politischen Wandbildern Erfolge, erhielt Aufträge von der öffentlichen Hand und schuf in den 1930er-Jahren Wandmalereien in Los Angeles, New York und Südamerika. 

Während eines Aufenthalts in New York gründete er in den 1930er-Jahren ein experimentelles Atelier, in dem junge Künstler gemeinsam übten und neue Techniken erprobten. Einer seiner Schüler dort war der junge Jackson Pollock. 1950 nahm Siqueiros als einer der ersten mexikanischen Künstler an der Biennale von Venedig teil.