Syed Sadequain

Cactus (Kaktus)

Sadequain Cactus Courtesy Grosvenor Gallery 1500
  • Syed Sadequain
  • Cactus (Kaktus)
  • 1960
  • Öl auf Leinwand
  • 90 × 120 cm
  • Mr. Taimur Hassan c/o Grosvenor Gallery

Bevor er nach der Teilung Indiens 1947 nach Pakistan zog, war Sadequain Kalligraf beim All India Radio und transkribierte Lieder und Texte für die dort als Gäste auftretenden Künstler. 1957 sah sich Sadequain mit seinem klaren kalligrafischen Stil herausgefordert, als er auf die verblüffend kantigen Kakteen an der Küste von Belutschistan traf. In seinem Gemälde Cactus (1960) verschmolz er vage Buchstabenformen in Urdu (und damit auch Persisch und Arabisch) mit dornigen Ästen und Farbrinnsalen ohne feste Form zu einer fast vollkommen abstrakten Komposition.

Als der pakistanische Staat in den 1970er- und 80er-Jahren in religiöser Hinsicht zunehmend konservativer wurde, feierte man Sadequains kalligrafischen Modernismus. Sein nicht datiertes kalligrafisches Gemälde Boats at Sea (Boote auf dem Meer) beinhaltet den Text „Im Namen des denkwürdigen Koran. Im Namen des glorreichen Koran. Im Namen der Feder [und all dessen, was sie schreibt].“ Es verwundert nicht, dass dieses Werk 1980 von der damals durch den das Land islamisierenden Diktator Mohammad Zia-ul-Haq gestellten Regierung dem Metropolitan Museum in New York geschenkt wurde. Doch Sadequains Beziehung zu Staat und Religion war nie unzweideutig. Seine Religiosität war die eines auf Wanderschaft befindlichen Sufi-Asketen, und während seiner gesamten Karriere bewahrten seine Bilder und Wandgemälde ein Gefühl von Freiheit, ja riefen sogar halluzinogene Effekte hervor. Boats at Sea etwa verbindet lockere Farblavierungen mit denselben dünnen und scharfen Linien, die sich auch in seinen anderen Gemälden, etwa Cactus, finden. Der religiöse Schriftzug ist sorgfältig ausgeführt, doch anschließend umgibt Sadequain ihn mit formal freien, malerischen Gesten.

Gemma Sharpe

Biografie von Syed Sadequain

  • Geboren 1930 in Amroha, Britisch-Indien
  • Gestorben 1987 in Karatschi, Pakistan

Sadequain stammte aus einer Familie muslimischer Kalligrafen und griff während seiner Laufbahn als Maler immer wieder auf diese traditionelle Schriftkunst zurück. 1944 zog er nach Neu-Delhi und arbeitete als Kalligraf für All India Radio. 

Von 1946 bis 1948 studierte er an der Universität in Agra. Nach der Teilung Britisch-Indiens 1947 nahm er die pakistanische Staatsbürgerschaft an und schloss sich der Progressive Artists’ Group und dem Progressive Writers’ Movement an. 

1955 stellte er in der Residenz des späteren pakistanischen Premierministers Hussain Shaheed Suhrawardy (1892–1963) aus. Anschließend erhielt er eine Reihe öffentlicher Aufträge für großformatige Wandgemälde. Hervorzuheben sind z.B. Treasures of Time (1961) in der Staatsbank von Pakistan in Karatschi, Saga of Labor (1967) im Elektrizitätswerk des Mangla-Staudamms in Asad Kaschmir und Evolution of Mankind (1973) in der Eingangshalle des Lahore Museum. 

In seinen Bildern verherrlichte Sadequain die Arbeiterklasse. Auch Symbole des Kampfes, z.B. Kakteen, sind darin zu finden. 1960 wurde er mit dem pakistanischen Nationalpreis für Malerei ausgezeichnet. 

Noch im selben Jahr zog er nach Paris, wo er 1961 auf der Biennale den Preis für Künstler unter 35 Jahren erhielt. 1967 kehrte er nach Pakistan zurück. Ihm ist es zu verdanken, dass die Kalligrafie in der modernen Kunst Pakistans eine wichtige Rolle spielt.